Filmberufe

Dokumentarfilmerin mit Kunstanspruch

Auf dem Internationalen Frauenfilmfestival in Dortmund gab Tama Tobias-Macht mit ihren Dokumentarfilm „2000 m² mit Garten“ einen Einblick in das Leben der oberen Zehntausend. Die junge Filmemacherin studierte in Jerusalem und Köln.

Foto: Mariella lo Manto

Mit den Reaktionen des Publikums hat Tama Tobias-Macht nicht gerechnet. Weder auf dem Dokumentarfilmfestival in Duisburg, noch auf dem Internationalen Frauenfilmfestival in Dortmund, wo die 31-jährige Filmemacherin ihren Dokumentarfilm „2000 m² mit Garten“ präsentiert. Einige sind begeistert, andere skeptisch, manche wütend.

Dabei hat die junge Filmkünstlerin nichts anderes gemacht, als mit der Kamera in den Lebensraum zweier reicher Damen einzutauchen – in das 1912 erbaute Haus eines Sammlerinnenpaars, die ihre berühmten Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Ihre 2000 Quadratmeter große Privatvilla im exklusiven Kölner Stadtteil Marienburg ist gefüllt mit Kunst, gleicht einem Museum. Der weitläufige Garten einem Skulpturenpark. Hier leben und arbeiten die Frauen.

Tama Tobias-Macht dokumentiert diesen Ort in konzentrierten Bildern, ohne Kameraschwenks, ohne Filmmusik, die Protagonistinnen sprechen kaum, kein Erzähler erläutert, erklärt, kommentiert. Die Zuschauer haben Zeit, Kunstwerke von Künstlern wie Georg Baselitz, Hannah Höch, Rosemarie Trockel und Max Beckmann zu betrachten, die Angestellten zu beobachten, wie sie Gemälde und Skulpturen abstauben, die Haustechnik verwalten, das Schwimmbad säubern, Garten und Tiere pflegen. In einer Szene treffen sich die Kunstsammlerinnen mit ihren Freundinnen und spielen Bridge. Der Film, eine Prosa auf das Leben in Prunk und Fülle.

Gewohnheiten brechen

Einigen Zuschauern ist dies zu kritiklos. „Das Publikum kann eher mit Bildern von Menschen in armen Verhältnissen umgehen, bei denen sie Mitleid empfinden können. Mit Bildern aus dem Leben reicher Menschen haben sie Schwierigkeiten“, sagt Tama Tobias-Macht. „Meine Aufgabe als Künstlerin ist es jedoch, Gewohnheiten zu brechen“, fährt sie selbstbewusst fort.

Acht Monate hat sie recherchiert, insgesamt zehn Tage dauerten die Dreharbeiten. Sie schrieb das Buch, führte Regie, machte den Filmschnitt. Und holte bei allen Künstlern die Verwertungsrechte ein. Der Dokumentarfilm „2000 m² mit Garten“ ist ihre Abschlussarbeit an der Kunsthochschule Medien in Köln (KHM), ausgezeichnet mit dem Förderpreis für junge Künstler NRW in der Kategorie Film sowie dem Förderpreis des Büros für Gleichstellung der KHM. Seit ihrem Studienabschluss arbeitet Tama Tobias-Macht als Regisseurin, Cutterin, Fotografin und Künstlerin.

Geboren wird sie 1982 in Jerusalem. Als sie 16 ist, bekommt sie zum Geburtstag eine Fotokamera geschenkt, die sie fortan mit sich trägt, wie manch andere Frau ihre Handtasche. Folgerichtig nimmt sie 2003 das Studium der Fotografie an der Bezalel Akademie für Kunst und Design in Jerusalem auf. Als sie sich verliebt, bricht sie 2005 ihr Studium ab und geht nach Deutschland.

Beruf und Familie

Köln wird ihre zweite Heimat, an der KHM will sie ihre Ausbildung fortsetzen. „Im Grundstudium hatte ich Zeit, viel auszuprobieren“, erzählt sie. „Und da habe ich den Dokumentarfilm für mich entdeckt.“ Er bietet ihr die Möglichkeit, sich vielschichtiger auszudrücken. Ihre Abschlussarbeit trägt jedoch die Handschrift einer Fotografin. „Dieser Film ist für mich eine Synthese dessen, was ich bisher gemacht habe.“

Doch ist es nicht schwer, gerade mit Dokumentarfilm, seine Karriere zu starten? Sind es nicht die großen Erzählungen, die die Kinokassen zum Klingen bringen und Geld in die Taschen der Filmemacherinnen und Filmemacher spülen? Tama Tobias-Macht schüttelt den Kopf. „Ich bin mir sicher, als Dokumentarfilmerin Geld verdienen zu können“, sagt die 31-Jährige. „Ich habe studiert. Wenn ich arbeite, arbeite ich auf einem hohen Level und dafür kann ich auch angemessen bezahlt werden.“ Zurzeit verdient sie ihr Geld als Cutterin und leitet an einem Gymnasium einen Kunstkurs. Zudem arbeitet sie an einem neuen, noch streng geheimen Dokumentarfilm-Projekt.

Auf dem Frauenfilmfestival in Dortmund ist Tama Tobias-Macht hochschwanger. Auch mit Kind will sie weiterarbeiten, ihre Karriere nicht aufgeben. Doch sie weiß, dass das in Deutschland schwierig ist. „In Israel gehen die Frauen viel früher wieder arbeiten“, sagt sie. „Da funktioniert die Mischung Arbeit und Familie.“ Doch sie müsse auch keine berühmte Regisseurin werden, fährt sie fort und lacht. Sollte es passieren, umso besser. Wichtiger sei ihr jedoch, die richtige Balance im Leben zu haben – Karriere, Familie, Freizeit, Hobbys. Doch wo will sie später einmal leben? In Deutschland oder Israel? Da ist sie offen. Sicher ist, dass sie immer mehrere Standbeine haben wird. In Köln und Jerusalem sowie in den Bereichen Film, Fotografie und Kunst.