Junge Profis

Unternehmer Michaelis: Als Student zu gründen, ist ideal

Mit ReMass und Jonny Fresh hat der Gründer schon zwei Firmen auf die Beine gestellt – die erste bereits im Startsemester an der Uni.

Gründertipp von Stefan Michaelis: mit heterogenen Teams klappt es besser.

Gründertipp von Stefan Michaelis: mit heterogenen Teams klappt es besser.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  „Es passierte halt so“, sagt Stefan Michaelis und grinst. Eigentlich hatte er nur ein bisschen Geld neben dem Studium verdienen wollen. Dass daraus schnell ein international aktives Unternehmen mit Niederlassungen in ganz Europa wurde, hatte er nicht beabsichtigt.

Stefan Michaelis ist der Gründer von ReMass. Die Massage­sessel kennt wohl jeder, der hin und wieder in einem Einkaufszentrum bummeln geht. „Etwa 80 Prozent aller Massagesessel, die in deutschen Malls stehen, sind von uns“, sagt der 33-Jährige. Gut 1000 Geräte hat ReMass heute im Einsatz.

Viele Anträge waren nötig

„Damals wollte ich nur zwei oder drei aufstellen und mein Studentenleben damit finanzieren“, erzählt Michaelis. Damals, das war 2004, war er ein Jahr lang in den USA gewesen, um seine Englischkenntnisse abzurunden. Dort entdeckte er die Massagesessel in Einkaufszen­tren – und hielt sie für eine Idee, die auch in seiner Heimat funktionieren könnte.

Zurück in Deutschland und im ersten Semester seines BWL-Studiums an der Hochschule Mainz sprach Michaelis einen Hersteller an, der solche Sessel fürs Wohnzimmer baute. „Wir haben sie ein bisschen modifiziert, sodass sie auch für den Dauergebrauch in der Mall tauglich waren“, erinnert er sich. „Und dann mussten wir viele Anträge stellen, um überhaupt neues Mobiliar auf die Ladenstraße bringen zu dürfen.“

Vom Wohnzimmer ins Einkaufszentrum

In der Verkaufsstättenverordnung, die auch die Einrichtung von Shoppingtempeln gesetzlich regelt, haben Ladenstraßen und Flure ihren eigenen Paragrafen. „Und bis dahin hatte es nur Sitzbänke in den Einkaufszentren gegeben.“ Immerhin: Die Betreiber der Malls hatte Stefan Michaelis gleich auf seiner Seite. „Die haben uns wirklich tatkräftig unterstützt.“

Das Geschäft wuchs, und Stefan Michaelis eröffnete ein Büro in Berlin – alles immer noch im Diplom-Studium. Was er rückblickend für ideal hält: „Während des Studiums zu gründen, war das Beste, was ich machen konnte“, sagt er. „So habe ich verstanden, worum es in meinem Wirtschaftsstudium wirklich ging.“ Und die Idee, Arbeitgeber zu sein und Stellen zu schaffen, gefiel ihm ohnehin.

Wohnsitz und Studium nach Berlin verlagert

Da er inzwischen die Hälfte der Woche in Berlin verbrachte, verlagerte Stefan Michaelis sowohl seinen Wohnsitz als auch seinen Studienort hierher. Seinen Diplom-Abschluss machte er an der FOM Berlin – trotz Expansion und damals schon zehn Angestellten in der Regelstudienzeit.

Aus dem operativen Geschäft bei ReMass hat sich Stefan Michaelis zurückgezogen. „Das läuft auch sehr gut ohne mich“, sagt der 33-Jährige. Er hat sich einer neuen Idee zugewandt: der Textilreinigung.

Digitale Lösung für die Reinigungsbranche

Gemeinsam mit Sebastian Schmidt, damals schon ein guter Bekannter, entwickelte Michaelis ein Konzept für die automatisierte Ab- und Rückgabe von Wäsche. „Das sollte ähnlich wie die Packstationen der Post funktionieren“, erzählt er. Letztendlich entschied sich das Team dagegen: „Die Automaten werden beschmiert oder haben Funktionsausfälle“, sagt Michaelis. „Das wäre letztendlich zu teuer geworden.“

Am Thema Wäsche blieben die Jungunternehmer dennoch dran. „Sebastian schrieb sogar seine Diplomarbeit über eine digitale Lösung für die Reinigungsbranche“, erzählt Michaelis. 2013 gingen sie mit der Beta-Version von Jonny Fresh online.

Wäscheservice auch per App

Nutzer bestellen den Service zur Wunschzeit, ein Fahrer kommt mit Wäschesäcken, holt die schmutzigen Sachen und bringt sie nach zwei Tagen gereinigt zurück. Inzwischen gibt es auch die App fürs iPhone. „In Berlin, München und Wien sind wir schon aktiv“, sagt Stefan Michaelis.

Zurzeit arbeitet das Team aus rund 30 Mitarbeitern daran, den Service in weiteren Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu etablieren. „Unser Angebot ist logistisch extrem anspruchsvoll, die Marge eher gering“, sagt Michaelis. „Darum müssen wir mit höchster Effizienz arbeiten.“

40.000 Stücke Wäsche pro Monat gereinigt

Dazu gehören Tempo und Zuverlässigkeit. Um sie garantieren zu können, haben er und sein Co-Gründer Sebastian Schmidt alle Fahrer angestellt. „Mit Selbstständigen macht das keinen Sinn“, findet Michaelis. „Früher oder später würde das Ärger bedeuten, darum haben wir von Anfang an in allen Abteilungen auf Angestellte gesetzt.“

Inzwischen führt Jonny Fresh bis zu 3000 Aufträge im Monat aus. „Das sind etwa 40.000 Teile, die von unseren Kooperationspartnern gereinigt werden.“ Sie seien heute schon eines der größten Unternehmen in Berlin, die Wäsche für Privatpersonen waschen. Beziehungsweise waschen lassen: Denn eigene Reinigungen will das Team auch künftig nicht haben. „Aber über die Automaten denken wir immer noch nach“, gesteht Michaelis ein.

Michaelis hatte früher andere Pläne

Wenn er zurückblickt auf die Pläne, die er als Abiturient für seine Zukunft hatte, muss er feststellen, dass es nicht so geworden ist, wie vorgehabt. Aus ihm ist kein Kulturwissenschaftler geworden, er hat nie einen Job bei einem Musiksender gehabt. Aber das findet Stefan Michaelis ziemlich gut: „Ich glaube, dieser Musiksender existiert sowieso nicht mehr“, sagt er und lacht.

Ob er nach Jonny Fresh noch einmal gründen will? „Was in fünf oder zehn Jahren ist, kann ich wirklich nicht sagen“, meint er. Aber in einem ist er sich sicher: „Ich finde es extrem vorteilhaft, in einem heterogenen Team zu gründen.“ Gute Sparringspartner mit unterschiedlichen Charakteren zu haben – „das hat mehr Sinn, als wenn sich vier MBA-Absolventen zusammen selbstständig machen“.