Arbeitsrecht

Muss man bei Krankschreibung seinem Chef den Grund nennen?

Der gelbe Schein verrät nicht, warum ein Mitarbeiter arbeitsunfähig ist. Das hat auch gute Gründe, erklärt ein Anwalt für Arbeitsrecht.

Eine Krankschreibung verrät nicht den Grund der Erkrankung.

Eine Krankschreibung verrät nicht den Grund der Erkrankung.

Foto: PeJo29 / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Ich bin vor einigen Tagen arbeitsunfähig erkrankt. Mein Chef möchte nun den Grund meiner Krankheit wissen. Muss ich ihm die Krankheitsursache nennen?

Das sagt Rechtsanwalt Dr. Heiko Peter Krenz:

Ist absehbar, dass ein Mitarbeiter über längere Zeit krankheitsbedingt ausfällt, haken viele Vorgesetzte nach und möchten erfahren, welche Krankheit dafür die Ursache ist. Ihnen als Arbeitnehmer ist das verständlicherweise nicht recht. Denn ob Ihr Chef nachfragt, weil er aufrichtig besorgt um Sie ist oder ob er an Ihrer Krankschreibung zweifelt, lässt sich nicht ohne Weiteres feststellen.

Die gute Nachricht: Ihrem Chef ist das Nachfragen zwar nicht verboten, aber Sie müssen nicht darauf antworten. Der Grund Ihrer Krankheit ist Privatangelegenheit und geht den Arbeitgeber nichts an. Aus genau diesem Grund wird die Art der Erkrankung ja auch auf der Krankschreibung nicht genannt. Von der Krankenkasse und vom Arzt erfährt der Arbeitgeber ebenfalls nichts. Sie unterliegen der Schweigepflicht.

Das Gleiche gilt im Übrigen für den Betriebsarzt. Lässt sich ein Arbeitnehmer von ihm untersuchen, darf er den Arbeitgeber nur darüber informieren, ob der Mitarbeiter für die ausgeübte Tätigkeit oder für eine künftige Position gesundheitlich geeignet ist. Eine genaue Dia­gnose darf er nicht weitergeben.

Allerdings kann es unter Umständen sinnvoll sein, den Betriebsarzt von der Schweigepflicht zu entbinden, beispielsweise, wenn dem Mitarbeiter die Teilnahme an einem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) angeboten wird. Leidet ein Arbeitnehmer beispielsweise beim Sitzen unter chronischen Rückenschmerzen, kann im Rahmen des BEM ein höhenverstellbarer Tisch angeschafft werden. Das geht aber nur, wenn der Arbeitgeber den Grund der Krankheit kennt.

Wird auch Ihnen nach Ihrer Krankheit die Teilnahme am BEM angeboten, sollten Sie sich nur darauf einlassen, wenn Sie meinen, Ihr Arbeitgeber will Ihnen tatsächlich helfen. Haben Sie Zweifel, sollten Sie das BEM ablehnen. Genauso, wie aus der Weigerung, dem Chef die Krankheitsursache mitzuteilen, dürfen Ihnen auch daraus keine Nachteile entstehen.