Interview

Experte des Werbeverbands: „Teamfähigkeit ist unerlässlich“

Manfred Parteina vom Zentralverband der Werbewirtschaft erläutert die Anforderungen der Arbeitgeber an Kaufleute für Marketingkommunikation.

Teamfähigkeit ist in der Werbebranche wichtig, da man es inner- und außerbetrieblich mit vielen Menschen zu tun hat.

Teamfähigkeit ist in der Werbebranche wichtig, da man es inner- und außerbetrieblich mit vielen Menschen zu tun hat.

Foto: AlexBrylov / Getty Images/iStockphoto

Manfred Parteina ist Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft e.V. (ZAW). Mit ihm sprach Michael Sellger über die Berufsprofile der Branche.

Den klassischen Werbekaufmann gibt es als Ausbildungsberuf ja nicht mehr, stattdessen hat sich die Ausbildung von Kaufleuten für Marketingkommunikation in der Branche etabliert. Was ist besonders daran?

Manfred Parteina: Vor knapp zehn Jahren hat „Kaufmann/Kauffrau für Marketingkommunikation“ den Ausbildungsberuf „Werbekaufmann/Werbekauffrau“ abgelöst. Das heißt, der frühere Ausbildungsberuf wurde weiterentwickelt und an die aktuellen Gegebenheiten angepasst. Dazu wurde das neue Berufsbild so konzipiert, dass die Ausbildung nicht wie bisher allein in Werbeagenturen und Werbeabteilungen durchgeführt wird, sondern in allen Dienstleistungsbetrieben der Kommunikationswirtschaft. Weiterhin wird natürlich viel in den Agenturen ausgebildet.

Die Aufgaben in dem Beruf wandeln sich rasch. Welche Rolle spielen dabei Suchmaschinen-Optimierung und soziale Medien?

Parteina: Die Digitalisierung spielt in allen Berufsbereichen und Branchen eine zentrale Rolle. Bei den Kaufleuten für Marketingkommunikation haben wir ja einen Mix: Solide kaufmännische Kenntnisse werden vermittelt, die immer Bestand haben. Digitale Grundkenntnisse sollte man schon vor der Ausbildung mitbringen. Speziellere werbliche Kenntnisse in Sachen Social Media, Mobile et cetera erwirbt man im Agenturalltag.

Wer den Beruf ergreift, ist irgendetwas zwischen Grafikdesigner und Controller. Sollte man für diesen Beruf eher Kreativer oder Organisator sein?

Parteina: Erst einmal ist es ein kaufmännischer Beruf, allerdings sind eben nicht nur trockene Zahlen gefragt, sondern eine Mischung aus solidem Kaufmann oder solider Kauffrau und Kreativem. Dem einen liegt dieser Mix mehr, für den anderen ist es vielleicht eher ein Spagat, aber das ist typenabhängig. Grafikdesign ist übrigens wieder eine eigene Ausbildung beziehungsweise ein Studium, kann aber natürlich mittels Weiterbildung angestrebt werden.

Welche sonstigen schulischen und persönlichen Voraussetzungen muss man mitbringen, um sich für Ausbildung und Beruf zu eignen?

Parteina: Eine bestimmte Schulbildung ist nicht vorgeschrieben. Junge Leute mit Abitur oder Fachabitur sind aber gern gesehen. Wichtig sind gute Englischkenntnisse, da die Branche und ihre Kunden sehr international sind. Unabdingbar aber ist Teamfähigkeit, da man es inner- und außerbetrieblich mit vielen Menschen zu tun hat. Man muss organisieren können und kontaktfreudig sein. Für Menschen, die gern einsam auf einer Insel sitzen möchten, ist die Tätigkeit eher nichts.

Was lässt sich in der Branche verdienen und welche Entwicklungsmöglichkeiten bietet der Beruf?

Parteina: Letztlich ist das Gehalt auch Verhandlungssache, da gibt es keine Norm: Es hängt von der Region, der Unternehmensgröße, Vorbildung und Alter des Kandidaten ab. Mit der abgeschlossenen Berufsausbildung ist die Eintrittskarte in die Branche gelöst, der Weg kann bis in den Managementbereich gehen. Mit ein paar Jahren Berufserfahrung ist der Weg frei, um beispielsweise als Junior-Projektmanager arbeiten zu können oder Manager im Bereich Suchmaschinenwerbung zu werden. Es gibt viele Möglichkeiten.

Der Glamour-Faktor der Branche ist hoch, in einem Werbeberuf zu arbeiten gilt als hip. Kann der berufliche Alltag diese Erwartungen erfüllen?

Parteina: Sicher ist die Werbebranche attraktiv, weil kreativ. Letzteres ist für ideenreiche, junge Menschen natürlich reizvoll, da die Branche einfach mehr als einen alltäglichen Bürojob bietet. Dennoch sollte man nicht übersehen, dass auch hier schlichtweg sehr hart gearbeitet wird: Kreation ist harte Arbeit – und sehr erfüllend.