Berufseinsteiger

Ziel der meisten jungen Zahnärzte ist die eigene Praxis

Das Studium der Zahnmedizin dauert zehn Semester, eine zweijährige Assistenzzeit folgt. Die Hälfte der Absolventen will promovieren.

Elena Hölzl, 28, und Jan Christian Meier, 31, sind angestellte Zahnärzte in der Praxis Wimberger & Kollegen in der Friedrichstraße .

Elena Hölzl, 28, und Jan Christian Meier, 31, sind angestellte Zahnärzte in der Praxis Wimberger & Kollegen in der Friedrichstraße .

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Es geschieht ja zum eigenen Besten, und vor jedem schmerzhaften Eingriff gibt es eine örtliche Betäubung. Dennoch: Für viele Menschen ist der Besuch beim Zahnarzt eine Art Albtraum. Für Elena Hölzl nicht. Dieser saubere Geruch nach Minze und Mundspülungen, zierliche und chromblitzende Küretten – die kleinen Schaber – und Mundspiegel, alles ordentlich auf einem Tischchen aufgereiht.

Als Elena Hölzl im Alter von zwölf Jahren ihre erste feste Zahnspange bekam, wusste sie sofort, dass sie später einmal in so einem Umfeld arbeiten wollte. Angst? „Hatte ich nie“, sagt die 28-jährige Zahnärztin.

Seit wenigen Wochen hat Elena Hölzl nach ihrer zweijährigen Assistenzzeit in einer anderen Praxis am zweiten Standort der Praxis für Präventive Zahnheilkunde Ralf Wimberger & Kollegen in der Friedrichstraße ihre erste feste Anstellung als Zahnärztin. Sechs Zahnmediziner sind hier insgesamt beschäftigt, jeder bringt Qualifikationen in einem anderen Behandlungsbereich mit. Ralf Wimberger, der Gründer und Inhaber der Praxis, nennt das Prinzip „vereintes Spezialistentum“.

Nach vier Semestern das Physikum

Zunächst einmal sind Zahnärzte Generalisten. Jedes Jahr beginnen rund 2200 junge Menschen ein Studium im Fach Zahnmedizin. Es dauert mindestens zehn Semester. Ein weiteres halbes Jahr muss man fürs Staatsexamen einplanen. Nach vier Semestern absolviert der Student das Physikum, die erste große Prüfung.

Dann folgen sechs Semester, in denen angehende Zahnärzte das Behandeln lernen. An den Universitätskliniken betreuen sie auch schon erste eigene Patienten. Nach dem zehnten Semester finden schließlich alle Prüfungen statt. Praktiker empfehlen, sich bereits in dieser Zeit auf eine Stelle als Assistenzzahnarzt in einer freien Praxis zu bewerben.

„In diesen beiden Jahren lernt man sehr viel “, sagt Elena Hölzl. „An der Uni hat man zwar jede Behandlung einmal ausgeführt, aber Routine und Sicherheit stellen sich noch lange nicht ein.“

Nach der Assistenzzeit ist der Zahnarzt dazu berechtigt, sich selbstständig zu machen und seinen Beruf in einer eigenen Praxis auszuüben. Danach ist es möglich, eine Weiterbildung zum Fachzahnarzt zu absolvieren, zum Beispiel in den Bereichen Oralchirurgie oder Kieferorthopädie. Drei Jahre dauert diese weiterführende Ausbildung – an der Universität oder in ausbildungsberechtigten Praxen.

Masterstudium in der Kieferorthopädie

Elena Hölzls Kollege Jan Christian Meier wird im nächsten Jahr sein Studium zum Master of Science Kieferorthopädie abschließen. 32 Stunden in der Woche arbeitet der 31-Jährige in der Praxis und führt dort präventive, minimalinvasive und zahnerhaltende Behandlungen durch.

Handwerkliches Geschick ist im Beruf gefragt, schließlich erledigt die Zahnmedizin Feinarbeit auf sehr kleinem Raum, der Mundhöhle. „Ich wollte etwas Handwerkliches machen und mit Menschen arbeiten“, erläutert Jan Christian Meier seinen Berufswunsch. „Der Präventivgedanke ist ein großes Anliegen im Arbeitsalltag, das motiviert ebenfalls: Zahnerkrankungen frühzeitig zu verhindern.“

Im Rahmen seines Masterstudiums und darüber hinaus beschäftigt sich Jan Christian Meier zum Beispiel mit der Frage, wie Fehlstellungen im Kiefer entstehen und was getan werden kann, damit es dazu gar nicht erst kommt. „Schon wie die Zunge am Gaumen liegt, wirkt sich darauf aus, wie der Kiefer wächst“, erklärt Meier. Bei Bedarf bringt er ein spezielles Klammersystem zum Einsatz, das hilft, das Wachstum der Kiefer schon im Kindesalter positiv zu beeinflussen.

Mit 30 Porschefahrer – das gilt nicht mehr

Vor 20 Jahren noch hatte der Beruf das Image einer Gelddruckmaschine: Mit 30 fährst du Porsche, hieß es damals. Das ist schon lange nicht mehr so. Dennoch ist der Zahnarzt immer noch einer der am besten bezahlten Berufe unter den Medizinern.

Durchschnittlich liegt der Verdienst zwischen 3600 und 4600 Euro brutto im Monat, Spitzeneinkommen liegen bei 10.000 Euro. Das klingt zunächst viel, doch für wen das Einkommen bei der Berufswahl ein ausschlaggebender Faktor ist, der sollte auch bedenken, dass er seine eigene Gesundheits- und auch die Altersvorsorge davon bezahlen muss.

Die meisten Zahnärzte möchten irgendwann eine eigene Praxis betreiben. Das kostet mehrere Hunderttausend Euro. Geld, das nicht jeder aufnehmen und ein Leben lang abbezahlen möchte. Zumal die Ausstattung und die technischen Geräte immer auf dem neuesten Stand sein sollten und teuer sind. Interessante Aufgabenfelder finden die Mediziner aber auch an zahnmedizinischen Hochschulen, in Forschungseinrichtungen, bei Gesundheitsämtern und Pharmaunternehmen.

Etwa 50 Prozent der Zahnmediziner möchten nach dem Studium promovieren. Notwendig ist der Doktortitel, der ja eine rein wissenschaftliche Qualifikation darstellt, für die Praxis jedoch nicht. Eine Masterthesis dagegen ist oft Bestandteil einer Spezialisierung; sie ist weniger wissenschaftlich ausgerichtet und lässt sich meist mit einer praktischen Arbeit kombinieren.

Wenige Zahnmediziner gehen in die Forschung

Etwa fünf Prozent der Zahnmediziner gehen vorübergehend und etwa ein Prozent dauerhaft in die Forschung und Lehre. Professor Dr. Sebastian Paris ist einer von ihnen. Seit drei Jahren leitet er die Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin an der Charité. „Der Arbeitsalltag an der Uni ist abwechslungsreich“, sagt er. „Neben der Ausbildung der Studenten und der Behandlung von Patienten spielt auch die Forschung eine wichtige Rolle.“

Die Zukunft der Zahnmedizin mitzugestalten, das findet Sebastian Paris spannend. In der Tat geschieht viel auf diesem Sektor. Zahnerhalt, Zahnchirurgie, neue Formen des Zahnersatzes – geforscht wird in viele Richtungen. Um die Zahngesundheit der Bevölkerung steht es nicht schlecht: Karies ist dank stark verbesserter Zahnhygiene und Prophylaxe heutzutage immer seltener ein Problem.

„Der Trend geht zu mikroinvasiven Behandlungsmethoden“, sagt Sebastian Paris. Während das Bohren früher noch stark an die Zahnsubstanz ging, soll heute so viel wie möglich vom Zahn erhalten bleiben. Mit modernen Füllungswerkstoffen und Keramiken ist das möglich. „Die Erfolge in der Zahnmedizinforschung sind oft mit Hightech verbunden“, sagt der Professor.

Doch das hat seinen Preis. In Zeiten steigender Ausgaben im Gesundheitssystem treten auch Fragen der Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung immer stärker in den Fokus. Wie kann man möglichst vielen Menschen eine möglichst gute Versorgung bieten? Am Ende steht aber auch die Frage: Was davon zahlt sich aus? Der Professor kennt die Antwort darauf: „Oft ist die Prävention einer Erkrankung besser als deren Therapie.“

Besprechungen mit den erfahrenen Kollegen

In der Praxis Wimberger an der Friedrichstraße kommen Jan Christian Meier, Elena Hölzl und ihre Kollegen jeden Morgen, bevor der erste Patient zur Behandlung erscheint, zu einem Meeting zusammen. Sie besprechen, was ansteht und welche Probleme bei welchem Patienten wie angegangen werden können. „Das hilft mir enorm“, sagt die Berufsanfängerin. Auch später noch muss keiner der Ärzte allein über die richtige Methode für knifflige Behandlungsfälle entscheiden. Das Team steht immer beratend zur Seite.

Neben ihrer Arbeit in der Praxis arbeiten Elena Hölzl und Jan Christian Meier an ihrer Dissertation, die sie an der Charité in der Abteilung „Kieferorthopädie, Orthodontie mit dem Arbeitsbereich Kinderzahnmedizin“ schreiben.

Jan Christian Meiers Doktorarbeit beschäftigt sich mit dem häufiger werdenden Krankheitsbild des Schlafapnoe-Syndroms. Merkmal sind Atemstillstände während des Schlafs. Meier vergleicht die Wirkung unterschiedlicher Behandlungsmethoden auf die Zähne und das Kiefergelenk. Elena Hölzls Thema führt sie zurück zu ihren eigenen ersten Erfahrungen mit Zahnärzten: Sie forscht darüber, wie feste Zahnspangen zu Zahnfleisch- und Hygienepro­blemen führen können. Und wie sich diese verhindern lassen.