Etikette und Benimm

Business und Beziehungen beim Geschäftsessen pflegen

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Statt im Büro treffen sich Geschäftspartner häufig zu einem mehr oder weniger ungezwungenen Essen im Restaurant. Zunächst ist die Frage zu klären, wo es hingehen soll. Am besten wählt man ein möglichst zentral gelegenes Lokal und verzichtet auf Experimente – vor allem, wenn man die Vorlieben der anderen nicht kennt. Am besten wählen Sie ein Restaurant, das Sie schon als zuverlässig und angenehm kennengelernt haben.

Sind mehr als zwei Personen involviert, muss man sich Gedanken über eine Sitzordnung machen. Schließlich sollen auch die richtigen Menschen miteinander reden. Der Gastgeber sitzt normalerweise in der Mitte des Tisches, rechts von ihm – oder ihm gegenüber – sein wichtigster Gast. „Bei jedem Geschäftsessen wäre es ein Fauxpas, die Regie aus der Hand zu geben“, sagt Etikette-Trainerin Elisabeth Bonneau.

Die Sitzordnung bestimmen

„Man sollte einen Tisch reservieren, an dem möglichst wenige andere Gäste Ihre Gespräche mithören können. Bestimmen Sie die Plätze und weisen Sie Ihre Gäste freundlich, doch bestimmt ein.“ Gute Plätze sollten folgende Voraussetzungen erfüllen: „Sie selbst haben Blickkontakt zum Servicepersonal. Wichtige Gäste sitzen in Ihrer Nähe, auf keinen Fall mit dem Rücken zur Tür oder zum Lokal.“ Natürlich sollten Sie in jedem Fall vor Ihren Gästen im Lokal sein, um noch Korrekturen, etwa bei der Tischzuweisung anzubringen und letzte Detailabsprachen zu treffen.

Die wirklich heiklen Situationen entstehen beim Essen selbst. Schmatzen und Schlürfen sind in Gesellschaft selbstverständlich tabu. Zumindest in Europa. Das dürfte ein jeder inzwischen verinnerlicht haben. Dass man auch nicht mit Gabel oder Messer herumgestikulieren sollte, hat sich indes noch nicht überall herumgesprochen.

Das Besteck elegant halten

„Während der Unterhaltung gehört das Besteck auf den Tisch“, sagt Etikette-Trainerin Agnes Jarosch. Aber auch der Gebrauch des Essbestecks geht vielen nicht leicht von der Hand. In welcher Reihenfolge benutzt man noch einmal das Besteck? Und wie legt man es nach dem Essen ab?

Das Besteck sollte einigermaßen elegant zur Hand genommen werden. „Mancher umklammert die Gabel mit der ganzen Faust – wie es kleine Kinder machen“, sagt Jarosch. „Man sollte Messer und Gabel aber am unteren Ende mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger anfassen.“ Sind mehrere Gabeln und Messer eingedeckt, muss das Besteck von außen nach innen benutzt werden.

Auch die Haltung ist wichtig: Sich mit rundem Rücken über den Teller zu krümmen, sieht nicht gut aus, weiß Jarosch – und es gehört sich auch nicht. Bemühen Sie sich stattdessen um eine aufrechte Haltung. „Die Gabel muss zum Mund geführt werden und nicht umgekehrt.“

Nicht wild gestikulieren

Geht es beim Geschäftsessen um wichtige Themen, fängt mancher an, mit dem Besteck in der Hand zu gestikulieren. Schnell könne dann beim Gegenüber der Eindruck entstehen, man wolle ihn mit Messer und Gabel aufspießen, befürchtet Jarosch. Zumindest symbolisch. Sobald man merkt, dass man mit den Händen gestikuliert, sollte man das Besteck daher lieber aus der Hand legen. Auch hierfür gibt es übrigens Regeln: Wer das Besteck ablegt, so Jarosch, sollte keine Brücken bauen. Genau das passiere, wenn die Besteckspitze auf dem Tellerrand abgelegt wird und der Griff auf dem Tischtuch. Das gelte als unfein, so Jarosch. Das Besteck dürfe nicht mehr mit dem Tischtuch in Berührung kommen, wenn man es einmal aufgenommen hat. Wer fertig mit dem Essen ist, legt das Besteck auf Vier-Uhr-Stellung. Dann weiß der Kellner, dass er abräumen kann. Wer nicht fertig ist, kreuzt Messer und Gabel auf dem Teller.

Ein Business Lunch, der oft als Fortsetzung eines Arbeitstreffens bei Tisch genutzt wird, ist meist eine kurze, oft alkoholfreie Angelegenheit. Im Gegensatz dazu findet ein Geschäftsessen, das seinem Namen Ehre macht, meist am Abend statt und umfasst mindestens drei oder vier Gänge mit korrespondierenden Weinen. Hier geht es eher um Beziehungspflege, deshalb sind häufig die Ehepartner dabei. Da verbietet es sich ohnehin, über die Arbeit zu sprechen. Ausnahme: ein Sätzchen unter vier Augen beim Aperitif oder Kaffee.

Auch Gäste haben Pflichten

Sofern ein festes Menü vorbestellt ist, sollten Sie Ihren Gästen die Speisefolge erläutern. Noch ist Zeit Alternativen für Vegetarier oder Allergiker zu bestellen. Essen Sie à la carte sollten Sie Ihre Gäste über die Anzahl der geplanten Gänge informieren und eventuell bestimmte Speisen empfehlen. Die Aussage „Hier ist das Schnitzel so groß, da brauchen Sie vorher nichts und nachher nichts“ allerdings würde als klarer, doch nicht unbedingt gastfreundlicher Auftrag verstanden. „Zeigen Sie sich großzügig“, rät Elisabeth Bonneau.

In Absprache mit den Gästen sollten Sie die Getränke auswählen und bestellen. „Sind Sie kein Weinkenner, delegieren Sie die Empfehlung und Verkostung an Ihren Oberkellner“, sagt Bonneau. Der Ton macht die Musik, auch hier: „Steife und autoritäre Anweisungen mögen Gäste genauso wenig wie ein verzweifeltes ‚Was Sie wollen’.“

Rechnen Sie als Gastgeberin damit, dass Ihr Geschäftspartner weniger emanzipiert ist als Sie, dass er als Kavalier also etwa versuchen wird, Ihnen das Heft aus der Hand zu nehmen, und den Wein aussuchen, bestellen, die Rechnung übernehmen will. Lassen Sie ihn vordergründig gewähren. Geben Sie aber der Restaurantleitung diskret den Hinweis, dass Sie die Rechnung übernehmen. Ist der Kaffee bestellt, sagen Sie: „Sie entschuldigen mich kurz“ und zahlen, ohne dass Ihr Gast etwas davon bemerkt.

Übrigens haben auch Gäste Pflichten. „Spielen Sie mit, zeigen Sie sich kooperativ“, fordert Bonneau. „Gefällt Ihnen das Lokal nicht? Sie kommen ja nach ein paar Stunden wieder raus. Schmeckt Ihnen das Essen nicht? Freuen Sie sich auf ein Butterbrot daheim. Ihnen hat es nicht gefallen? Meckern Sie nicht. Einem eingeladenen Gast hat es immer gefallen!“