Prüfungsstress

So lassen sich Klausuren gelassen meistern

Büffeln bis der Arzt kommt, das ist oftmals Uni-Alltag, gerade wenn Prüfungen drohen. Doch wichtiger als stundenlanges Lernen ist ein gutes Zeitmanagement, wissen Experten und haben noch einen besonderen Tipp.

Die Vorlesungszeit an Berliner Universitäten hat gerade erst begonnen. Viele Studierende starten mit guten Vorsätzen: Die Hektik, die sich spätestens Mitte des Semesters einstellen könnte, soll dieses Mal vermieden werden. Aber wie gelingt ein gelassener Umgang mit Prüfungen, Klausuren und Referaten? Viele beginnen zu spät mit den Vorbereitungen. Und dann stehen Überstunden an: 16 Stunden pro Tag am Schreibtisch. Schlafen und Freunde treffen kann man später schließlich auch noch. Doch wer seinen Körper wochenlang überfordert, darf sich nicht wundern, wenn in der entscheidenden Prüfung plötzlich gar nichts mehr geht. Entscheidend sind deshalb ein gutes Zeitmanagement und genug Entspannung.

Egal, wie hart es kommt: „Man muss sich selbst in einem guten Zustand halten. Selbstausbeutung zahlt sich am Ende nicht aus“, warnt Zeitmanagement-Coach Sigrid Engelbrecht aus Berlin. Doch das ist leichter gesagt als getan, wenn sich auf dem Schreibtisch Bücher und Handouts stapeln, die man noch lesen und lernen muss.

Gerade dann sollten Studenten sich die Zeit nehmen, um ihr Programm für die kommenden Wochen zu strukturieren, rät die Expertin. „Erstmal muss man Prioritäten setzen: Wo geht es um die meisten Credit Points? Wo muss ich vielleicht nicht ganz so perfekt vorbereitet sein?“ Als nächstes teilt man die Arbeit auf die verbleibenden Wochen auf, und zwar möglichst präzise mit konkreten Zielen für jeden Tag. „Aber bitte mit Augenmaß, sonst erlebt man nur Frust.“ Mit mehr als drei Themen pro Tag könne man sich kaum effektiv beschäftigen. „Das Wochenende sollte man bei der Planung erst mal frei lassen“, rät Engelbrecht. Ein oder besser zwei Tage sollte man haben, „um Spaß zu haben.“

Haben Studenten einen präzisen Arbeitsplan aufgestellt, falle es oft leichter, sich jeden Tag aufs Neue konzentriert an die Arbeit zu machen. Aber auch jetzt gelte es, Augenmaß zu bewahren. Regelmäßige Pausen seien alles andere als Zeitverschwendung, betont die Expertin. „Die Qualität der Gedanken wird nicht besser, wenn man stundenlang durchpowert.“ Jeder Mensch habe einen etwas anderen Rhythmus, aber ratsam sei es, alle eineinhalb Stunden für 15 bis 20 Minuten Pause zu machen. „Stellen Sie sich am besten einen Wecker.“ Um in solchen Pausen möglichst schnell den Kopf frei zu bekommen, seien Entspannungstechniken wie autogenes Training eine gute Hilfe, sagt Gabriele Bensberg von der psychologischen Beratungsstelle des Studentenwerks Mannheim. „Am besten lernt man sie im Rahmen eines Kurses über mehrere Wochen mit einem erfahrenen Leiter“

Aber es gibt auch Techniken, die schnell gehen, und die man nicht lange lernen muss. Etwa die „Handanspannung“: „Man legt beide Hände auf den Tisch, schiebt die Daumen darunter und spannt alle Finger an. Dabei versucht man, die Tischplatte regelrecht zusammenzupressen“, erklärt Bensberg. „Die Spannung hält man circa sieben Sekunden aufrecht, lockert dann die Muskulatur der Hand und lässt das Gefühl der Entspannung auf sich wirken. Zusätzlich kann man innerlich zu sich sagen: ’Ich bin ganz ruhig.’“ Das sei als Mini-Entspannungsübung schon sehr hilfreich.

Und noch etwas sollte man auf jeden Fall jeden Tag einplanen: Den Feierabend. Mehr als zehn Stunden Arbeitszeit pro Tag seien selten sinnvoll, betont Ingrid Heimbach von der psychologischen Beratungsstelle der Universität Siegen. Der Körper müsse Gedanken, Erfahrungen und Gelerntes erst einmal verdauen. „Und dafür braucht er Ruhe, Entspannung und viel Schlaf.“ Wer sich diese Zeit nicht nimmt, sei relativ schnell nicht mehr aufnahmefähig. Deshalb sei es in der Regel völlig kontraproduktiv, bis in die Puppen am Computer zu sitzen oder sich am Abend vor der Klausur noch stundenlang den Stoff in den Kopf zu hämmern.

Beratungsstellen

Wem trotz allem die Arbeit über den Kopf zu wachsen droht, der findet in den psychologischen Beratungsstellen der Universitäten Hilfe. Wenn eine Klausur die nächste jagt, dann geraten viele Bachelor- und Masterstudenten in einen regelrechten Teufelskreis von Leistungsdruck und Prüfungsstress, sagt die Psychologin Gabriele Bensberg. Spätestens, wenn man nicht mehr gut schläft, Herzrasen hat oder sein Interesse an Freunden und Hobbys verliert, werde es Zeit zu handeln, mahnt sie. Denn wer im Studium leistungsstark sein will, müsse auch Spaß am Leben haben. „Es hilft manchmal, sich sein Leben als eine Säulenhalle vorzustellen“, sagt Bensberg. Die Säulen stehen für Freunde, Partnerschaft, Studium, Familie, Gesundheit und Sport. „Wenn man sich auf nur eine Säule wie die Leistung im Studium stützt, ist das Bauwerk extrem einsturzgefährdet.“