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Theaterkunst abseits der Bühne: Requisiteurin Susanne Haaf

Susanne Haaf ist staatlich geprüfte Requisiteurin. Ein Praktikum am Theater veränderte die Pläne der schauspielbegeisterten Berlinerin.

Susanne Haaf ist Requisiteurin am bat-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.

Susanne Haaf ist Requisiteurin am bat-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“.

Foto: Christian Kielmann

Berlin.  Jetzt stehen die „Gespenster“ von Henrik Ibsen auf dem Spielplan des bat-Studiotheaters in Berlin-Weißensee. Eine neue Aufgabe für Requisiteurin Susanne Haaf, die für die Ausstattung des Familiendramas verantwortlich ist. Es spielt auf einem großen Landgut in Norwegen. Zur Requisite gehören alle beweglichen Teile auf der Bühne. Das können Kerzenleuchter, Aschenbecher, Gießkannen oder, je nach Theaterstück, auch Waffen sein.

Wichtig ist, dass die Objekte dem Stil der jeweiligen Zeit entsprechen, authentisch wirken und die Idee des Stücks transportieren. Da ist es nicht damit getan, Flohmärkte zu durchforsten. Für den Beruf des Requisiteurs braucht man umfangreiche Kenntnisse in Kulturgeschichte, technisches Know-how und handwerkliches Geschick – und eine erfolgreich abgeschlossene Zusatzausbildung.

Verbindung von Kunst und handwerklicher Arbeit

Susanne Haaf hat freie Kunst und Bildhauerei studiert. Während eines Praktikums an der Oper Bonn, in dem sie einem Plastiker half, Objekte für die Bühne herzustellen, fand sie Gefallen an der Requisite. „Ich war schon immer theater- und filmaffin“, sagt Haaf. Aber es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass sie damals an einem Theater landete.

Der nächste Schritt war ein Praktikum in der Requisite am Thalia Theater in Hamburg. „Hier hatte ich die Verbindung von handwerklicher Tätigkeit und Bezug zur Bühne“, erzählt Susanne Haaf. Sie nahm ein Semester Urlaub, verlängerte ihre Arbeit dort auf eine ganze Spielzeit und kehrte nicht mehr an die Universität zurück. „Ich hatte Feuer gefangen.“

Bevor sie jedoch die Prüfung zur staatlich geprüften Requisiteurin vor der Industrie- und Handelskammer ablegen konnte, musste sie Berufserfahrung sammeln. „An der Jungen Kammeroper in Köln habe ich alles gelernt, was mit Ausstattung zu tun hat“, erzählt die 37-Jährige.

Zwei Jahre war sie dort für Bühnenbild, Maske, Kostüm und Requisite verantwortlich, bevor sie in Hamburg am Institut für angewandte Medien (heute „DEA­plus“) eine dreimonatige Zusatzausbildung zur IHK-geprüften Requisiteurin machte.

Ausbildung in Kulturgeschichte und Pyrotechnik

Haaf wurde in Kulturgeschichte, Stilkunde, Waffenkunde, Pyrotechnik, Tafelkunde, Arbeitsschutz, Brandschutz und in Floristik unterrichtet. Denn der Requisiteur ist nicht nur für die ergänzende Ausstattung des Bühnenbilds verantwortlich, sondern auch für die Sicherheit der Schauspieler und des Publikums. So werden vor der Aufführung Aschenbecher, die als solche zum Einsatz kommen sollen, mit Wasser gefüllt. Findet ein Feuerwerk auf der Bühne statt, müssen Löschmittel bereitstehen.

„Auch in Lebensmittelhygiene müssen wir uns auskennen“, erzählt Susanne Haaf. Denn wird bei einem Theaterstück getafelt, dürfen die Lebensmittel unter der Hitze des Scheinwerferlichts nicht verderben. „Wir sind in ständiger Absprache mit den Schauspielern, auch um zu erfahren, ob sie auf bestimmte Lebensmittel allergisch sind.“ Und werden auf der Bühne Waffen eingesetzt, muss Haaf die Schauspieler in den Umgang damit einweisen, damit die Handhabung auch authentisch wirkt.

Susanne Haaf ist mittlerweile seit gut zehn Jahren im Geschäft und hat zurzeit eine Festanstellung am bat-Studiotheater der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Ihr gefällt es, am Theater handwerklich und kreativ gefordert zu sein. Es braucht Einfallsreichtum, um den oft exzentrischen Wünschen der Regisseure nachzukommen „Geht nicht, gibt’s nicht“, sagt sie.

Beim Film arbeiten Requisiteure meist freiberuflich

Anders sieht der Job als Requisiteur beim Film und Fernsehen aus. Unter anderem war Haaf für die Produktion „Lügen und andere Wahrheiten“ als Requisiteurin engagiert. „Beim Film arbeiten wir hauptsächlich projektbezogen, also freiberuflich“, sagt sie. Bei dem Familienreigen der Regisseurin Vanessa Jopp war sie in der Außenrequisite beschäftigt.

Während der Theaterrequisiteur für alle Bereiche verantwortlich ist und sich um Recherche, Einkauf und Anfertigung von Requisiten kümmert sowie Proben und Vorstellungen betreut, ist die Arbeit am Filmset aufgeteilt. Der Außenrequisiteur recherchiert, kalkuliert, kauft die Ausstattungsgegenstände ein, organisiert die Planung anhand des Drehbuchs und kümmert sich um den Transport der Requisiten zum Set und zurück in den Fundus.

Bildsprünge dürfen nicht vorkommen

Der Innenrequisiteur hingegen ist direkt am Filmset tätig. Er richtet die Requisiten ein und stellt sie bei jeder Aufnahme „auf Anschluss“, das heißt, er achtet darauf, dass es keine Bildsprünge gibt, etwa dass die Vase in der einen Aufnahme links, in der anderen rechts vom Schauspieler steht. Zudem erledigt der Innenrequisiteur kleine handwerkliche Arbeiten, repariert und reinigt die Requisiten und räumt später das Set auf.

Welche Arbeit sie bevorzugt, vermag die Requisiteurin nicht zu sagen. An der Bühne schätzt sie, dass sie handwerklich mehr gefordert ist und die Festanstellung ihr mehr Sicherheit gibt. „Requisite beim Film ist eher etwas für medienaffine Menschen, die es gerne mal extrem mögen“, sagt sie.

Lange Arbeitszeiten würden dazu gehören und die Unsicherheit als Freiberufler. „Dafür hat man aber mehr mit detailreichen, realistischen Requisiten zu tun und das in großem Umfang.“ Denn ein ganzes Filmset auszustatten stelle den Requisiteur vor andere Herausforderungen als eine räumlich begrenzte Bühne, sagt Susanne Haaf.