Arbeitsrecht

Wenn der Kollege fragt: Muss ich mein Fachwissen teilen?

Ein neuer Kollege fragt den Alteingesessenen aus. Wie viel der Beschäftigte verraten muss, erklärt ein Fachanwalt für Arbeitsrecht.

Wissensträger im Unternehmen stellen sich die Frage, ob sie ihre Fachkenntnisse und Erfahrungen jedem preisgeben müssen

Wissensträger im Unternehmen stellen sich die Frage, ob sie ihre Fachkenntnisse und Erfahrungen jedem preisgeben müssen

Foto: Monique Wüstenhagen / picture alliance / dpa Themendie

Berlin.  Um Know-how und die Pflicht, es mit zu Kollegen zu teilen, geht es diese Woche in unserer Arbeitsrecht-Kolumne.

Ich habe einen neuen Kollegen. Er ist bereits gut eingearbeitet, doch er fragt mich ständig über mein Fachwissen aus. Ich habe mir meine Kenntnisse über die Jahre mühsam angeeignet. Muss ich sie mit meinem Kollegen teilen?

Das sagt Rechtsanwalt Dr. Heiko Peter Krenz: Wissen ist Macht und Berufserfahrung erst recht. Wer viel weiß, hat bessere Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Ehrgeizige Arbeitnehmer sind aus diesem Grund stets bestrebt, ihre Fachkenntnisse auszubauen und opfern dafür nicht selten ihre Freizeit. Möglicherweise ist das auch bei Ihnen so. In dem Fall wäre es umso verständlicher, dass Sie nicht bereit sind, Ihr schwer erarbeitetes Wissen zu teilen.

Doch nun stellen Sie sich als Wissensträger in Ihrem Unternehmen zu Recht die Frage, ob Sie Ihren Schatz an Fachkenntnis und Erfahrung preisgeben müssen oder nicht. Wie so oft lautet die Antwort auch hier: Es kommt darauf an. Haben Sie Ihr Wissen nämlich im Unternehmen erworben, sind Sie grundsätzlich arbeitsvertraglich verpflichtet, Ihre Erkenntnisse weiterzugeben.

Soll zum Beispiel ein neuer Kollege eingearbeitet werden, ist es ja zwangsläufig notwendig, ihn mit Details und Gepflogenheiten des Betriebs vertraut zu machen. Dazu gehört auch das Erfahrungswissen, das für den regulären Betriebsablauf erforderlich ist. Einfach verschließen können Sie sich dem Kollegen in diesem Fall nicht.

Etwas anderes gilt bei privat erworbenem Wissen. Wenn Sie sich aus Eigeninitiative und womöglich auch noch auf eigene Kosten weitergebildet haben, dürfen Sie auch alleine davon profitieren. Dieses Wissen müssen Sie nicht an Kollegen weitergeben.

Trotzdem sollten Sie sich überlegen, ob Sie sich dem Fragesteller wirklich verweigern wollen. Sein Wissen zu teilen bietet nämlich durchaus Vorteile, besonders dann, wenn es irgendwann auf Gegenseitigkeit beruht. Einige Betriebe bieten mittlerweile sogar Plattformen an, auf denen sich Mitarbeiter gezielt über Erfahrungen austauschen können. Eine Pflicht, sein privat erworbenes Fachwissen weiterzugeben, besteht jedoch auch dort nicht.