Berufseinstieg

Experte: „Die Arbeit im Marketing hat hohen Suchtfaktor“

Arbeit im Marketing ist beliebt. Was den Job ausmacht und wie der Einstieg klappt, erklärt Michael Schröder vom Marketing Club Berlin.

Michael Schröder, Ehrenpräsident des Marketing Clubs Berlin.

Michael Schröder, Ehrenpräsident des Marketing Clubs Berlin.

Foto: privat

Berlin.  Michael Schröder ist Ehrenpräsident des Marketing Clubs Berlin. Er ist Inhaber der Agentur „Orca Affairs“ und arbeitet seit mehr als 30 Jahren im Marketing. Mit ihm sprach Sarah Mühlberger.

Berliner Morgenpost: Was sollte man für eine Karriere im Marketing grundsätzlich mitbringen?

Michael Schröder: Man darf nicht zu detailverliebt sein, denn das bezahlt einem kein Kunde. Wer alles wissenschaftlich durchdringen will, wird es schwer haben. Aber vor allem braucht man Flexibilität und Neugierde. Und zwar nicht nur im Job, sondern auch im Privaten: Nicht nur am iPhone hängen, sondern Spaß daran haben, seine Umgebung zu beobachten, zu schauen, was erwarten Menschen eigentlich vom Produkt oder Unternehmen oder von einer Behörde.

Was soll man studieren?

Schröder: Unter Marketingleuten gibt es nach wie vor einen hohen Prozentsatz an Quereinsteigern, darunter sind Kommunikationswissenschaftler, Soziologen oder auch Kultur­wissenschaftler. Aus meiner Sicht ist das auch kein größeres Problem. Denn wenn man nur Marketing studiert, fehlt meist der dringend notwendige Praxisbezug.

Aber der Blick und das Gefühl fürs Marketing entsteht nun mal nicht am Schreibtisch, sondern in der Praxis. Deswegen sollte man am besten einfach das studieren, was einen am meisten interessiert. Und wenn das Herz für BWL oder VWL schlägt – wunderbar! Damit kann man nachher immer noch in den Marketingbereich einsteigen.

Sollte man einen Master machen oder reicht der Bachelorabschluss?

Schröder: Das hängt ein bisschen vom Alter ab und davon, wie viel Lust man auf Theorie hat. Es hat aber durchaus Vorteile, wenn man direkt in den Beruf einsteigt. Der Bereich Marketing ist von enormen Umwälzungen und großer Schnelllebigkeit geprägt. Das atmet und lernt man nur in der Praxis. Am Anfang sind deswegen häufige Wechsel gut: Stationen im Unternehmen, im Verband, in einer Agentur, eventuell auch in den Bereichen digitale oder klassische Offline-Produktion.

Welche Berufsfelder werden häufig übersehen?

Schröder: Auch unser Beruf ist natürlich Moden ausgesetzt. Im Moment ist es auch im Bereich Marketing wahnsinnig schick, in ein Start-up einzusteigen, während vergleichsweise wenige für Verbände arbeiten wollen. Dabei benötigen gerade die dringend Marketing, weil sie von sinkenden Mitgliederzahlen geprägt sind und die Modernität fehlt. Das kann man nur jedem empfehlen, weil es ein hochspannender Bereich ist.

Ist Berlin ein guter Standort für Marketingleute?

Schröder: Einerseits ja, weil es hier sowohl Verbände, Ministerien, öffentliche Institutionen als auch Start-ups gibt, andererseits fehlen die großen Konzerne und die Consumer-Unternehmen. Gerade dort wird Marketing par excellence betrieben. Auch die Leitagenturen und Flagships sitzen nach wie vor in Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg. Da sollte man als Berufseinsteiger auch mal hin.

Und ins Ausland! Zum Beispiel in die USA oder in den asiatischen Raum, wo Marketing ganz anders praktiziert wird. Wir vermissen insgesamt in Deutschland die internationale Erfahrung in diesem Bereich. Ich kann nur jedem empfehlen, eine Offenheit für Interkulturelles und Sprache mitzubringen.

Wie ist die Situation für Berufseinsteiger?

Schröder: Es gibt einen ständigen Bedarf nach neuen Mitarbeitern. Das hängt damit zusammen, dass in diesem Job die Verweildauer hinter Schreibtischen zwei oder zweieinhalb Jahre beträgt. Sie haben also einen hohen Wechselrhythmus auf der Arbeit­geberseite. Und auch durch den ganzen digitalen Bereich brauchen Sie ständig neue junge Leute, um den ganzen Entwicklungen hinterherzukommen.

Was sind die anstrengenden Seiten des Jobs?

Schröder: Man muss Stress wegstecken können und eine hohe Belastungsfähigkeit haben. Wir verbringen extrem viel Zeit im Büro, das steht leider oft in keinem Verhältnis mehr zum Privatleben. Das hängt natürlich mit der Schnelligkeit in dem Job zusammen. Die Arbeit im Marketing hat einen hohen Suchtfaktor.