Scheitern mit Stil

Nur nicht aufgeben – Gestärkt aus der Krise hervorgehen

Nur wer sich etwas zutraut macht Fehler. Diese gilt es dann auszuhalten und nicht mehr zu wiederholen. Wie Sie Misserfolge besser verarbeiten und sogar daran wachsen können.

Foto: beyond/Chris Müller / picture-alliance / beyond/Chris

Manchmal ist nichts wie es sein sollte: Das Projekt in den Sand gesetzt, den Kunden verprellt, oder gar einen grandiosen Fehler fabriziert, der richtig ins Geld geht. Die meisten Manager und erst recht die Mitarbeiter fürchten nichts mehr als das. Doch Scheitern gehört zum Geschäft.

Denn das Scheitern liegt im Tun und im Entscheiden. Und das ist allemal besser, als den Kopf in den Sand zu stecken. Und sogar unvermeidbar, wenn man einer geregelten Arbeit nachgeht. Man stelle sich vor, keiner würde seine Aufgaben mehr anständig erledigen, nur weil das Risiko von Fehlern besteht.

Hindernisse machen uns groß

Dabei kann Scheitern sogar handfeste Vorteile haben. "Hindernisse machen uns groß", sagt die Trainerin und Beraterin Monika Gruhl. Sie hat sogar ein Buch geschrieben über jene Stehauf-Menschen, die gestärkt aus einer Krise hervorgehen (Die Strategie der Stehauf-Menschen – Krisen meistern mit Resilienz" (Kreuz Verlag).

Ebenso wie Christian Pongratz, Berater und Wirtschaftskabarettist: Scheitern mit Stil ist seine Mission. In seinem Buch "erfolgLOS – anleitungen.zum scheitern.mit stil" (durchdacht.cc) zeigt der Kärntner die wichtigsten Strategien auf, dem Erfolg auszuweichen. Er will seinen Lesern zu "nachhaltiger Erfolglosigkeit" im Berufsleben verhelfen. Dahinter steckt der Gedanke, falsche Strategien aufzuzeigen und den Leser so zum eigenen Denken (und Handeln) zu bringen. Erfolg ist zudem häufig umso grandioser, wenn ihm ein Scheitern oder Misserfolg vorausgeht. Ganz wie bei den Helden der Antike – oder auch bei Sportlern, die schon am Ende ihrer Karriere angekommen zu sein schienen und dann doch noch einmal ganz groß rauskommen.

Scheitern also ist eine Kunst – und das Wiederaufstehen danach die reinste (Erfolgs-) Strategie. Manche Personalprofis sind gar – ganz unbeeindruckt von der Statistik – der Ansicht, das die Wiederholungs-Gefahr sinkt, wenn einer schon mal so richtig Mist gebaut hat. Es gilt also, so Pongratz, "Fettnäpfchen anzuspringen", Kunden und Kollegen vor den Kopf zu stoßen und den Zeitpunkt des Untergangs geschickt selbst herbeizuführen. Bei Gruhl klingt das alles etwas entspannter: Für sie sind emotionale Stärke und "heitere Gelassenheit" die besten Voraussetzungen, um Krisen zu meistern und gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Natürlich gehört auch ein lösungsorientiertes Verhalten mit einer entsprechend optimistischen Einstellung dazu. Innehalten, um neu zu denken und zu handeln. Bloß nicht passiv sein, lieber Verantwortung übernehmen und raus aus der Opferrolle!

Verantwortung übernehmen

Besondere Möglichkeiten bieten sich Pongratz zufolge im Büroalltag. So manche Schlangengrube stelle sich im Vergleich mit dem Großraumbüro als Erholungsoase dar. "Es geht um Macht und um Aufstiegsmöglichkeiten. Im Büro prallen vielerlei Stilrichtungen aufeinander", sagt Pongratz. Jeder dürfe seine Strategie um den Platz an der Sonne ausprobieren. Und zwar unter nahezu idealen Bedingungen: "Die Türen sind geschlossen. Keiner darf hinaus – außer zur Fütterungszeit."

Auch die Themen im Büro seien die gleichen wie in der Wildnis. Es geht um: Zugang zu Ressourcen, Schaffung einer Rangordnung, Verteilung von Macht. Und es gebe viele Möglichkeiten, einander den Arbeitsalltag "interessanter" zu gestalten. Um frustriert, demotiviert und enttäuscht zu werden. Und mit der falschen inneren Einstellung immer schön am Ball zu bleiben. Auch sonst gibt es reichlich Potenzial, sich schlecht und als Versager zu fühlen: Betrachten Sie sich überkritisch. Werden Sie mutlos! Oder wenigstens gleichgültig und ignorant. Meist gibt es Kollegen oder oder sogar Chefs, denen Sie in diesem Punkt nacheifern können und die Sie in ihrem negativen Denken bestärken werden.

Jetzt kommen die Fehler ins Spiel. Man müsse einen Kollegen finden, der einen solchen begeht, oder am besten selbst aktiv werden. Sodann gilt es, Gras über die Sache wachsen zu lassen. Besonders geschickt sei es, die Verantwortung abzuschieben und den Fehler ausschließlich bei den anderen zu finden. Ganz nach dem bewährten Motto: Schuld sind immer die anderen! Man könne die Fehler weiter kultivieren und irgendwann, so Pongratz, komme es zwangsläufig zur Explosion und – im Idealfall – zum Untergang der Firma. Spätestens jetzt dürfte allen Beteiligten an dem Schlamassel aufgegangen sein: Da stimmt etwas nicht – und sie suchen ganz von alleine nach Wegen, den angeblichen Idealfall künftig zu vermeiden. Denn sie fangen jetzt an, nicht mehr nur für und an sich zu denken und Verantwortung zu übernehmen. Für sich und für das Ganze. Denn nur wenn man zusammenarbeitet und nicht gegeneinander, kann man Erfolg haben und letztlich auch seine Existenz sichern.

Wider Erwarten können zum Scheitern übrigens auch Coaches und Berater beitragen, etwa wenn sie Motivationstraining auf der Bühne mit viel Dampf und wenig Inhalt betreiben. Denn ein solches Coaching führe zwar dazu, dass man sich toll finde, hemme aber die Notwendigkeit sich zu ändern und die Dinge endlich anzupacken, so Pongratz. Wer wirklich etwas lernen will, sollte also auf echte Inhalte und Kompetenzen achten. Selbiges gilt für Freunde, die jede Menge Tipps und vermeintlich gute Ideen für den Aufstieg auf der Karriereleiter geben, es aber selbst bezeichnender Weise nie bis nach oben geschafft haben.

Flexibel bleiben

Ein neues Phänomen will Pongratz zu guter Letzt ausgemacht haben: Eine ganz besondere Variante des Umgang mit Wunschzuständen, Erfolg und Realität. Gemeint ist die verbreitete Ansicht, dass die eigenen Vorstellungen und Interpretationen unbedingt die richtigen sein müssen. Eine Illusion, die darum so gefährlich ist, weil das Planen und Handeln schon im Ansatz nicht stimmt. Aber zurück zum Scheitern: Manchmal kann es helfen, sich beruflich oder örtlich zu verändern. Eine Fixierung engt gedanklich ein, bleiben Sie daher flexibel. Dabei sollte man seine Stärken gezielt einsetzen. "Wie hart es auch kommt, es geht vorbei", so Pongratz. Die Zukunft beinhaltet immer neue Chancen und Möglichkeiten.

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