Lebenshaltung

Stipendium, Bafög, Kredit – So finanziert man sein Studium

Laut Sozialerhebung des Studentenwerks brauchen Hochschüler rund 800 Euro pro Monat. Extratouren wie Auslandssemester noch nicht eingerechnet.

Wer mehrere Semester im Hörsaal sitzen und studieren will, auf den kommen einige Kosten zu. Wer keine finanzkräftige Familie im Rücken hat, muss sich um Unterstützung etwa durch Bafög kümmern.

Wer mehrere Semester im Hörsaal sitzen und studieren will, auf den kommen einige Kosten zu. Wer keine finanzkräftige Familie im Rücken hat, muss sich um Unterstützung etwa durch Bafög kümmern.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Berlin.  Dass sie einen Auslandsaufenthalt einlegen wollte, wusste Katharina Goergens schon zu Beginn ihres dualen BWL-Studiums an der Hochschule für Wirtschaft und Recht. Trotzdem geriet der Plan fürs Semester an der Partneruniversität in Cambridge zwischenzeitlich ins Wanken: „Die Studiengebühren von über 5000 Euro waren einfach zu hoch“, berichtet Goergens. Aufgeben wollte die heute 27-Jährige ihren Traum jedoch nicht – und konnte ihn letztendlich doch noch mit einem Studienkredit realisieren, der den Großteil der Kosten abdeckte.

Auch sonst ist Studieren teuer. Wohnung, Bücher und andere Lernmittel, Fahrtkosten und Computer: Monatlich summieren sich die Ausgaben laut der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks im Schnitt auf rund 800 Euro, das macht über acht Semester 38.400 Euro. Kommen noch Extras wie ein Auslandsaufenthalt hinzu, steigen die Kosten weiter. Wer keine finanzkräftige Familie im Rücken hat, muss sehen, wie er das Studium nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell bewältigt.

Für Katharina Goergens war dies kein Problem. Denn für ihr duales Studium, das Praxis und Theorie vereint, erhielt sie eine Ausbildungsvergütung von den Berliner Wasserbetrieben, bei denen sie die Praxisblöcke absolvierte. Inzwischen arbeitet sie dort als Referentin des Vorstandschefs.

Wer will schon die Eltern auf Unterhalt verklagen?

Andere müssen sich selbst helfen. Grundsätzlich sind Eltern zwar verpflichtet, ihren Kindern eine erste Ausbildung zu finanzieren. Als Richtschnur gilt die durchschnittliche Studienzeit. „Aber die wenigsten möchten wohl ihre Eltern auf Unterhalt verklagen“, sagt Sandro Philippi vom Verein „freier zusammenschluss von student­Innenschaften“ (fzs).

Damit das Studium nicht vom Geldbeutel von Vater und Mutter abhängt, bietet der Staat Bafög als Förderung an. Aber auch andere Alternativen der Studienfinanzierung können sich je nach Lebenssituation eignen.

Von Bafög profitiert gut jeder dritte Student, auch Isabella Rogner, die vor rund zwei Jahren an der Freien Universität Berlin den Masterstudiengang „Internationale Beziehungen“ antrat. Oft ist das eine gute Option. Denn die Hälfte des Bafögs wird als Zuschuss gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss, die andere Hälfte als zinsloses Darlehen. Ein weiterer Vorteil: Die Tilgung läuft erst fünf Jahre nach der letzten Rate an.

Allerdings ist das Bafög an einige Voraussetzungen geknüpft. So darf man nicht bereits eine geförderte Ausbildung in der Tasche haben und muss unter 30 Jahre sein. Aber es gibt Ausnahmen, bei Erziehung eigener Kinder und für einen Masterstudiengang etwa gilt die Grenze des 35. Lebensjahrs. Dennoch: „Trotz Reform reichen die Sätze nicht aus“, moniert Philippi.

Freigrenze für Nebenjobs wurde angehoben

Aktuell erhalten Studenten innerhalb der Regelstudienzeit abhängig vom Einkommen der Eltern bis zu 670 Euro, ab Herbst dann bis zu 735 Euro. Die Freigrenze für einen Nebenjob wurde ebenfalls angehoben – auf 450 Euro monatlich. Bei höheren Einnahmen wird der Bafög-Satz gekürzt.

Isabella Rogner verlor zwischenzeitlich ganz ihren Anspruch darauf. Durch ein Studienjahr in Kanada überschritt sie die Regelstudienzeit. Deren Verlängerung wurde trotz Beurlaubung nicht anerkannt, da ihr Studiengang ein Auslandssemester vorschreibt. Inzwischen hat sie zwar mithilfe des Studierendenausschusses erfolgreich Widerspruch eingelegt. Da sie jedoch noch einen weiteren Job angenommen hat, liegt ihr Monatsverdienst jetzt mit rund 850 Euro weit über der Freigrenze. Das ursprüngliche Bafög von 400 Euro entfällt damit komplett.

„Ich wollte meine neue Stelle nicht gleich wieder kündigen“, erklärt Rogner. Dafür muss sie jetzt den Spagat zwischen zwei Jobs, der gerade begonnenen Masterarbeit und einem Intensivkurs Spanisch fürs geplante Praktikum in Südamerika bewältigen: „Das geht manchmal schon an die Substanz.“

70 Prozent der Studenten jobben

Laut der jüngsten Sozialerhebung jobben rund 70 Prozent der Studenten in Berlin. „Gesucht wird aktuell besonders häufig für den ständig wachsenden IT-Bereich, hier ist durchaus ein Stundenlohn von 18 Euro drin“, sagt Jöran Krusch, Bereichsleiter der Arbeitsvermittlung Heinzelmännchen vom Studentenwerk Berlin. Aber auch Aushilfen für Produktion oder Büro würden gern eingestellt. Hier läge der Verdienst im Schnitt zwischen 9 und 11 Euro.

Neben studentischen Arbeitsvermittlungen bieten auch Jobportale wie jobmensa.de oder monster.de sowie Unternehmen auf den eigenen Webseiten Stellen für Studenten an. Isabella Rogner kommt aktuell mit ihren beiden Jobs als studentische Hilfskraft, einmal an der Freien Universität, einmal an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, auf insgesamt 20 Stunden die Woche.

Dies ist in der Vorlesungszeit die Grenze, um nur einen reduzierten Rentenversicherungsanteil von 9,35 Prozent statt 20,58 Prozent zu zahlen. Minijobber, deren monatliche Verdienste insgesamt unter 450 Euro bleiben, können sich sogar ganz von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. „Auch für die Familienversicherung in der Krankenkasse gelten Grenzen, die man erfragen sollte“, rät Krusch. Zudem sind in der Steuerklasse I bis zu 985,24 Euro monatlich lohnsteuerfrei.

Wer kein Bafög bekommt oder nur für eine bestimmte Zeit Geld benötigt, für den kann, so wie für Goergens, ein Studienkredit eine gute Alternative sein. „Insbesondere im Examen, für ein Auslandssemester oder ein Praktikum eine gute Möglichkeit“, sagt Kerstin Backofen von der Zeitschrift Finanztest. Um seine Lücke möglichst exakt zu ermitteln, sollte man zuerst eine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung aufstellen.

Größter Anbieter von Studienkrediten ist die KfW

Im Zweifelsfall die Raten lieber niedriger ansetzen, später ließen sie sich bei Bedarf aufstocken, empfiehlt die Expertin. Größter Anbieter ist die KfW-Bank. „Dennoch lohnt der Vergleich“, sagt Backofen. Ihr Tipp: Einige Studentenwerke bieten für die Abschlussphase ebenfalls spezielle Darlehen an.

Goergens entschied sich für das Angebot der KfW. „Mir war wichtig, dass zwischen letzter Rate und Tilgung ausreichend Zeit bleibt“, sagt sie. Zudem fielen die Zinsen bei der KfW damals niedriger aus als bei anderen Banken. Das Darlehen von insgesamt 4800 Euro zahlt Goer­gens seit Anfang Juli in Raten von 120 Euro monatlich für gut 3,5 Jahre ab. „Ich kann aber jederzeit die Tilgung erhöhen und wäre dann schneller fertig.“

Ähnlich wie Studienkredite funktionieren Bildungsfonds, etwa von CareerConcept oder Deutsche Bildung, in die Investoren einzahlen und so Studenten unterstützen. Die Tilgung beginnt mit dem Berufsanfang und hängt dann vom Einkommen ab. Vorab vereinbart werden ein bestimmter Prozentsatz und die Rückzahlungsdauer. Wer später nicht viel verdient, zahlt also unter Umständen weniger zurück, als er bekommen hat.

Bildungsfonds sind meist an Extras gekoppelt

Entsprechend hoch ist das Interesse der Geldgeber am schnellen Einstieg der Geförderten in einen gut dotierten Job. „Auch deshalb sind Bildungsfonds oft an eine spezielle Betreuung und kostenlose Extras gekoppelt“, erklärt Kerstin Backofen von Finanztest. Dazu gehören etwa Karriere-Netzwerke, Mentoring-Programme und Bewerbungstrainings.

Bildungsfonds sind an ein Auswahlverfahren gebunden. Dabei zählen Noten und Studienfach. Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft werden im Gespräch oder in einem Assessment-Center abgeklopft. „Bil­dungs­fonds gibt es nur für bestimmte Unis und Fachrichtungen wie etwa BWL oder Ingenieurwissenschaften“, sagt Backofen.

Ein Auswahlverfahren ist auch Stipendien vorgeschaltet. Hier geben Parteien, Kirchen, staatliche Einrichtungen oder private Stiftungen finanzielle Hilfestellung, die nicht zurückgezahlt werden muss. „Viele Studenten probieren es gar nicht erst, da sie sich keine Chance ausrechnen“, sagt Sandro Philippi von der studentischen Dachorganisation fzs.

Stipendien unterstützen nicht nur Überflieger

Oft würden Stipendien auch deshalb eher von Studenten aus bildungsnahen Haushalten in Anspruch genommen. Dabei lohnt es sich durchaus für jeden, die Angebote genauer unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich werden längst nicht nur Überflieger berücksichtigt. Es gibt eine große Bandbreite mit sehr unterschiedlichen Zugangskriterien (www.stipendienlotse.de).

So bringen nicht nur Top-Noten Punkte, sondern etwa auch soziales Engagement. Zudem existieren beispielsweise Stipendien für bestimmte Regionen, Arbeiterkinder oder für Bücher oder einen Studienaufenthalt.

Dies nutzte auch Katharina Goergens neben dem Studienkredit für ihr Cambridge-Semester: „Ein Stipendium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst kam für die Lebens­haltungskosten auf.“ Mit der Ausbildungsvergütung der Berliner Wasserbetriebe brauchte sie so am Ende nur noch einen Mini-Zuschuss von ihren Eltern.