Arbeitsrecht

Darf der Chef uns wegen unserer EM-Begeisterung abmahnen?

Einige Kollegen in der Spätschicht wollen sich einen Fernseher in die Werkstatt stellen. Der Chef droht mit Abmahnung. Das sagt der Rechtsanwalt.

Fußball gucken sollte eine Freizeitbeschäftigung bleiben. Im Betrieb kann es arbeitsrechtliche Probleme geben.

Fußball gucken sollte eine Freizeitbeschäftigung bleiben. Im Betrieb kann es arbeitsrechtliche Probleme geben.

Foto: Axel Heimken / dpa

Berlin.  In seiner regelmäßigen Kolumne „Arbeit und Recht“ bewantwortet Arbeitsrechtler Dr.Heiko Peter Krenz Fragen rund um das rechtliche Rahmenbedigungen unserer Arbeit.

Ich arbeite in der Spätschicht. Meine Kollegen und ich wollen uns die Halbfinalspiele und das Finale der EM nicht entgehen lassen und möchten dafür einen kleinen Fernseher in der Werkstatt aufstellen. Unser Chef droht uns für diesen Fall mit Abmahnung. Ist das rechtens?

Es ist leider so: Als Fußballfans, die während der EM-Spiele arbeiten müssen, haben Sie und Ihre Kollegen das Nachsehen. So nachvollziehbar Ihre Fußballbegeisterung auch ist, so sind Sie während ihrer Arbeitszeit in erster Linie dazu verpflichtet, ihre Arbeitsleistung zu erbringen. Das ist auch durchaus verständlich. Denn schließlich werden Sie von Ihrem Unternehmen dafür bezahlt, Ihre vertraglich vereinbarten Aufgaben zu erledigen.

Diese können Sie aber nur dann ordnungsgemäß erbringen, wenn Sie sich auf ihre Aufgaben und nicht auf die Spielübertragung konzentrieren. Sofern der Arbeitgeber also nicht sein ausdrückliches Einverständnis gegeben hat, ist die Fußball-EM als Live-Ereignis am Arbeitsplatz bedauerlicherweise tabu. Schauen Sie sich trotzdem die Spiele an, müssen Sie tatsächlich mit einer gelben Karte rechnen. Denn entgegen vieler Behauptungen kann Ihr Arbeitgeber Sie und Ihre Kollegen in diesem Fall rechtmäßig abmahnen.

Eine Kündigung ist hingegen nicht so ohne Weiteres möglich. So hat zum Beispiel das Arbeitsgericht Frankfurt die Kündigung eines Arbeitnehmers, der während der Arbeitszeit die WM verfolgte, für unwirksam erklärt. In ihrem Urteil befanden die Richter, der Arbeitnehmer habe sich „sozialadäquat“ verhalten, da Fußball während einer Europa- oder Weltmeisterschaft einen großen Stellenwert in der Gesellschaft habe.

Wer partout kein Spiel verpassen möchte, sollte für diese Zeit Urlaub beantragen. Das wird für Sie so kurzfristig wahrscheinlich nicht mehr möglich sein. Krankfeiern ist aber keine Alternative. Ein Platzverweis in Form der Kündigung ist in diesem Fall garantiert. Das sehen auch die Arbeitsgerichte so. Versuchen Sie es mit einem Vorschlag zur Güte: Unter Umständen erlaubt es Ihnen der Arbeitgeber, die Spiele im Radio zu verfolgen.