Arbeitsrecht

Wie kann ich geheime Codes im Arbeitszeugnis erkennen?

Zur vollen oder zur vollsten Zufriedenheit: Ein Rechtsanwalt erklärt die Bedeutung von Codes in Zeugnissen. Darauf muss man achten.

Arbeitgeber verwenden in Arbeitszeugnissen meist verklausulierte Formulierungen

Arbeitgeber verwenden in Arbeitszeugnissen meist verklausulierte Formulierungen

Foto: Gajus / Getty Images/iStockphoto

Berlin.  Meine ehemalige Firma hat mir mein Arbeitszeugnis geschickt. Auf den ersten Blick sieht es gut aus. Aber es wird ja immer vor versteckten Codes gewarnt. Worauf sollten Arbeitnehmer ganz besonders achten? Rechtsanwalt Dr. Heiko Peter Krenz erklärt die Bedeutung von Zeugniscodes und worauf Empfänger besonders achten müssen:

„Für Arbeitnehmer ist es oft schwer zu erkennen, wie die Bewertungen im Arbeitszeugnis tatsächlich ausgefallen sind. Anstelle von leicht nachvollziehbaren Noten wird im Zeugnis durchweg eine verschlüsselte Zeugnissprache verwendet, die sogenannten Codes.

Als Empfänger sollten Sie wirklich genauestens auf die Formulierungen achten. Denn mit Ihrer Ahnung liegen Sie richtig: Nicht alles, was gut klingt, ist zwangsläufig positiv. Vorsicht ist etwa bei der Bewertung angebracht, „er war als umgänglicher Mitarbeiter bekannt“. Damit ist gemeint: Niemand kam mit dem Kollegen zurecht. Wird im Zeugnis erwähnt, dass der Mitarbeiter stets pünktlich war, bedeutet das genau das Gegenteil, weil Selbstverständlichkeiten im Zeugnis nicht erwähnt werden. Wird dagegen branchenüblich die Erwähnung bestimmter Eigenschaften erwartet, zum Beispiel Zuverlässigkeit bei Buchhaltern, müssen diese auch im Zeugnis auftauchen.

Hinsichtlich der Gesamtbewertung des Zeugnisses hat es sich eingebürgert, dass die Formulierung „Die Arbeitsleistung war stets zur vollsten Zufriedenheit“ der Note „sehr gut“ entspricht. Fehlt der Passus „vollste“, handelt es sich um eine Bewertung mit „gut“. Fehlt auch noch das „stets“, ist die Beurteilung nur „befriedigend“.

Auf dem Arbeitsmarkt kann man sich nur mit einem guten oder sehr guten Zeugnis durchsetzen. Große Aussagekraft kommt dabei dem Umstand zu, ob das Zeugnis eine Dank- und Abschiedsformel enthält. Bedankt sich der Arbeitgeber für die jahrelange Zusammenarbeit und wünscht er dem Arbeitnehmer für seinen beruflichen und privaten Lebensweg weiterhin alles Gute, kommt zum Ausdruck, dass es sich um einen wertvollen Mitarbeiter handelt, auf den der Arbeitgeber nur ungern verzichtet. Wird auf das „weiterhin“ verzichtet, ist das ein sicherer Hinweis auf fehlenden Erfolg im vergangenen Arbeitsverhältnis.“