Studienfächer

Die Qual der Wahl: So findet man das richtige Masterstudium

Zwei von drei Bachelorabsolventen streben den zweiten Abschluss an. Doch die Wahl des passenden Programms fällt häufig nicht leicht.

Patrick Bethke studiert Technomathematik im Masterprogramm an der Technischen Universität Berlin.

Patrick Bethke studiert Technomathematik im Masterprogramm an der Technischen Universität Berlin.

Foto: Sven Lambert

Mit seinem Masterabschluss möchte Patrick Bethke hoch hinaus: „Ich will in die Raumfahrt“, sagt der 27-jährige Berliner. An der Technischen Universität (TU) wird er 2017 sein Masterstudium in Technomathematik abschließen. Zuvor hat er hier seinen Bachelorabschluss in diesem Fach gemacht. „Ursprünglich wollte ich Wirtschaftsmathematik studieren, doch nach dem dritten Semester war klar, dass Technomathematik mein Ding ist“, sagt er.

Das Studium an der Schnittstelle zwischen Mathematik und Ingenieurwissenschaften vermittelt das nötige Wissen, um später eng mit den Ingenieuren in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Industrie zusammenzuarbeiten. Denn die setzen zunehmend auf virtuelle Tests und Simulationen am Computer, bevor sie Testmodelle oder Prototypen bauen.

Dazu brauchen sie Rechenkünstler mit dem entsprechenden technischen Verständnis – Spezialisten wie Patrick Bethke, der als technisches Wahlfach Luft- und Raumfahrttechnik belegt hat und hier direkt neben seinen zukünftigen Ingenieurkollegen im Hörsaal sitzt.

„Technomathematik liegt mir, und es gibt noch viel zu lernen, deshalb war klar, dass ich direkt im Anschluss meinen Master mache“, sagt Bethke. Für seinen Berufswunsch zweifellos die richtige Entscheidung: Auch wenn der Bachelor zunehmend als Eintrittskarte ins Berufsleben akzeptiert wird, ist für eine wissenschaftliche Karriere nach wie vor der Masterabschluss wichtig.

Durchstudieren bis zur Promotion

Gerade an den eher wissenschaftlich ausgerichteten Universitäten entscheiden sich denn auch vier von fünf Bachelorabsolventen für ein anschließendes Masterstudium. An den praxisorientierteren Fachhochschulen sind es 44 Prozent. Gerade in theorielastigen Fächern wie Mathe oder Naturwissenschaften machen viele Uni-Master sogar weiter bis zum Doktortitel.

Technomathematiker Bethke könnte sich durchaus vorstellen zu promovieren – auch außerhalb Berlins. Das Deutsche Zen­trum für Luft- und Raumfahrt, das auf der Liste seiner Wunscharbeitgeber steht, beschäftigt beispielsweise bundesweit rund 900 Doktoranden in zahlreichen interdisziplinären Forschungsprojekten.

Schon fürs Masterstudium die Hochschule zu wechseln, stand für den gebürtigen Berliner jedoch nie zur Debatte. Zum einen bieten bundesweit überhaupt nur rund ein Dutzend Universitäten vergleichbare Studiengänge an. Zum anderen genießt die TU bundesweit einen sehr guten Ruf. „Fachlich hat für mich an der TU einfach alles gestimmt, es gab keinen Grund, zu wechseln“, sagt Bethke.

Bewertungsportale helfen bei der Entscheidung

Seiner Hochschule über den Bachelor hinaus die Treue zu halten, hat durchaus Vorteile. Wer so wie Patrick Bethke plant, das im Bachelorstudium erworbene Wissen im Master gezielt zu vertiefen, profitiert davon, wenn die Studieninhalte gut aufeinander abgestimmt sind.

Allerdings bietet auch ein Ortswechsel Chancen, beispielsweise wenn eine andere Hochschule auf dem jeweiligen Fachgebiet ein besonderes Renommee genießt oder eine interessante Spezialisierung anbietet. Auf jeden Fall lohnt bei der Mastersuche ein Blick in das Hochschulranking des Cen­trums für Hochschulentwicklung (CHE). Auch Bewertungsportale wie Unicheck.de oder Meinmasterstudium.de sind eine Orientierungshilfe.

Wer bereits einen konkreten Wunscharbeitgeber im Auge hat, sollte sich vor der Masterwahl zudem informieren, ob dieser mit bestimmten Hochschulen besonders eng zusammenarbeitet. Räumliche Nähe ist organisatorisch von Vorteil, wenn man beispielsweise seine Masterarbeit in einem bestimmten Unternehmen schreiben oder parallel zum Studium dort als Werkstudent arbeiten möchte.

Fast 60 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt

Außer der Standortfrage sind Zulassungsbeschränkungen ein relevantes Entscheidungskriterium. So waren im Winter­semester 2015/16 fast 60 Prozent der Masterstudiengänge an Berliner Hochschulen zulassungsbeschränkt, deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt. An der TU gilt beispielsweise für 38 der zum kommenden Wintersemester angebotenen knapp 70 Masterstudiengänge ein NC.

An der Freien Universität (FU) kamen vergangenes Wintersemester bei 16 von rund 70 Masterstudiengängen Zulassungsbeschränkungen zum Tragen, darunter in beliebten Fächern wie Management, Politikwissenschaften, Psychologie und Wirtschaftsinformatik. Auch an der Humboldt-Uni haben gefragte Masterprogramme wie Sozialwissenschaften und VWL regelmäßig einen NC.

Um die verfügbaren Plätze konkurrieren Berliner Studenten mit Bewerbern aus ganz Deutschland. Mehr als die Hälfte aller Studierenden, die an einer Berliner Uni ihren Master anstrebt, hat dort nicht den Bachelor gemacht. Auch die Berliner Fachhochschulen Beuth, HTW und HWR ziehen zunehmend externe Bewerber an. Für den Löwenanteil der Masterstudiengänge gelten deshalb auch dort Zulassungsbeschränkungen.

Hochschulen legen eigene Auswahlkriterien zugrunde

Außer Noten und Wartezeit legen die Hochschulen meist weitere Auswahlkriterien zugrunde. Ein frühzeitiger Blick in die jeweiligen Zugangs- und Zulassungsordnungen hilft, sich gezielt auf die Anforderungen vorzubereiten und so die Chancen auf einen Studienplatz zu verbessern.

Das gilt übrigens auch für ein Masterstudium im Ausland: „Generell ist davon auszugehen, dass der Zugang zu beliebten Studiengängen, für die in Deutschland ein NC gilt, auch in anderen Ländern zulassungsbeschränkt ist“, sagt Rolf Giering vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

In den Niederlanden beispielsweise wird mit einem ähnlichen (NC)-System gearbeitet wie in Deutschland. Auch in Dänemark sowie in den anderen nordischen Ländern bestünden für fast alle Studiengänge Zulassungsbeschränkungen.

Egal ob NC-bewehrt oder zulassungsfrei, Inland oder Ausland – um Frust zu vermeiden, sollten sich Studenten möglichst schon während des Bachelorstudiums umfassend über die fachlichen Anforderungen in Masterstudiengängen informieren, bevor sie sich dort einschreiben.

Fast wie zwei Studiengänge in einem

Das gilt insbesondere für Studiengänge, die nicht oder nur in Teilen auf den Bachelor-Inhalten aufbauen. „Im ersten Semester musste ich sehr viel nachholen, das war fast wie zwei Studiengänge in einem“, sagt David Kreulitsch. An der Beuth Hochschule für Technik studiert er seit April dieses Jahres „Planung nachhaltiger Gebäude“.

Das interdisziplinäre Masterstudium richtet sich in erster Linie an Architekten, Bauingenieure, Gebäude- und Energietechniker. Kreulitsch bringt einen Bachelorabschluss in Umwelttechnik mit dem Schwerpunkt regenerative Energien von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) mit. „Mit Gebäudetechnik hatte ich, abgesehen von Themen wie zum Beispiel Photovoltaik, vorher nicht so viel zu tun. Erst durch ein Praktikum bin ich auf den Geschmack gekommen“, sagt er.

„Nachhaltige Gebäude zu planen, finde ich interessant und gesellschaftlich absolut sinnvoll. Im Master wollte ich mich deshalb in diese Richtung breiter aufstellen“, begründet er seine Wahl. Der neue Studiengang an der Beuth weckte sofort sein Interesse. Kreulitsch informierte sich beim Studiengangsleiter, der ihn zu einer Bewerbung ermutigte.

Dank engagierter Dozenten und enger persönlicher Zusammenarbeit in dem kleinen Jahrgang konnte er bereits viele Wissenslücken schließen: „Die verschiedenen fachlichen Hintergründe der Studierenden ergänzen sich sehr gut, wir lernen hier alle voneinander“, sagt er.

Nach Bachelorabschluss erst einmal arbeiten

Wer sich noch nicht sicher ist, ob das Masterstudium eher die Inhalte des Bachelors vertiefen oder zum geplanten Kurswechsel in eine neue fachliche Richtung beitragen soll, kann die Entscheidung auch vertagen und zunächst praktische Erfahrungen sammeln – so wie Sabrina Strasser es gemacht hat.

Sie absolvierte nach ihrem deutsch-französischen Doppel-Abschluss in European Business mit Schwerpunkt Finanzwesen ein Traineeprogramm beim Unternehmen ZF Friedrichshafen, einem Technologiekonzern im Bereich Antriebstechnik. Seit Mitte 2015 studiert sie wieder, und zwar Finance, Accounting, Corporate Law & Taxation an der HTW Berlin.

Der interdisziplinäre Master passt nicht nur fachlich, sondern auch privat gerade sehr gut in ihr Leben: „Ich hätte bei ZF bleiben können, wollte aber gerne nach Berlin ziehen, wo mein Mann promoviert“, erzählt die 27-jährige Finanzfachfrau.

Gerade hat sie ihre Masterarbeit zum Thema „Hybride Finanzinstrumente“ fertiggestellt. „Im Hochschulalltag habe ich mich schnell wieder zurechtgefunden und hatte keine Probleme mit dem Lernen“, sagt sie. „Die Berufspraxis, die ich nach dem Diplom gesammelt habe, hat meine Masterwahl auf jeden Fall positiv beeinflusst.“