Engagement

„Menschen wollen einen Mehrwert neben der Arbeit haben“

Soziale Einsätze bringen Mitarbeiter weiter. Wer sich engagiert, gilt als aufgeschlossen. Ein Experte über „Social Responsibility“.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich Corporate Volunteering bei größeren Firmen in Deutschland etabliert.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich Corporate Volunteering bei größeren Firmen in Deutschland etabliert.

Foto: asiseeit / Getty Images

Berlin.  Stefan Rennicke ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung CSR jobs & companies. CSR heißt „Corporate Social Responsibility“ und meint die soziale Verantwortung, die Arbeitgeber tragen. Was hat es damit genau auf sich?

Einige Unternehmen engagieren sich schon gesellschaftlich und fördern, dass sich ihre Mitarbeiter einbringen. Das passiert im Rahmen von betrieblichen Freiwilligenprogrammen. Auf Englisch heißt das Corporate Volunteering. Wie populär ist das in Deutschland?

Stefan Rennicke: In den vergangenen zehn Jahren hat sich Corporate Volunteering zumindest bei größeren Unternehmen fest etabliert. Unternehmen sehen sich als integraler Bestandteil der Gesellschaft. Die Mitarbeiter haben über Corporate Volunteering die Möglichkeit, sich aktiv bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme einzubringen, und der Arbeitgeber fördert dieses Engagement in ganz unterschiedlicher Ausprägung.

Wie sehen solche Programme aus?

Rennicke: Die Bandbereite reicht von Stundenkontingenten, die der Arbeitgeber den Mitarbeitern für gemeinnütziges Engagement zur Verfügung stellt, über vom Arbeitgeber organisierte Tageseinsätze wie einem jährlichen „Social Day“, an dem die Mitarbeiter rausgehen und sich irgendwo engagieren, bis hin zu längerfristigen Einsätzen und umfangreichen Programmen für Führungskräfte. Das Social Sabbatical Programm der SAP ist ein solches Beispiel.

Rennicke: Egal, wie lange ein Einsatz dauert – ob einen Tag oder ein halbes Jahr –, es ist erst einmal der Wille, der zählt. Dennoch sollten die Unternehmen einige Aspekte berücksichtigen: Das Volunteering Programm sollte zum Unternehmen passen, es sollte gut geplant sein und Ziele verfolgen. Kommt es dabei zum Einsatz in Schwellen- und Entwicklungsländern, sollte es kein Kurzzeiteinsatz sein, das wäre wenig sinnvoll.

Welchen Nutzen haben Unternehmen davon, wenn sie ein Volunteering Programm haben?

Rennicke: Erst einmal ist es eine gute Möglichkeit, sein Unternehmen in einem guten Licht dastehen zu lassen. Unternehmen machen sich damit aber auch als Arbeitgeber interessant. In unserer regelmäßigen, repräsentativen Umfrage unter Schülern, Hochschülern und jungen Berufstätigen konnten wir feststellen, dass Menschen unter 20, aber auch die über 30-Jährigen viel Wert darauf legen, in einem Unternehmen zu arbeiten, das ihr gemeinnütziges Engagement fördert. Ein Arbeitgeber, der sich sozial engagiert, ist attraktiv.

Sind Mitarbeiter, die sich engagieren, ein Gewinn für die Unternehmen?

Rennicke: Die Personalentwicklung profitiert auf jeden Fall davon. Jeder Personaler, der sich mit dem Thema Corporate Volunteering auseinandergesetzt hat, weiß, dass Volunteering Einsätze methodische Kompetenzen wie analytisches Denken oder Kreativität, soziale Kompetenzen und Selbstkompetenzen der Mitarbeiter fördern. Das Resultat sind Beschäftigte, die in der Regel motivierter, leistungsbereiter sind und sich stärker mit ihrem Arbeitgeber identifizieren. Sie sind in der Regel teamfähiger und aufgeschlossener.

Warum wollen sich Arbeitnehmer heute engagieren?

Rennicke: Es gibt einen Trend zur Sinnsuche. Die Menschen wollen einen Mehrwert neben der Arbeit haben, etwas Positives, das über die eigentliche Arbeit noch hin­ausgeht.

Nutzt es der eigenen Karriere, wenn man sich engagiert?

Rennicke: Die mehrmonatigen Programme für Führungskräfte können ein wesentlicher Baustein in der Karriere sein. Reines Fachwissen reicht heutzutage in einer immer komplexer und internationaler werdenden Welt nicht mehr aus, um Karriere zu machen. Gefragt sind immer mehr besondere Soft Skills, wie etwa Teamfähigkeit, die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, interkulturell erfahren zu sein, in ungewöhnlichen Situationen klug zu handeln. In gewisser Weise gilt das auch für Beschäftigte, die sich in einem kleineren Rahmen ehrenamtlich engagieren: Wer sich in eine andere Lebenswelt begibt, hat am Ende immer einen Mehrwert.