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Erlebnispädagoge Felix Lodes gärtnert mit der Nachbarschaft

Felix Lodes ist Gartenbauwissenschaftler und Erlebnispädagoge. Er engagiert sich als Geschäftsführer für das Projekt „himmelbeet“.

Felix Lodes ist Geschäftsführer der himmelbeet gGmbH

Felix Lodes ist Geschäftsführer der himmelbeet gGmbH

Foto: Sven Lambert

Berlin.  Himmelbeet heißt das Gartenprojekt. Denn eigentlich sollte es damals, im Jahr 2012, hoch oben auf einem Parkhaus seinen Platz finden. So die Idee. „Leider verhinderten brandschutzrechtliche Bestimmungen das Vorhaben“, sagt Felix Lodes. Der 33-Jährige ist Geschäftsführer der himmelbeet gGmbH, die hinter dem Gemeinschaftsgarten steht.

Also suchte die Handvoll Gründer damals nach einer Alternative – und fand sie im Eckgrundstück Schul-/Ruheplatzstraße im Wedding, nahe der Müllerstraße. „1700 Quadratmeter haben wir hier“, sagt Lodes, der die Geschäfte seit dem vergangenen Jahr führt. „Darauf findet sich zwischen 300 Hochbeeten, einer kleinen Jungpflanzengärtnerei, Holzschuppen und einem Café mit großer Terrasse viel Platz für nachbarschaftliches Miteinander.“

Kontakte pflegen und Kooperationen aufbauen

Um die Nachbarschaft einzubinden werden 170 Beete saisonweise verpachtet. Die restlichen 130 sind Gemeinschaftsgarten. „Hier bieten wir Gemüse und Kräuter zum Selberernten an. Außerdem nutzen wir die Ernte bei unseren Kochworkshops, oder wir verwenden sie als Zutaten in der Küche unseres Low-Waste-Cafés“, erzählt Lodes. Zurzeit bereiten er und seine Mitstreiter sich auf die neue Gartensaison vor. Aktionen werden geplant, Projekte vorbereitet, Kontakte zu sozialen Einrichtungen intensiviert und Firmenkooperationen aufgebaut.

Denn himmelbeet ist mehr als Gärtnern für Nachbarn. Die oft ehrenamtlichen Mitarbeiter bieten Führungen zu Themen wie „urban gardening“ an – der Nutzung kleiner, innerstädtischer Flächen – und veranstalten Workshops und VHS-Kurse übers Imkern, über zum Färben geeignete Pflanzen oder Gärtnern auf dem Balkon. Sie haben ein pädagogisches Programm, in dessen Rahmen Kochworkshops und Erlebnistage für Kinder angeboten werden und Schulklassen Gärten anlegen können.

„Ein Zehntel der Pachtbeete geben wir kostenfrei an soziale Einrichtungen ab“, so Geschäftsführer Lodes. Dieses Angebot nutzen zum Beispiel Wohngemeinschaften der Lebenshilfe und des Unionhilfswerks. „Morgens unterstützen uns häufig die Mitarbeiter des Förderbereichs der benachbarten Berliner Werkstätten für Behinderte.“ Kommunikationsbarrieren durch gemeinsames Gärtnern, Kochen und Essen zu überwinden, funktioniere wirklich gut, sagt Lodes.

„Tuml“ bedeutet so etwas wie „Remmidemmi“

So entstand auch die Idee für das neue Projekt „tuml“. Was das heißt? Es sei ein Akronym für „Teilhabe und Mitbestimmung leben“, erklärt Lodes. „Und es bedeutet im Jiddischen so viel wie Remmidemmi.“ Damit sollen Menschen mit und ohne Behinderung angesprochen werden. „An unserem tuml-Tag, der ab Mai jeden Samstag stattfindet, laden wir alle Interessierten ein, zu uns in den Garten zu kommen und gemeinsam zu werkeln, planen und picknicken.“ Erstes Projekt soll eine Nachbarschaftsküche unter freiem Himmel sein.

Felix Lodes ist 2014 zu himmelbeet gestoßen. Er absolvierte dort zwölf Monate lang einen Ökologischen Bundesfreiwilligendienst. Nach seinem Studium sowie verschiedenen Jobs und Praktika, unter anderem in Nicaragua und Mexiko, habe er auch in Deutschland etwas „in Richtung Umweltbildung machen“ wollen.

Dafür ist er bestens vorbereitet: Zunächst absolvierte der gebürtige Saarländer an der Berliner Humboldt-Uni ein Bachelorstudium in Gartenbauwissenschaften, später ein Masterprogramm in Integrated Natural Ressource Management. Außerdem ließ er sich an der Alice Salomon Hochschule zum Erlebnispädagogen ausbilden.

„Schon meine Eltern waren sehr öko-affin“, sagt er auf die Frage, woher sein Spaß am Engagement im Umweltbereich rührt. „Dass ich in diese Richtung gehen würde, war mir schon als Kind klar. Damals hatte ich vor, in die Fußstapfen des Tierfilmers Heinz Sielmann zu treten.“

Während des Studiums interessierte sich Felix Lodes dann vor allem für Entwicklungszusammenarbeit. „Aber letzten Endes fand ich es wenig überzeugend, mit viel Geld irgendwohin zu gehen, um befristete Projekte anzustoßen“, sagt er. „Viel spannender ist es doch, wenn etwas aus sich selbst heraus wächst – genau so, wie es jetzt bei himmelbeet ist.“

Projekte mit Behinderten liegen ihm am Herzen

Lodes interessiert sich sehr für soziale Aspekte, zum Beispiel treibt ihn die Frage um, wie wir möglichst selbstbestimmt leben können. Gerade deswegen liegen ihm Projekte besonders am Herzen, die er mit behinderten Menschen umsetzen kann.

Wo er sich in ein paar Jahren sieht, ist eine schwierige Frage für Felix Lodes. Nächste Woche werden er und seine Mitstreiter erst einmal außerhalb des himmelbeets aktiv: „Zusammen mit der Wohnungsbaugesellschaft degewo und Anwohnern in Gropiusstadt werden wir den Spatenstich für ein neues Gemeinschaftsgartenprojekt setzen.“

2017 läuft dann der Pachtvertrag für das Grundstück aus. Das Ende für den Gemeinschaftsgarten muss das nicht bedeuten. „Es gibt einen Münchner Verein, der auf unserer Fläche ein Jugendfußballzentrum errichten möchte“, erzählt Lodes. „Wir sind im Gespräch, ob das himmelbeet nach den Bauarbeiten auf das Dach der geplanten Turnhalle ziehen kann“, sagt er. Das würde der ursprünglichen Idee vom Beet in luftiger Höhe doch sehr entgegenkommen.

Die neue Saison im himmelbeet-Gemeinschaftsgarten beginnt am 2. April. Für den 9. April steht ein Frühlingsfest auf dem Programm. Info: www.himmelbeet.de