Interview

Staatssekretär: „Jeder soll einen Master-Platz bekommen“

Sehr viele Bachelorabsolventen bewerben sich in Berlin um Master-Studienplätze. Staatssekretär Steffen Krach erklärt die Situation.

In Berlin sind mehr Masterstudiengänge zulassungsbeschränkt als in anderen Bundesländern.

In Berlin sind mehr Masterstudiengänge zulassungsbeschränkt als in anderen Bundesländern.

Foto: skynesher / Getty Images

Berlin.  Seit dem Jahr 2008 ist die Zahl der Studenten in Berlin von 135.000 auf 178.000 gestiegen. Überdurchschnittlich viele Masterstudiengänge sind hier inzwischen zulassungsbeschränkt. Darüber sprach Kirstin von Elm mit Staatssekretär für Wissenschaft Steffen Krach.

In Berlin sind weitaus mehr Masterstudiengänge zulassungsbeschränkt als in anderen Bundesländern – warum?

Steffen Krach: Die Erklärung ist ganz einfach: Berlin ist ein außerordentlich interessanter und begehrter Wissenschafts- und Hochschulstandort. Die Universitäten und Fachhochschulen verfügen über ein außergewöhnlich gutes und attraktives Fächerangebot. Zahlreiche national und international renommierte Wissenschaft­lerinnen und Wissenschaftler lehren und forschen hier. Aus diesem Grund ist die Anzahl der Bewerbungen hier besonders hoch, insbesondere auch für die Plätze in Masterstudiengängen.

Wird das so bleiben?

Wir werden das Thema in den kommenden Jahren verstärkt angehen. Berlin hat in den vergangenen Jahren vor allem Studienplätze in Bachelorstudiengängen ausgebaut, weil wir möglichst vielen jungen Menschen ein Studium ermöglichen wollen. Da die gestiegenen Anfängerzahlen in den grundständigen Studiengängen nun auch zu mehr Absolventen führen, wird die Nachfrage nach Masterplätzen definitiv weiter steigen.

Hinzu kommt die Nachfrage von Studierenden aus anderen Bundesländern und internationaler Studierender. Deshalb gilt es für Berlin, verstärkt auf den Master zu schauen und hier weitere Kapazitäten zu schaffen. Unser Ziel muss sein: Wer einen Master in Berlin machen will, soll dafür auch einen Platz bekommen.

Habe ich bessere Chancen auf einen Masterstudienplatz, wenn ich meinen Bachelorabschluss an derselben Hochschule gemacht habe?

Nein, sofern ein Studiengang zulassungsbeschränkt ist und mehr Bewerber als Studienplätze vorhanden sind, führen die Hochschulen ein Auswahlverfahren durch. Die Kriterien, die sie ihrer Auswahlentscheidung zugrunde legen dürfen, sind im Hochschulzulassungsgesetz und der Hochschulzulassungsverordnung des Landes Berlin geregelt. Bachelor von der eigenen Hochschule dürfen nicht bevorzugt werden. Allenfalls können sie geringfügige Vorteile haben, falls die inhaltliche Passfähigkeit der im Bachelor absolvierten Fächer eine Rolle innerhalb der Auswahlkriterien spielt.

Mein Wunsch-Master hat einen NC – brauche ich einen Einser-Schnitt, um zugelassen zu werden?

Das ist bei vielen jungen Menschen die große Sorge, aber in den meisten Studiengängen braucht man keinen Einser-Schnitt, um zugelassen zu werden. Natürlich hat die Note des Bachelorabschlusses einen maßgeblichen Einfluss. Darüber hinaus können aber auch gewichtete Einzelnoten, die Ergebnisse international anerkannter Sprach- und Fachtests, das fachliche Profil des vorangegangenen Studiengangs, zusätzliche Qualifikationen, die außerhalb des Hochschulstudiums erworben wurden und die Ergebnisse von Bewerbungsgesprächen die Auswahlentscheidung beeinflussen.

Mindestens 20 Prozent der Studienplätze werden zudem nach Wartezeit vergeben. Das heißt, je länger der Bachelorabschluss zurückliegt, umso höher sind – unabhängig von der Bachelornote – die Zulassungschancen. Ein kleiner Teil der Studienplätze wird an Härtefälle vergeben.

Welche Masterstudiengänge sind besonders begehrt?

An den Berliner Universitäten sind das zum Beispiel Studiengänge im Bereich Psychologie, aber auch Politik, Wirtschaft und Kommunikation. An den Fachhochschulen verzeichnen eher Studiengänge im Bereich Ökonomie/Marketing und Wirtschaftskommunikation sehr hohe Bewerberzahlen. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Angeboten mit oftmals unterschiedlicher Nachfrage in ähnlichen Fachgebieten.

Ihr Tipp für Bewerber?

Ich würde empfehlen, sich direkt vor Ort über passende Angebote zu informieren. Bei den zentralen Studienberatungsstellen der Hochschulen und auf den Webseiten kann man sich über die Auswahlgrenzen in den zurückliegenden Zulassungsverfahren informieren.

Dies gibt zwar keine Garantie über den Ausgang zukünftiger Zulassungsverfahren, aber es hilft, realistisch einzuschätzen, welche Zulassungschancen man mit seiner Bachelornote beziehungsweise seiner Wartezeit in bestimmten Fächern hat und für sich von vornherein den passenden Studiengang zu wählen. Wichtig ist auch, sich rechtzeitig über die Bewerbungsfristen und die einzureichenden Nachweise zu informieren.