Interview

Viele Tourismus-Jobs entstehen zurzeit im Online-Bereich

Branchenexpertin Nicole von Stockert über neue Berufsbilder und Einstiegschancen im Tourismus. Auch hier schafft die Digitalisierung Jobs

Ab in den Urlaub: Bei der Planung und der Vermarktung von Urlaubsreisen sind immer mehr IT-Jobs wichtig für die Tourismusbranche.

Ab in den Urlaub: Bei der Planung und der Vermarktung von Urlaubsreisen sind immer mehr IT-Jobs wichtig für die Tourismusbranche.

Foto: imago stock&people / imago/fotoimedia

Berlin.  Nicole von Stockert ist Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft. Mit Dagmar Trüpschuch sprach sie über Karrierechancen in ihrer Branche.

Welches sind die klassischen Berufsfelder in der Tourismuswirtschaft?

Nicole von Stockert: Ganz klassische Berufe sind zum Beispiel die Tourismuskaufleute, die im Reisebüro oder bei Reiseveranstaltern arbeiten, die Hotelfachleute und Köche sowie Piloten und Flugbegleiter.

Welche Berufe sind in jüngerer Zeit hinzugekommen?

Von Stockert: Insbesondere viele Jobs rund um IT. Das reicht von Programmierern bis hin zu Social Media Experten, wobei es sich hier meistens um Generalisten handelt und weniger um klassische tourismusspezifische Jobs. Neue Jobs gibt es auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Wertemanagement, gerade bei großen Konzernen oder auf Nachhaltigkeit spezialisierten Veranstaltern. Seit Kurzem gibt es zudem eine Qualifizierung zum Fachwirt für Geschäftsreise- und Mobilitätsmanagement. Die Fachleute arbeiten entweder bei Geschäftsreiseanbietern oder oft auch direkt in großen Unternehmen, in denen viele Reisen für die Mitarbeiter geplant werden müssen.

Hat die Digitalisierung neue Jobs geschaffen?

Von Stockert: Ja, zum Beispiel bei Buchungs- und Sharing-Economy-Portalen. Aber auch rund um Vertrieb und Marketing in den klassischen Unternehmen. Man muss die Menschen zunehmend online abholen, um ihnen offline die Welt zu zeigen.

Welche Berufe können einen so richtig weit wegbringen?

Von Stockert: Wenn man in der Fremde arbeiten will, sind Hotels in den verschiedenen Destinationen auf jeden Fall eine gute Option. Hoteljobs können einen in die ganze Welt bringen. Gleiches gilt für Reiseleiter und Gästebetreuer oder auch Hoteleinkäufer, die bei Reiseveranstaltern arbeiten und in den Destinationen mit Anbietern Kontingente und Preise aushandeln. Auch viele Jobs im Mobilitätsbereich wie Piloten, Flugbegleiter oder Busfahrer führen in die Ferne oder Berufe auf Kreuzfahrtschiffen vom Kapitän bis zum Zimmermädchen.

Welche Trends gibt es im Tourismus?

Von Stockert: Was seit Jahren boomt sind Kreuzfahrten. Das ist ein weiter wachsender Markt. In Nischenbereichen sind Themen wie Gesundheitstourismus und Nachhaltigkeit angesagt.

Gibt es auch in Ihrer Branche den Trend zur Akademisierung, dass also für Aufgaben, auf die bislang eine Ausbildung vorbereitet hat, nun Studiengänge entstehen?

Von Stockert: Ja, grundsätzlich kann man diesen Trend auch in der Tourismuswirtschaft sehen, auch wenn die klassische duale Berufsausbildung nach wie vor die Branche prägt. Die Akademisierung zeigt sich insbesondere mit Blick auf angehende Führungskräfte. Die häufigsten tourismusspezifischen Studiengänge sind deshalb auch Tourismus-, Hotel-, Luftverkehrs- und Eventmanagement. Bei uns ist der Praxisbezug sehr wichtig, weil der Tourismus eine dienstleistungsorientierte Branche ist. Deswegen wird das duale Studium sehr geschätzt oder die Verbindung der dualen Berufsausbildung mit anschließendem Studium.

Wie sieht der Markt für Quereinsteiger aus?

Von Stockert: Grundsätzlich ist die Branche sehr offen. Im Servicebereich ist ein Quereinstieg leichter möglich, beim Piloten und Schiffskapitän eher schwierig. Dort, wo er möglich ist, hilft es, eine gewisse Affinität zum Thema zu haben, was meist nicht so schwer fällt, weil Reisen ja ein schönes Thema ist. Man braucht eine hohe Dienstleistungsbereitschaft, Flexibilität, weil man oft arbeitet, wenn andere frei haben. Dann natürlich Reisebereitschaft, was auch nicht immer einfach ist, gerade wenn man Familie hat. Und nicht zu vergessen Organisationsgeschick und Fremdsprachenkenntnisse.