Interview

TU-Professorin Kleinschmit: Das macht Ökologie so spannend

Professorin Birgit Kleinschmit von der Technischen Uni Berlin rät Studenten zu Praktika und empfiehlt, auch im Ausland Erfahrung zu sammeln.

Dr. Birgit Kleinschmit ist Professorin für Geoinformation an der Technischen Uni Berlin

Dr. Birgit Kleinschmit ist Professorin für Geoinformation an der Technischen Uni Berlin

Foto: privat

Berlin.  Professorin Dr. Birgit Kleinschmit ist Leiterin des Fachgebiets Geoinformation in der Umweltplanung an der Fakultät Planen, Bauen, Umwelt der Technischen Universität (TU) Berlin. Adrienne Kömmler sprach mit ihr über Ausbildungsmöglichkeiten, Berufsaussichten und die Arbeitsinhalte im Bereich des Umwelt- und Naturschutzes.

Berliner Morgenpost: Frau Prof. Kleinschmit, Sie selbst haben Forstwissenschaft studiert und stehen jetzt vor Studierenden des Fachs Ökologie und Umweltplanung. Es führen also viele Wege in die Arbeit im Umwelt- und Naturschutz?

Birgit Kleinschmit: Ich habe während meines Abis sehr geschwankt und vom Architektur- bis zum Medizinstudium nach der richtigen Richtung für mich gesucht. Durch Zufall bin ich auf die Forstwissenschaft gestoßen. Sie vereint Naturwissenschaft, Ökonomie und Technik. Das ist der Vorteil, nach dem ich gesucht hatte: ein breit aufgestelltes Studium. Später, während der Promotion, bin ich dann zur Geoinformatik gekommen.

Womit beschäftigt man sich, wenn man sich für das Bachelorstudium Ökologie und Umweltplanung entschieden hat?

Kleinschmit: Die Umwelt des Menschen unterliegt weltweit einem sich beschleunigenden Wandel. Beispiele sind Klimawandel, Verlust biologischer Vielfalt, Veränderungen des Wasserhaushalts und der Gewässerqualität, Siedlungswachstum und Flächenverbrauch oder die Auswirkungen von Energiegewinnung und -verbrauch. Das stellt uns vor große Herausforderungen. Der Studiengang Ökologie und Umweltplanung vermittelt Kenntnisse zur Bewältigung dieser Herausforderungen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung urbaner und ländlicher Räume.

Die Studierenden erhalten dazu eine fundierte querschnittsorientierte ökologische und planungswissenschaftliche Ausbildung – also auch sehr breit. Dabei wird ihren jeweils individuellen Neigungen und Fähigkeiten innerhalb der Felder Landschaftsplanung und -entwicklung, Umweltprüfung, Naturschutz und Ökologie Raum gegeben. Sie lernen, wesentliche Bestandteile und Wechselwirkungen ökologischer Systeme, Funktionsweisen und damit verbundene Leistungen für die menschliche Gesellschaft zu analysieren, zu bewerten sowie naturnahe und kulturbetonte Landschaften zu entwickeln.

Ist es schwierig, einen Studienplatz an der TU zu bekommen?

Kleinschmit: Einmal jährlich im Wintersemester startet ein neuer Bachelorjahrgang. Der Ansturm ist enorm. 2015 hatten wir mehr als 800 Bewerbungen auf 58 Studienplätze. Die durchschnittliche Abiturnote lag in dem Jahr und dem Jahr davor bei 2,0.

Was muss man für das Studium mitbringen? Ist der typische Ökologie-Student ein Idealist, der zur Weltrettung antritt?

Kleinschmit: Sicherlich muss einen die Thematik interessieren, für den Schutz der Natur eintreten zu wollen. Aber das Etikett des Weltverbesserers, der als David gegen Goliath loszieht, trifft es nicht. Deutschland war in Sachen Naturschutz ja schon immer Vorreiter. Es gibt dazu einen klaren rechtlichen Auftrag, der zu erfüllen ist.

Wo gibt es Einsatzmöglichkeiten für Absolventen?

Kleinschmit: Das Berufsfeld ist ebenso vielfältig wie das Angebot des Studiengangs. Als Berufsfelder für Absolventinnen und Absolventen kommen beispielsweise Landschafts- und Umweltplanungsbüros oder Ingenieurbüros für Umweltanalytik und -bewertung in Betracht. Genauso suchen Behörden wie Naturschutz- und Umweltverwaltungen oder Genehmigungs- und Überwachungsbehörden nach Absolventen mit dem Profil des Studiengangs Ökologie und Umweltplanung. Wer Interesse an Verbandsarbeit hat, kann auch in nationalen oder internationalen Umwelt- und Naturschutzverbänden tätig werden.

Wie lassen sich die Karrierechancen erhöhen?

Kleinschmit: Die Berufsplanung beginnt im Studium. Um sich zu orientieren, helfen beispielsweise mehrmonatige Berufspraktika, die Teil des achtsemestrigen Bachelorstudiums sind. So ein Praktikum kann man auch im Ausland absolvieren. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind ja global relevante Themen. Auslandserfahrungen sind immer von Vorteil für den späteren Berufseinstieg. Wer Führungspositionen anstrebt oder in die Forschung will, sollte dem Bachelor noch einen Master in Ökologie und Umweltplanung folgen lassen. Dieser kann an der TU Berlin in nur zwei Semestern abgeschlossen werden.