Arbeitsrecht

Kaum genesen, neu erkrankt: Darf der Chef Lohn einbehalten?

Nach überstandener sechswöchiger Krankheit fällt ein Mitarbeiter erneut aus. Der Chef verweigert ihm das Gehalt. Ist das legitim?

Besonders ärgerlich ist, wenn die erste Krankheit gerade ausgeheilt ist und sich schon der nächste Infekt im Körper breitmacht.

Besonders ärgerlich ist, wenn die erste Krankheit gerade ausgeheilt ist und sich schon der nächste Infekt im Körper breitmacht.

Foto: KatarzynaBialasiewicz / Getty Images/iStockphoto

Ich habe mir eine schwere Grippe zugezogen. Davor bin ich leider auch schon sechs Wochen krank gewesen. Mein Chef will mir daher kein Gehalt mehr zahlen. Ist er womöglich im Recht?

Das sagt Rechtsanwalt Dr. Heiko Peter Krenz: Häufiges Kranksein ist in jeder Hinsicht eine Belastung. Besonders ärgerlich ist, wenn die erste Krankheit gerade ausgeheilt ist und sich schon der nächste Infekt im Körper breitmacht. Kommen zur körperlichen Belastung auch noch finanzielle Sorgen hinzu, steigt der Stresspegel schnell an.

Doch zumindest in finanzieller Hinsicht kann für die meisten Fälle Entwarnung gegeben werden. Erkrankt ein Arbeitnehmer und wird arbeitsunfähig, ist der Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, das Gehalt in voller Höhe weiterzuzahlen. Dieser Anspruch besteht für mindestens sechs Wochen. Dauert dieselbe Krankheit dann immer noch an, springt die Krankenkasse ein und zahlt für weitere 72 Wochen Krankengeld.

Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer an einer neuen Krankheit leidet. So ist es ja offenbar auch bei Ihnen. Bei einer neuen Erkrankung muss der Arbeitgeber auch erneut Entgeltfortzahlung leisten, und das wiederum bis zur Dauer von sechs Wochen. Voraussetzung ist aber, dass zu Beginn der zweiten Erkrankung die erste ausgeheilt war und es sich tatsächlich um zwei verschiedene Krankheiten handelt.

Selbst wenn Sie vorab wegen einer Operation krankgeschrieben waren und unmittelbar darauf am Wochenende vor Arbeitsantritt an Grippe erkrankt wären, hätten Sie ab diesem Zeitpunkt für weitere sechs Wochen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Ob Sie zwischen beiden Erkrankungen arbeiten waren oder nicht, spielt also keine Rolle.

Allerdings liegt die Beweislast bei Ihnen als Arbeitnehmer. Geht der Streit vor Gericht, müssen Sie darlegen und beweisen können, wann die jeweilige krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit begonnen und wann geendet hat. Gelingt das nicht, ist der Anspruch auf Entgeltfortzahlung hinfällig. Durch das Vorlegen ärztlicher Atteste sollte sich das jedoch leicht beweisen lassen.