Kleingedrucktes

Die Tücken der Schnäppchenjagd auf Gutscheinportalen

Gutschein-Portale locken mit teils sehr günstigen Preisen. Im Kleingedruckten sind allerdings manch hohe Kosten versteckt.

Ein Menü mit Hummer und Prosecco für zwei Personen gibt es für nur 24,90 Euro bei Dailydeal.de. Am selben Tag verspricht Groupon.de 87 Prozent Rabatt auf die Autoreparatur oder einen Ehrendoktortitel für 39 Euro. Angebotsalltag in der Welt der Gutscheinportale: Wer sich dort einmal als Nutzer eingetragen hat, muss sich an derartige Rabattfluten gewöhnen. Täglich hagelt es Informationen über Produkte, Veranstaltungen oder Reisen der Gutschein-Partnerunternehmen. Meistens beziehen sich die sogenannten Deals auf herkömmliche Leistungen von Unternehmen. Sie können aber auch speziell aufgestellte Angebote umfassen, beispielsweise ein Drei-Gänge-Menü, das sonst so nicht auf der Speisekarte zu finden ist.

Das Geschäft mit den Rabatten scheint gut zu laufen: Das US-Unternehmen Groupon kaufte im Mai 2010 die Berliner Plattform City Deal, die erst vier Monate zuvor gestartet war. Als Groupon im November vergangenen Jahres an die Börse ging, wurde es mit rund dreizehn Milliarden Dollar (zehn milliarden Euro) bewertet. Google kaufte im September das deutsche Portal Daily Deal, den größten Konkurrenten von Groupon in Deutschland. Geschätzter Preis: 150 Millionen Euro.

Auch viele kleinere Anbieter wollen auf dem Markt mitmischen: Ab-in-den-Urlaub.de verkauft Reisen, Superdeal bietet Schnäppchen in München an, Wergehthin.de in Berlin und Köln. Das Empfehlungsportal Qype ist dabei mit den Qypedeals. Und weil der Markt langsam unübersichtlich wird, hält Tagesangebot.de bereits eine Übersicht der jeweiligen Angebote parat.

Doch Verbraucherschützer warnen: Ganz so unproblematisch, wie sie aussieht, ist die Schnäppchenjagd auf Gutscheinportalen nicht. Einige Fallstricke muss der Kunde beachten, um von den Schnäppchengeschäften wirklich zu profitieren.

Vorsicht vor unliebsamen Überraschungen

Oberste Regel sei, das Angebot genau durchzulesen, bevor man einen Gutschein kaufe, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn fast jeder Deal ist eingeschränkt: Das Gutscheinportal und das Partnerunternehmen legen nicht nur Preis, den Leistungsumfang und Mindestteilnehmerzahl fest, sie bestimmen auch exakte Konditionen, unter denen die Kunden ihren Gutschein einzulösen haben. Gerade in der Gastronomie sind fast immer Reservierungen nötig, oft werden die Wochenenden und Feiertage ausgenommen. Auch die Gültigkeitsdauer kann zur Falle werden. Anders als bei herkömmlichen Geschenkgutscheinen gebe es hier keine gesetzliche Mindestdauer von einem Jahr, sagt Tryba. So laufen einige Gutscheine schon nach wenigen Wochen oder sogar Tagen ab.

Produktgutscheine, die auf Bestellungen im Internet angerechnet werden, können unliebsame Überraschungen wie Versandkosten und Mindestbestellwerte enthalten. Am besten prüft der Kunde vorab also nicht nur die Gutscheinkonditionen, sondern auch das Partnerunternehmen, besonders dessen allgemeine Geschäftsbedingungen.

Das kann sich sogar richtig lohnen. Wer vergleicht, findet nämlich häufig bessere Angebote: Den Aktionstag beim Friseur, den Mengenrabatt im Schwimmbad, das Probetraining im Fitnessstudio. Und spart sich den Umweg über das Gutscheinportal. Die dort angepriesenen Rabatte sollten die Kunden zudem lieber nicht zu ernst nehmen. Mit den UVP- und Originalpreisen werde gerne getrickst, sagt Verbraucherschützer Tryba.

Teuer kann es sogar werden, wenn ein Sparfuchs bei Technikdeals nicht auf das Kleingedruckte achtet. „Da kann es passieren, dass man mit dem Handy-Deal auch gleich einen Zweijahresvertrag eingeht“, sagt Tryba. Richtig gefährlich können dagegen sämtliche medizinischen Behandlungen werden, die Verbraucherzentrale warnt dringend vor gesundheitlichen Risiken. Trotzdem schrecken die Portale nicht davor zurück, Brustvergrößerungen, Augenlasern oder andere operative Eingriffe als Schnäppchen zu verkaufen.

Höhere Gewalt

Kann ein Kunde seinen Gutschein wegen einer Panne beim Anbieter nicht einlösen, darf er in jedem Fall sein Geld zurückverlangen. Etwa wenn ein Partnerunternehmen die Nachfrage nicht bewältigen kann, wenn es geschlossen hat, in Insolvenz gegangen ist oder den Deal wegen höherer Gewalt nicht erfüllen kann. Das Portal muss dann einen Ersatzdeal oder die Rückerstattung des Kaufpreises anbieten.

Liegt die Schuld beim Kunden, weil er den Gutschein nicht innerhalb einer gesetzten Frist eingelöst hat, bleiben ihm drei Möglichkeiten. Er kann das Partnerunternehmen um Kulanz bitten, das Gutscheinportal um einen Ersatz bitten oder sich den Betrag für spätere Aktionen gutschreiben lassen. Hierfür darf das Portal allerdings Bearbeitungsgebühren von bis zu zehn Euro berechnen.

Beim Gutscheinkauf gilt übrigens dasselbe Widerrufsrecht wie bei anderen Internetgeschäften: Innerhalb von 14 Tagen und ohne Angabe von Gründen. Der Kunde bekommt dann sein Geld zurück. Hat er den Gutschein noch nicht erhalten, kann er den Kauf einfach stornieren. Bei Problemen kann es sich lohnen, die Servicenummern und -E-Mail-Adressen der Gutscheinportale zu kontaktieren. Es herrscht eine gewisse Kulanz, der Verhandlungsspielraum ist groß.