Interview

„Die korrekte Aussprache ist im Koreanischen relativ schwer“

Der Bachelorbeauftragte der FU Berlin nennt die Herausforderungen der Koreastudien – und informiert über berufliche Möglichkeiten.

Dr. Holmer Brochlos ist Bachelorbeauftragter für die Koreastudien an der FU

Dr. Holmer Brochlos ist Bachelorbeauftragter für die Koreastudien an der FU

Foto: privat

Christine Omerzu sprach mit dem Sprachlektor, Dr. Holmer Brochlos, vom Institut für Koreastudien an der Freien Universität (FU). Er hat den Studiengang im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften mit aufgebaut.

Die Koreastudien sind der jüngste Studiengang in den Ostasienwissenschaften der FU. Wie groß ist das Interesse daran?

Holmer Brochlos: Wir sind 2005 mit zwölf Studenten gestartet. Im vergangenen Jahr haben wir einen großen Aufschwung erlebt. Über 70 Immatrikulationen hatten wir bei einer Kapazität von 58 Plätzen. Und wir haben uns zu einem sehr forschungsstarken Institut der Koreastudien in Deutschland entwickelt.

Wie erklären Sie sich den positiven Trend?

Das allgemeine Interesse an Korea ist bei den jungen Leuten in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Das betrifft zum einen die Musik, den sogenannten K-Pop, zum anderen aber auch koreanische Filme, Seifenopern und Onlinegames wie „StarCraft“. Mindestens die Hälfte aller Studenten kommt mit einer solchen Motivation.

Und wird im Studium enttäuscht?

Offenbar nicht. Wir haben eine sehr geringe Fluktuation. Nur ungefähr zehn Prozent der Studenten brechen ab.

Ist die Sprache nicht extrem schwer zu lernen?

Gegenüber der chinesischen und japanischen Schrift ist sie leichter zu schreiben. Im Koreanischen gibt es ja keine Zeichen. Die koreanische Schrift Hangeul ist ein Alphabet mit nur 24 Grundbuchstaben. Man schreibt sie nur nicht linear, sondern baut sie zu Silben zusammen. Dafür ist die Grammatik kompliziert und die Aussprache relativ schwer.

Wie ist das bei Chinesisch und Japanisch?

Beide Schriften bestehen aus Zeichen. Im Japanischen ist die Aussprache leicht, das Schreiben und die Grammatik schwer. Im Chinesischen ist die Schrift und die Aussprache kompliziert, dafür die Grammatik weniger schwierig. Wer sich für Koreastudien bewirbt, sollte aber auch wissen, dass wir Korea nicht losgelöst, sondern immer im ostasiatischen Kontext betrachten.

Welche Voraussetzungen sollte man für das Studium mitbringen?

Interesse an der Kultur der Länder und auch etwas Talent für Sprachen allgemein sollten vorhanden sein. Wer sich im Gymnasium schon mit Englisch herumquält, sollte nicht zu uns kommen.

Was verbirgt sich hinter dem inte­grierten Bachelor, den es seit dem Jahr 2012 gibt?

Der integrierte Bachelorstudiengang dauert vier statt drei Jahre und schließt ein Jahr gefördertes Studium an einer Partneruniversität in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul ein. Das monatliche Stipendium ist jetzt leider ausgelaufen, aber die Studiengebühren werden erlassen. Die sind in Korea sehr hoch, circa 3000 bis 4000 Euro pro Semester.

Wie viele Plätze stehen zur Verfügung?

Mindestens zehn. Manche Studenten gehen aber auch auf eigene Kosten oder für nur ein Semester.

Gibt es auch die Möglichkeit, nach Nordkorea zu gehen?

Eine Kooperation mit der Kim-Il-sung-Universität in Pjöngjang ist schon seit längerer Zeit angedacht, konnte aber bisher noch nicht umgesetzt werden. Auch und gerade angesichts der derzeitigen politischen Lage wird das wohl noch ein Weilchen dauern, denke ich.

Wo finden Bachelorabsolventen einen Job?

In Firmen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Korea pflegen oder aus Südkorea kommen, wie Samsung oder LG. Oder in kulturellen Einrichtungen. Auch bei Stiftungen gibt es Ostasienreferenten. Oder sie arbeiten für Medien oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Einer unserer ehemaligen Studenten ist Hotelmanager in Thailand. Und der derzeitige Länderreferent „Ko­reanische Halbinsel“ im Auswärtigen Amt war unser erster Bachelorabsolvent.

Wem empfehlen Sie, den anschließenden Masterstudiengang zu absolvieren?

Allen, die später wissenschaftlich arbeiten wollen beziehungsweise eine akademische Karriere anstreben, unbedingt. Wer sehr gut ist, im Anschluss noch promoviert, dem stehen interessante Jobs in der ganzen Welt offen. Mal ist in Stockholm eine Doktorandenstelle ausgeschrieben oder mal im australischen Perth. Dafür findet man kaum Leute – eine große Chance für Absolventen, die richtig gut sind und Karriere im Ausland machen wollen.