Arbeitsrecht

Zum Aufhebungsvertrag gedrängt: Kann ich widerrufen?

Ob ein Mitarbeiter seine Unterschrift unter dem Vertrag zurückziehen kann, erklärt Heiko Peter Krenz, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Wie sollte sich ein Arbeitnehmer verhalten, wenn der Chef mit Kündigung droht?

Wie sollte sich ein Arbeitnehmer verhalten, wenn der Chef mit Kündigung droht?

Foto: filmfoto / Getty Images/iStockphoto

Vor einigen Tagen bot mir mein Arbeitgeber einen Aufhebungsvertrag an. Ich wollte Bedenkzeit, doch er meinte, wenn ich nicht unterschreibe, müsse er mich kündigen. Also habe ich unterschrieben. Jetzt bereue ich mein Handeln. Kann ich es rückgängig machen?

Das sagt der Anwalt: Wohl jeder hat schon einmal überstürzt gehandelt, und es danach bereut. Doch in der Arbeitswelt ist es nicht ohne Weiteres möglich, vorschnelle Entscheidungen ohne negative Folgen wieder rückgängig zu machen. Hier lautet der Grundsatz: Verträge sind einzuhalten.

Haben Sie den Aufhebungsvertrag unterschrieben, lässt sich die Vereinbarung in der Regel nicht mehr rückgängig machen. Etwas anderes gilt nur, wenn ein Widerrufs- oder Rücktrittsrecht besteht. Dies kann zum Beispiel in dem für Sie gültigen Tarifvertrag enthalten sein oder in dem geschlossenen Aufhebungsvertrag selbst.

Gibt es keine solche Regelung – und das ist meistens so –, stehen Ihre Chancen auf Lossagung schlecht. Aus diesem Grund ist jedem Arbeitnehmer zu raten, vor der Unterschrift genau zu überlegen, ob ein Aufhebungsvertrag in seiner Situation sinnvoll ist oder nicht. Um diese Entscheidung zu treffen, braucht es Zeit und eine sorgfältige Prüfung des vorgelegten Vertrags. Darum: immer standhaft bleiben. Denn egal, womit der Arbeitgeber droht, sofort unterschreiben müssen Arbeitnehmer in keinem Fall.

Wenn der Chef droht, liegt der Fall anders

Eine Chance haben Sie allerdings noch. Arbeitgeber, die einem Mitarbeiter im Falle seiner Weigerung mit der Kündigung drohen, bewegen sich rechtlich gesehen auf sehr dünnem Eis. Die Ankündigung einer Kündigung stellt nämlich prinzipiell eine Drohung dar. Ist diese Drohung widerrechtlich, können Sie den Aufhebungsvertrag anfechten.

Eine Drohung ist dann widerrechtlich, wenn der Arbeitgeber eigentlich davon ausgehen muss, dass die Kündigung mit hoher Wahrscheinlichkeit unwirksam ist. Wenn Sie den Aufhebungsvertrag mit Recht anfechten, hätte das zur Folge, dass Ihr Arbeitsverhältnis nicht wie vom Arbeitgeber gewollt endet, sondern zu unveränderten Bedingungen fortbesteht.

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