Tourismus

Fast wie Urlaub: Die passenden Jobs für Menschen mit Fernweh

Der Tourismus zieht unternehmungslustige Menschen an. Kaufleute, Piloten, Stadtführer und Flugbegleiter finden in der Branche ihren Traumberuf.

Roxana Rosenlöcher arbeitet für Air Berlin als Senior Cabincrew Member.

Roxana Rosenlöcher arbeitet für Air Berlin als Senior Cabincrew Member.

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Wer denkt nicht manchmal daran: den Schreibtisch im tristen Bürogebäude gegen einen Arbeitsplatz zu tauschen, der mehr Exotik und Abwechslung bietet. Wer in den Tourismus geht, hat dafür beste Aussichten. Dabei sind die Berufe, die Reisemöglichkeiten bieten, so vielfältig wie die Länder dieser Erde. Da gibt es Piloten, Schiffsstewards oder Reisebusfahrer, man kann als Reiseleiter unterwegs sein oder als Autor für einen Reiseführerverlag. Aber auch alle Berufe rund ums Hotel können von Fernweh Geplagte in die große weite Welt bringen.

Selbst Tourismuskaufleute, die bei einem Reiseveranstalter oder im Reisebüro arbeiten, haben durch ihre Ausbildung die Grundlage, um auf Kreuzfahrtschiffen tätig zu werden, eine Weiterbildung zum Flugbegleiter aufzusatteln oder als Reiseleiter aktiv zu werden. „Da dies alles keine Ausbildungsberufe sind, haben diejenigen mit einer grundständigen Ausbildung in einem Tourismusberuf etwas, worauf sie zurückgreifen können, wenn sie ihren Beruf nicht mehr ausüben möchten“, sagt Irene Gerard von der Berufsschule für Tourismus (BFT).

Kaufleute für Touristik sind fürs Inland zuständig

An der BFT werden unter anderem Tourismuskaufleute und Kaufleute für Touristik und Freizeit ausgebildet. Letztere sind für den Incoming-Bereich zuständig („Incoming“ ist der Verkauf von inländischen Reiseangeboten). Nachdem sie ausgelernt haben, ist es ihre Aufgabe, Programme für aus- und inländische Touristen, die Deutschland bereisen wollen, zu erstellen. Die Tourismuskaufleute hingegen kümmern sich um diejenigen, die ins Ausland möchten. Outgoing heißen diese Angebote. „Bei dem Beruf geht es darum, dass man die Leute wegschickt“, sagt Gerard.

Die Ausbildung dauert in der Regel drei, an der privaten Berufsschule jedoch nur zweieinhalb Jahre. „Als Privatschule können wir die Schüler dichter betreuen“, sagt Irene Gerard, die Reiseverkehrskauffrau gelernt hat. So hieß der Beruf der Tourismuskauffrau vor seiner Novellierung. Jahrelang war sie selbst als Reiseleiterin unterwegs. Nach einem Lehramtsstudium führt sie nun junge Menschen in die Tourismusberufe ein.

Angehende Tourismuskaufleute werden in Reisegeografie, Reisearten, Marketing, Reiserecht, Beschwerdemanagement und in den sogenannten Urlaubsmotiven, die von der Kur bis zum geschäftlichen Anlass reichen, unterrichtet. Auch die Einweisung in verschiedene Buchungssysteme gehört zur Ausbildung. Später arbeiten die Fachkräfte in Reisebüros, bei Reiseveranstaltern, aber beispielsweise auch bei Dienstleistern, die Reiseseiten im Internet betreuen.

Kosten kalkulieren, Kontingente verhandeln

Während sie im Reisebüro über Reiseziele informieren, Pauschalreisen verkaufen oder einen individuellen Trip für Kunden planen, erstellen die Tourismusfachleute, die bei einem Reiseveranstalter arbeiten, organisierte Reisen. Dazu kalkulieren sie Kosten, verhandeln die Kontingente mit Fluglinien und Hotels aus und buchen Reiseleiter. „Tourismuskaufleute sorgen dafür, dass andere eine schöne Zeit haben“ sagt Irene Gerard.

Das gleiche Anliegen hat auch Roxana Rosenlöcher. Als Flugbegleiterin bei Air Berlin möchte sie „den Passagieren einen tollen Start in den Urlaub bereiten“. Seit 2004 ist sie über den Wolken tätig, nach einer Ausbildung zur Hotelfachfrau und der sechswöchigen Flugbegleiter-Schulung bei Air Berlin. Jede Fluggesellschaft bildet ihr Flugpersonal selbst aus. Doch die Inhalte sind nahezu identisch: Flugbegleiter in spe werden in den Bereichen Sicherheit, Service, Kommunikation, Luftverkehr, im Flieger-Alphabet und intensiv in Erster Hilfe unterrichtet.

Auch Deeskalationstraining ist Teil des Ausbildungsplans, um bei Pro­blemen mit Fluggästen professionell eingreifen zu können. „Aber an erster Stelle steht natürlich die Sicherheit“, sagt Roxana Rosenlöcher. Sie lernte, Feuer zu löschen und Passagiere schnell über die Notrutsche zu evakuieren. Keine einmalige Angelegenheit. Sicherheitstrainings müssen jährlich wiederholt werden.

Zu den Aufgaben der Flugbegleiter zählt natürlich auch das Servieren von Speisen und Getränken sowie die individuelle Betreuung, wenn jemand Hilfe benötigt. Wichtig sei, immer gelassen zu bleiben. „Denn was wir ausstrahlen, nehmen die Gäste auf“, sagt die Flugbegleiterin.

Nächster Karriereschritt wäre die Position eines Pursers

Mittlerweile ist Roxana Rosenlöcher Senior Cabincrew Member und somit für die Crew auf kontinentalen Flügen verantwortlich. Der nächste Karriereschritt wäre für sie die Fortbildung zum Purser – das sind die Flugbegleiter, die auf interkontinentalen Flügen die Verantwortung tragen. Diese Bildungsmaßnahmen finden innerbetrieblich statt, genauso wie die Fortbildung, die die 36-Jährige zum Area-Manager Nord absolviert hat. In dieser Position ist sie Ansprechpartnerin der Flugbegleiter aus Berlin, Hamburg und Leipzig. Roxana Rosenlöcher sieht ihre Zukunft auf Dauer bei der Airline. „Flugbegleiterin kann ich bis zur Rente sein“, sagt sie.

Auch Christian von Zameck hat einen Job, den er bis ins hohe Alter ausüben kann. Der Jurist ist Stadtführer, arbeitet aber vorwiegend als Reiseleiter für das Touristikunternehmen Wörlitz. Im Jahr 2005 hat es ihn in die Reisebranche verschlagen. Um sich zu professionalisieren, erwarb er bei der IHK Berlin das Zertifikat „Gästeführer und Reiseleiter“.

Heute gibt es diese Fortbildung so nicht mehr. Stattdessen können Interessierte das sechsmonatige Modul „Reiseleitung“ belegen, beispielsweise an der Schule für Tourismus (SFT). Es gehört zur Ausbildung zur Tourismus- und Hotelfachkraft. Dabei beschäftigen sich die Teilnehmer unter anderem mit Reiserecht, Länderkunde, Zusammenarbeit mit Transportunternehmen und damit, wie man Gäste führt und ihnen Wissen vermittelt.

Als Reiseleiter braucht man Lebenserfahrung

Christian von Zameck arbeitet inzwischen seit acht Jahren als freiberuflicher Reiseleiter. „Wichtig ist, dass man Lebenserfahrung mitbringt, die kulturellen Eigenheiten des Ziellandes kennt und Fremdsprachen beherrscht“, sagt er. Der 53-Jährige spricht Englisch und Französisch und kann etwas Spanisch und Italienisch. Er begleitet Busreisen innerhalb Deutschlands sowie Bus- und Flugreisen ins Ausland. Frankreich, Spanien, England, Malta und die Türkei sind nur einige seiner Ziele.

Von Zameck nimmt die Gäste am Flughafen in Empfang, bringt sie ins Hotel, hilft bei der Verteilung der Zimmer und bleibt für die Dauer des Aufenthalts immer ihr erster Ansprechpartner. Er versteht sich als Kulturvermittler. „Andere Länder, andere Sitten“, sagt er. Es könne viel Ärger vermieden werden, wenn man wisse, was im Reiseland Usus ist. Auf der anderen Seite ist er Repräsentant seines Unternehmens und als solcher für die Kontrolle von Service und Qualität zuständig. „Zudem achte ich darauf, dass die Reisvertragsleistungen vor Ort eingehalten werden“, sagt er.

Tagsüber Gästebetreuung, abends Verwaltungsaufgaben

Tagsüber ist er mit den Gästen zusammen, am Abend schreibt er den Reiseleiterbericht, in dem er zum Beispiel festhält, ob der Reiseplan mit den vorgesehenen Zeiten eingehalten wurde. „Man ist zwar den ganzen Tag mit Menschen zusammen“, sagt Christian von Zameck, aber dennoch sei es ein einsamer Job. „Probleme muss ich alleine lösen, denn die Gäste sollen ja eine schöne Zeit haben.“

Immer am Anfang des Jahres stellt von Zameck seinen Reiseplan zusammen. „Die Saison geht von Ostern bis Oktober“, sagt er. Es ist ein Saisongeschäft, das ihn über den Winter bringen muss. „Ich komme klar“, sagt Christian von Zameck. „Ich muss im Winter nicht zusätzlich arbeiten.“ Dafür ist er im Sommer viel unterwegs. Das Privatleben muss da zurückstehen.

Im Winter bereitet Christian von Zameck sich dann auf neue Destinationen vor. „Es ist zwar schön, aus eigener Erfahrung Reisegebiete gut zu kennen, aber ich nehme immer wieder neue Ziele auf, damit keine Routine eintritt.“ Und gibt es etwas, was ein Reiseleiter unbedingt wissen muss? „Ja“, sagt von Zameck und lacht. „Er muss immer wissen, wo die Toi­letten sind.“