Umfrage

Deutsche verzweifeln an hohen Mieten und Immobilienpreisen

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Karsten Seibel

Gerade in Berlin sind die Quadratmeterpreise gegenüber dem Vorjahr sprunghaft gestiegen. Grund für viele ihre Umzugspläne aufzugeben.

Die stetig steigenden Mieten und Immobilienpreise lassen viele Deutsche verzweifeln. Ein Viertel der Wohnungssuchenden hat den Traum von einem neuen Zuhause bereits begraben, in Großstädten liegt die Quote mit 39 Prozent sogar noch höher. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen TNS-Infratest-Umfrage im Auftrag des Stuttgarter Finanzdienstleisters Wüstenrot&Württembergische (W&W).

Wer die Immobilienportale im Internet oder auch die Anzeigen in der Zeitung durchsucht, muss immer häufiger feststellen, dass die eigenen Preisvorstellungen und die des Anbieters weit auseinander liegen. Und die Verhandlungsbereitschaft auf der Gegenseite ist meistens sehr gering. Zu hoch ist die Nachfrage, zu groß der Andrang bei den Besichtigungsterminen.

Allein im vergangenen Jahr stiegen die Mieten und Preise für Wohnimmobilien im Durchschnitt um 4,7 Prozent. Laut des BulwienGesa-Immobilienindex zogen die Kaufpreise für Eigentumswohnungen sogar um 7,3 Prozent an. In Großstädten wie München, Frankfurt und Hamburg sind Quadratmeterpreise von 3000 Euro keine Seltenheit mehr. Zweistellige Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahr finden sich selbst in Berlin.

Sprunghafter Anstieg in Berlin

Ähnliches gilt für die Durchschnittsmieten in diesen Städten. Gerade in Berlin und Frankfurt sind die Quadratmeterpreise gegenüber dem Vorjahr zuletzt sprunghaft gestiegen. Frankfurt mit seinen Banken und dem Flughafen folgte im ersten Quartal München in die Gruppe jener Städte, in denen Vermieter im Durchschnitt bereits mehr als zehn Euro pro Quadratmeter verlangen. Eine Entwicklung, die besonders deutlich in Ballungsgebieten mit einer hohen Zahl von Zuwanderern zu erkennen ist. Mittlerweile wendet jeder Bundesbürger im Mittel ein Drittel seines Haushaltsnettoeinkommens für die Wohnung auf – ob für die Warmmiete oder zur Finanzierung einer Immobilie. Bei unteren Einkommensgruppen sind es sogar schnell mehr als 40 Prozent. Das passende Objekt zu finden, stellt sich deshalb auch häufig als langwierig heraus, wenn nicht sogar als unmöglich. Fast jeder dritte Bundesbürger mit Umzugsplänen (32 Prozent) ist der Umfrage zufolge bereits seit mehr als einem halben Jahr auf der Suche, zwanzig Prozent schauen sich sogar schon seit mehr als einem Jahr um. 24 Prozent haben die Suche komplett eingestellt.

Interessante Ergebnisse liefert auch die TNS-Infratest-Umfrage bei der Frage nach dem Ort des Wunschobjekts. Kurz zusammengefasst: Städter wollen demnach lieber in der Stadt bleiben, Landbewohner in ihrer Idylle auf dem Land. Lediglich zwölf Prozent der Großstädter können sich vorstellen, auf dem Land zu leben, sie zieht es höchstens an den Stadtrand (43 Prozent). Von jenen, die derzeit auf dem Land wohnen, suchen 52 Prozent auch dort nach ihrem nächsten Zuhause. Wobei die Umzugsbereitschaft bei jüngeren Menschen zwischen 18 und 29 Jahren mit 74 Prozent am stärksten ausgeprägt ist. Aber auch Ältere sehen sich selbst durchaus als flexibel an: Jeder Vierte ab 60 Jahren kann sich noch einen Wohnortwechsel vorstellen.