Interview

Für Animationsfilmer ist Selbstmarketing ganz wichtig

Ulf Grenzer von der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf erläutert die Inhalte des Animationsfilm-Studiums – und gibt Tipps für die Karriere.

Nicht jeder Animationsfilmer hat so eine große PR-Maschine im Rücken wie die Macher von „Die Minions“, die mit ihren Protagonisten sogar auf der Chinesischen Mauer für ihren Kinofilm warben. Deswegen, rät der Experte, ist Selbstmarketing umso wichtiger.

Nicht jeder Animationsfilmer hat so eine große PR-Maschine im Rücken wie die Macher von „Die Minions“, die mit ihren Protagonisten sogar auf der Chinesischen Mauer für ihren Kinofilm warben. Deswegen, rät der Experte, ist Selbstmarketing umso wichtiger.

Foto: imago stock&people / imago/Xinhua

Ulf Grenzer ist Dozent an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, wo er bis 1992 selbst Animation studiert hat. Außerdem arbeitet der 48-Jährige als Animator für Film- und Fernsehproduktionen. Mit ihm sprach Adrienne Kömmler.

Herr Grenzer, wann hat ein Bewerber in Babelsberg überhaupt eine Chance?

Ulf Grenzer: Der Andrang auf das Studium schwankt leicht von Jahr zu Jahr, ist aber generell groß. Wir haben die Möglichkeit, die Begabtesten auszuwählen. Die Auswahl erfolgt über eine vorab einzureichende Mappe und mit einer künstlerischen Eignungsprüfung. Es gibt einen vierjährigen Bachelorstudiengang für Animation und seit 2015 einen zweijährigen Master für Animationsregie. Im Moment sind etwa 50 Studenten aus dem In- und Ausland immatrikuliert.

Die Besonderheit der Ausbildung liegt darin, dass alle klassischen, analogen, experimentellen sowie digitalen Animationsarten und -techniken vermittelt werden. Man muss also nicht vorher schon alles können. Aber Fähigkeiten, sich künstlerisch auszudrücken, sollten mitgebracht werden. Gut mit dem Stift umgehen zu können, Originalität, Ideenreichtum, erzählerische Begabung, Interesse an Musik und Rhythmusgefühl sind beispielsweise gute Voraussetzungen.

Hat der gute, alte Bleistift nicht ausgedient? Und was hat musikalisches Talent mit Animation zu tun?

Grenzer: Der Bleistift, aber auch der elek­tronische Stift, der ihm in nichts nachsteht, sind Grundmittel der Kommunikation. Das gehört zum Handwerk. Mit wenigen Strichen erste Ideen ausdrücken zu können ist zumindest in der Vorarbeit sehr wichtig. Das ist dann die erste Grundlage für das Gespräch mit dem Team oder später auch mit Auftraggebern. Aber es geht nicht nur um das Zeichnen oder Illustrieren. Es gibt verschiedene Formen und Stilrichtungen von Gestaltung. Animatoren müssen von allem etwas können. Das Gefühl für Musik ist nicht zu unterschätzen, denn der Sound verändert und gestaltet das Bild mit. Es wirkt damit ganz anders – je nachdem, ob ich es beispielsweise mit einem Walzer oder Naturgeräuschen hinterlege.

Wie arbeitet man nach dem Abschluss?

Grenzer: Der Beruf ist vor allem im Freelancer-Bereich angesiedelt. Um dabei bestehen zu können, muss man die ganze Breite der Animation beherrschen. Denn in der Regel kann man sich seine Arbeit nicht aussuchen. Man muss sehr flexibel sein. Bei aufwendigen Filmen für das Kino oder Arbeiten für das Fernsehen oder die Werbung sind meist enge Zeitpläne vorgegeben. Animationsfilmer arbeiten auch für Musikvideos oder die Spielgestaltung. Festanstellungen über bestimmte Zeiträume sind die Ausnahme. Allerdings ist das Studium nur eine Möglichkeit, in diesen Beruf zu kommen. Auch über Tätigkeiten in Studios kann das klappen. Mit Förderungen ist die freie Arbeit an eigenen Produktionen möglich, die dann den Weg zur künstlerischen Selbstständigkeit ebnet.

Welchen Rat geben Sie, um Erfolg im Beruf zu haben?

Grenzer: Leute, die diesen Beruf ernst nehmen, sollten mindestens ein halbes Jahr ins Ausland gehen, um dort Erfahrungen zu sammeln. England, Frankreich oder die USA bieten interessante und wichtige Möglichkeiten für Praktika. Ich war zum Beispiel in Estland. Das kommt einem dann bei der Arbeit in Deutschland zugute. Außerdem ist es ganz wichtig, sich zu präsentieren. Dazu gehören auch ein guter Internetauftritt und die Pflege von Netzwerken.

Was macht für Sie den Reiz ihrer Arbeit als Animationsfilmer aus?

Grenzer: Mich reizt das immer wieder neue Einlassen auf Symbolik. Es ist der ständig wechselnde Umgang mit unterschiedlichen Charakteren, verschiedener Gestaltung und auch immer einem anderen Team. Jeder hat seine eigene Handschrift. Und es ist interessant zu sehen, wie das Publikum reagiert. Kommt etwas an? Wird man verstanden? Da muss man sich immer wieder neu anstrengen. Man ist immer so gut wie seine letzte Szene.