Junge Profis

Diese App macht den Hotel-Check-in schnell

Zwei Berliner Gründer haben eine App für Hotels entwickelt. Ihr Unternehmen zählt inzwischen schon gut 30 Mitarbeiter.

Maximilian Waldmann (l.) und Frederic Haitz haben sich mit conichi selbstständig gemacht

Maximilian Waldmann (l.) und Frederic Haitz haben sich mit conichi selbstständig gemacht

Foto: Christian Kielmann

Steve Jobs soll einmal gesagt haben: Warum sich intelligente Mitarbeiter ins Haus holen und ihnen dann sagen, was sie zu tun haben? Nach diesem Prinzip führen auch Maximilian Waldmann und Frederic Haitz ihre Firma conichi, einen Technologiedienstleister für die Touristikbranche.

30 Mitarbeiter sind es seit der Gründung vor zwei Jahren schon geworden. „Jeder trägt extrem viel Verantwortung“, sagt Waldmann. „Und keiner verschanzt sich hinter einem Titel. Wenn der Praktikant sagt, er hat die bessere Idee, und er kann es belegen, dann wird sein Konzept umgesetzt.“

Bei Start-ups dächten ja viele erst einmal an Flip Flops unterm Schreibtisch und den Kicker mitten im Büro, sagt der 24-Jährige. Doch viel mehr interessiere es Mitarbeiter, verantwortungsvolle und spannende Aufgaben zu übernehmen. Und gut dafür bezahlt zu werden: Viele Programmierer fingen für unter 50.000 Euro im Jahr gar nicht mehr an.

Kollegen sollen sich auch menschlich gut verstehen

Ihre Angestellten suchen und finden Waldmann und Haitz weltweit. „Eine Mitarbeiterin macht etwa 80 Prozent ihres Tages nichts anderes als Recruiting bei LinkedIn.“ Viele Russen seien im Team, Italiener, Spanier. Wer die Auswahlinterviews besteht, kann in Kürze anfangen. „Wir achten darauf, dass die Leute auch menschlich zu uns passen“, sagt Waldmann.

Das scheint zu glücken: „Im Großen und Ganzen ist es so, als wenn man mit Freunden zusammenarbeitet“, findet der Geschäftsführer. „Wir haben ein gemeinsames Ziel.“ Die Firma hilft, wo nötig, auch bei den Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen.

Waldmann kennt inzwischen den schnellsten Weg: Selbst die Entwickler aus Russland können innerhalb von nur zwei bis drei Wochen die Arbeit in Berlin aufnehmen, erzählt er. Die Stadt selbst hat sich als Pfund erwiesen, mit dem die Firma wuchern und bei potenziellen Mitarbeitern punkten kann. „Alle kommen gern hierher“, sagt Waldmann.

Auch er selbst sei inzwischen ein Berlin-Fan – wobei der gebürtige Frankfurter der Hauptstadt früher gar nichts abgewinnen konnte. Erst nach seinem BWL-Studium, das er im britischen Bath und in Singapur absolvierte, und nachdem er eine Zeit lang in Berlin gearbeitet hatte, wurde er warm mit der Stadt.

Über die App wird auch bezahlt

Den Großteil seines Teams machen Programmierer sowie Sales- und Marketingexperten aus. Conichi, abgeleitet vom japanischen Konnichiwa („Guten Tag“), will „dem Gast einen optimalen Hotelaufenthalt verschaffen“. Dafür soll er vor allem nicht mehr lange in Warteschlangen beim Check-in und Check-out stehen. Auch bezahlt wird per App. „Wir verbinden Hotels und ihre Gäste während des Aufenthalts“, erklärt Maximilian Waldmann das Prinzip.

Hotels, die conichi nutzen, wissen vorab, welche Art Zimmer der Gast bevorzugt, ob er ein zusätzliches Kissen braucht oder anderen besonderen Service möchte. Der Gast lädt dafür die App auf sein Smartphone und speichert seine Wünsche. Das Hotel platziert einen kleinen Sender, ein „Beacon“, im Eingangsbereich, mit dem der Besucher erkannt wird, sobald er das Hotel betritt.

So sollen sich auch Besucher, die das erste Mal in diesem Hotel absteigen, fühlen, als seien sie Stammgäste. „Wir bekommen Echtzeiterkennung hin“, sagt der Gründer. „Bei anderen, die mit Beacons arbeiten, dauert das zehn bis 15 Sekunden.“ Rechtlich geschützt haben Waldmann und Haitz ihre Technik nicht. „Wir wollen uns nicht hinter einem Patent verstecken“, sagt Waldmann. „Wir wollen mit dem besten Produkt überzeugen.“

Interessant sei conichi nicht nur für Hotelketten, erläutert Maximilian Waldmann. Auch kleine Hotels könnten sich so auf digital Reisende einstellen. Zurzeit arbeiteten sie schon mit mehr als 100 Hotels zusammen. Demnächst sollen noch einige Ketten hinzukommen, und das Tourismusbüro von Köln will auf einen Schlag 50 bis 60 Hotels in der Stadt mit dem conichi-Service ausstatten. „Jetzt geht’s richtig los“, freut sich Waldmann.

Mehr als ein Jahr nach einem Investor gesucht

Denn der Anfang war nicht ganz leicht, wie er erzählt. Mehr als ein Jahr hätten sie nach einem Investor gesucht. Conichi sei personalintensiv und etwas ganz Neues, sodass es keinem Geldgeber so recht ins Portfolio gepasst hatte. Durch ein zufälliges Zusammentreffen mit HRS-Geschäftsführer Tobias Ragge kamen die Gründer dann an die lang ersehnte Finanzspritze: Ragge steuerte einen hohen siebenstelligen Betrag bei.

Die Kooperation hat für conichi weitere Vorteile: Die inzwischen 23 Millionen Downloads ihrer App kamen weitgehend über die HRS-Seite zustande, die Vertriebler des Reiseportals werben nun auch für die Hotel-App von Waldmann und Haitz.

Dass er einmal im weiteren Sinne in der Hotelbranche landen würde, hätte Maximilian Waldmann früher nicht erwartet – obwohl seine Mutter selbst ein Hotel besitzt. Den Sohn aber zog es ursprünglich in Richtung Beratung im Bankenbereich. Auf die Idee zu conichi kamen Waldmann und Haitz dann aufgrund eigener Erfahrungen. „Morgens lange am Check-out stehen, obwohl ich schnell ins Meeting musste, das war immer so eine Zeitverschwendung.“