Berufseinstieg

Der typische Weg in die Marktforschung führt über Praktika

Marktforscher Mario Hopp erklärt, wie der Branchen-Einstieg gelingt. Spezielle Studiengänge gibt es kaum, aber eine Berufsausbildung.

Befragungen auf der Straße sind eines der Mittel, mit denen Marktforscher ihre Daten sammeln.

Befragungen auf der Straße sind eines der Mittel, mit denen Marktforscher ihre Daten sammeln.

Foto: Scorpion_PL / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Mario Hopp ist Sozialwissenschaftler, der sich auf Marktforschung spezialisiert hat. Zunächst arbeitete er in der IT- und Medienbranche, leitete dann Marktforschungsprojekte im forsa Institut Berlin. Seit zwölf Jahren führt er die Geschäfte von Hopp & Partner Kommunikationsforschung (ab November unter neuem Namen: hopp Marktforschung).

Der Firmenchef und Projektleiter engagiert sich im Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher (BVM). Adrienne Kömmler sprach mit ihm über die Branche, ihre Ausbildungs- und Einsatzmöglichkeiten.

Herr Hopp, wie wird man Marktforscher?

Mario Hopp: Die Branche hat kein klassisches Profil. Es sind meist Soziologen, Psychologen, Ökonomen oder andere Akademiker, die häufig über Praktika zur Marktforschung kommen. Das ist derzeit der normale Weg. Ich finde es schade, dass kaum spezielle Studiengänge zur Marktforschung angeboten werden. Man kann BWL mit Schwerpunkt Marketing studieren. Jedoch entscheiden sich Marketing-Spezialisten dann doch oft für andere Wege. Denn in der Marktforschung gibt es nicht so hohe Gehälter wie etwa in der boomenden Online-Marketing-

Branche. Der Akademikeranteil ist aber grundsätzlich sehr hoch.

Im Jahr 2006 wurde der Ausbildungsberuf des Fachangestellten für Markt- und Sozialforschung eingeführt. Schließt diese Berufsausbildung eine Lücke?

Hopp: Ja, unbedingt. Damit gibt es die optimale Ergänzung zu den akademisch ausgebildeten Forschern. Für die Berufsausbildung gibt es laut BVM einen positiven Trend. Im Jahr 2014 wurden 69, 2015 dagegen 79 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Aber leider gibt es immer noch zu wenig qualifizierte Bewerber. In Berlin kann man die Azubis eines Jahrgangs an den Händen abzählen. Was unverständlich ist. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung besteht die große Chance auf ein festes Arbeitsverhältnis.

Der Markt ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Anzahl der Beschäftigten in der Branche etwa verdoppelt. Der Markt ist heute auch viel stärker strukturiert. Es gibt beispielsweise die Full-Service-Institute, die den gesamten Service von der Datenerhebung bis zur Beratung bieten. Oft konzentrieren sich diese auf spezielle Kunden-Branchen oder Themen­bereiche. Und es gibt das reine Erheben von Daten. Das machen die Feldinstitute. Spezialisten wiederum stellen Software, Technik oder Räumlichkeiten zur Verfügung.

Wie ist Ihre Prognose für die künftige Entwicklung des Arbeitsmarkts in Ihrer Branche?

Hopp: Ich sehe gute Zukunftschancen, wenn die Marktforschung mit der immer öfter geforderten Flexibilität und Schnelligkeit mithält. Unternehmen, die die digitale Transformation als Chance betrachten, werden sicher an Bedeutung gewinnen. Wir haben den Trend früh erkannt und bereits vor sechs Jahren die erste Befragungs-Software für das damals brandneue Apple iPad entwickelt. Die neue Methode nennt sich padCAPI und eignet sich für die mobile Datenerhebung ohne Papierkram. Keine Fragebögen mehr, die gelayoutet, gedruckt, verteilt und eingegeben werden müssen. Stattdessen können Daten digital erfasst und sofort ausgewertet werden. Das spart Zeit und ist zuverlässig.

Damit gibt es aber auch die Debatte um den Datenschutz.

Hopp: Ja, richtig: Ergänzend zu den klassischen Methoden – telefonisch und persönlich – werden immer mehr Online-Interviews durchgeführt. In vielen Fällen ist das einfach die günstigere Methode. Befragungen per Mobile App kommen gerade erst in Gang. Aber auch im Umgang mit Kundendaten, zum Beispiel für Kundenbefragungen, hat das Datenschutzthema spürbar an Bedeutung gewonnen. Wir müssen immer komplexere Datenschutzbedingungen einhalten. Individualdaten, also personengebundene Informationen, geben wir Marktforschungsinstitute aber grundsätzlich nicht weiter. Forschung ist und bleibt etwas Seriöses. Daran ändert auch die Digitalisierung nichts.