Verbraucherministerium

Diese Regeln sollen für Regio-Lebensmittel gelten

Lebensmittel aus der Region werden bei den Deutschen immer beliebter. Doch ob das Produkt tatsächlich aus der Nähe stammt, ist oft schwer zu überprüfen. Die Bundesregierung will nun für Klarheit sorgen.

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Kurze Transportwege schonen das Klima und versprechen zugleich mehr Frische. Daher bevorzugen inzwischen zwei Drittel der Verbraucher in Deutschland Lebensmittel aus der näheren Umgebung. Die Bundesregierung reagiert jetzt auf diesen Trend und schafft klare Regeln für eine Kennzeichnung solcher regionalen Produkte.

So soll die Hauptzutat für ein als regional gekennzeichnetes Lebensmittel zu 100 Prozent auch tatsächlich aus der Region stammen und mindestens 50 Prozent des Gesamtgewichts ausmachen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der SPD-Bundestagsfraktion hervor, die "Morgenpost Online“ vorliegt.

Noch bis Ende dieses Jahres soll ein Verein gegründet werden, der das neue Regionalkonzept erprobt und einführt. Die Definition, was als regional bezeichnet werden kann, reicht dabei von „kleiner als die Bundesrepublik Deutschland und größer als die kommunale Ebene“ und bleibt damit nach Ansicht von Elvira Drobinski-Weiß, der verbraucherpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, viel zu vage.

Das Regionalkonzept habe insgesamt zu „lasche“ Kriterien, kritisiert Drobinski-Weiß. Lokale Initiativen drohten erdrückt zu werden. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte Anfang des Jahres auf der „Grünen Woche“ in Berlin ein „Regionalfenster“ zur freiwilligen Kennzeichnung regionaler Lebensmittel vorgeschlagen.

Bundesweit haben Einzelhandel und Discounter den Trend zu Produkten aus der Region bereits erkannt und aufgegriffen. Die Angebote regionaler Handelsmarken reichen von „Unser Norden“ bis „Echt Bayrisch“. Die jeweiligen Anbieter legen dabei selbst fest, wie weit sie ihre Region definieren – ob als Kilometer-Radius um einen Ort, einen Regierungsbezirk oder einen Landkreis. Auch die Bundesländer bieten bereits Regionalsiegel an.

In dieser Vielfalt der Initiativen will Aigner nun für einheitliche Regeln sorgen. So sei eine Regionalkennzeichnung nur vertrauenswürdig, „wenn die Herkunft systematisch kontrolliert und dokumentiert wird“, heißt es in der Antwort auf die SPD-Anfrage. Es soll daher ein mehrstufiges Kontrollsystem eingeführt, die damit verbundenen Kosten und die Bürokratie aber möglichst niedrig gehalten werden.

Regelung für tierische Produkte unklar

Unklar ist indes noch, wie die Regionalkennzeichnung für tierische Produkte aussehen soll. Ort der Mast, Schlachtung und Verarbeitung müssten dabei berücksichtigt werden. Die Europäische Kommission will zur Kennzeichnung von Fleisch bis Ende 2013 entsprechende Vorschläge vorlegen, an denen sich Aigner mit ihrem „Regionalfenster“ orientieren will.

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber spricht mit Blick auf die neue Kennzeichnung von „Etikettenschwindel“. Lebensmittel könnten weiterhin über mehrere Hundert Kilometer transportiert werden. Das, so Kelber leiste der Verschwendung Vorschub. Mit jedem Kilometer steige das Risiko, dass Lebensmittel verderben. „Aigners Regionalfenster hilft nur der Industrie und den Discountern“, sagt Kelber. Fraglich ist indes auch, ob eine weitere Kennzeichnung den Verbrauchern die Kaufentscheidung tatsächlich erleichtert. Denn Brüssel hat auf EU-Ebene schon drei Kennzeichnungen für die Regionalität eingeführt.

Die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) etwa für den Allgäuer Bergkäse oder die Diepholzer Moorschnucke sowie die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) für die Thüringer Rostbratwurst oder die Spreewälder Gurken. Für die Kategorie garantierte traditionelle Spezialität (g.t.S.) gibt es aus Deutschland bislang keine Meldung.