Rabattmarken

Gute Zeiten für Prämienjäger und Sparfüchse

Tausende Deutsche sammeln bei Super- oder Baumärkten Punkte, Herzen und Marken. Bei Ebay gibt es bereits einen großen Markt für die kleinen Aufkleber.

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Sammeln Sie unsere Punkte?“ Es ist eine Frage, die nicht mehr wegzudenken ist an der Kasse. Kaum ein Supermarkt, der heute nicht versucht, seine Stammkunden mit Treueaktionen, Klebepunkten, Marken oder Herzen zu belohnen – und zu binden.

Wer regelmäßig einkauft und fleißig sammelt, kann mit attraktiven Prämien rechnen . Inzwischen jedoch können auch Nichtkunden ohne große Mühe und für wenig Geld an die Belohnung gelangen. Auf der Internetauktionsplattform Ebay gibt es einen riesigen Markt für Treuepunkte aller Art. Massenweise werden sie angeboten – zum Schnäppchenpreis.

Ein Dampfbügeleisen der Marke Braun für 39,99 statt 59,99 Euro? Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen. Tut es aber: Die Ware ist originalverpackt, funktionstüchtig, hochwertig.

Die Währung allerdings, in der bezahlt wird, heißt nicht Euro, sondern Treuepunkt – für 30 dieser Punkte, aufgeklebt im Sammelheftchen, gibt es bei der Supermarktkette Rewe derzeit diverse Produkte der Markenhersteller Braun und Bassetti zum Vorteilspreis. Bügeleisen, Haartrockner, Rasierapparat, Elektrozahnbürste, Bettwäsche oder Steppbett – freie Auswahl für den Stammkunden, der pro Punkt für fünf Euro einkaufen muss.

Supermärkte können Online-Auktionen nicht verhindern

Bei Ebay werden inzwischen ganze Sammelheftchen gehandelt – geradezu inflationär: 30 Punkte gibt es dort für einen Euro plus Porto, 120 Punkte je nach Auktion gar für knapp 2,40 Euro. Die Sache ist legal, auch wenn es die Supermarktketten dies nicht gern sehen.

„Online-Versteigerungen sind von der Rewe-Group nicht erwünscht“, teilt Rewe-Kommunikationschef Andreas Krämer mit. Allerdings sind diese Auktionen auch nicht zu verhindern. Lediglich wenn es den Anschein gibt, dass die Punkte nicht rechtmäßig erworben wurden, geht Rewe dagegen vor. Das ist immer dann der Fall, wenn die Punkte gleich rollenweise verscherbelt werden. Ansonsten heißt es leben und leben lassen.

Denn: „Mit seinem Eigentum darf jeder tun, was er möchte“, sagt beispielsweise Jutta Meister von der Tengelmann-Gruppe. Rechtens ist das Verkaufen oder Verschenken von Treuepunkten allerdings erst, wenn sie einmal in den Besitz des Kunden übergegangen sind.

Ob dieser sie dann an den Hintermann an der Kasse verschenkt oder selbst einsteckt, ist seine Sache. „Ein Kassierer wird die Punkte nie aktiv dem nächsten Kunden anbieten, wenn sie abgelehnt werden“, heißt es bei Tengelmann. Wenn Kunden ihre Sammelherzchen schließlich verkaufen wollten und es dafür einen Markt gebe, „dann müssen wir damit leben“, sagt Meister.

Überprüfbar, woher die Punkte in den Heften stammen, ist es ohnehin nicht. Und das ist auch genau so gewollt. Die Übertragbarkeit von Punkten hat Rewe genauso wie Real, Tengelmann oder andere Supermarkt- oder Baumarktketten nicht ausgeschlossen. „Schließlich ist deren unbeschränkte Weitergabe beispielsweise an Kinder, Enkel, Freunde und Bekannte auch ein großer Vorteil der Sammel-Mechanik“, sagt Krämer.

Eine Personalisierung der Treuepunkte würde zwangsläufig eine Datenspeicherung beinhalten, und dies hält man weder bei Rewe noch bei anderen Lebensmittelhändlern derzeit für zweckmäßig. Damit liegen sie auf einer Linie mit Verbraucherschützern, die immer wieder datenschutzrechtliche Bedenken gegen personalisierte Rabatt- und Sammelkarten ins Feld führen.

Schnäppchenjäger lieben das Sammlertum

Aller Bedenken zum Trotz sammeln die Deutschen jedoch nach wie vor vorzugsweise Punkte über personalisierte Karten wie die von Payback, Deutschlandcard, Ikea oder Tchibo. Denn mit diesen Karten können direkte Preisnachlässe erzielt werden, mitunter sogar bei mehreren Firmen – und darauf haben es einer aktuellen Studie von TNS Emnid zufolge mehr als die Hälfte der Kartenbesitzer abgesehen. Den Preis dafür – die Datenfreigabe – allerdings schätzen Verbraucherschützer als zu hoch ein und empfehlen anonyme Rabattmarkensysteme.

Auch wenn die angebotenen Prämien nicht für jeden attraktiv und teilweise nur mit Zuzahlungen zu bekommen sind, so führt das anonyme Sammlertum zu einer echten Quelle für Schnäppchenjäger im Internet: Kaiser’s Tengelmann bietet derzeit Töpfe und Pfannen gegen Zuzahlung an, Real hat Schmuck im Angebot und Rewe punktet mit Elektrogeräten und Bettzeug.

Ob tatsächlich echte Schnäppchen zu machen sind, sollte jeder Interessent vorher überprüfen und Preise vergleichen, rät Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Per Preisvergleich im Internet sei dies problemlos möglich. Aufpassen müssen die Treupunktekäufer aber, für welche Aktion die Klebemarken angeboten werden: Nicht selten werden auch Aufkleber von abgelaufenen Prämienangeboten zur Auktion angeboten.

Über den Wert der Marken wird heftig gestritten

In einigen Internetforen wird auch bereits trefflich darüber gestritten, wie hochwertig die Prämien tatsächlich sind, selbst wenn sie von namhaften Markenherstellern stammen und ob es sich um Originalware handelt. Dass besonders bei Töpfen, Pfannen und Geschirr-Prämien billige B-Ware oder extra hergestellte Produkte minderer Qualität an die Kunden gebracht werden könnte, ist eine durchaus gängige Meinung.

In einer Stichprobe stellte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vor kurzem allerdings fest, dass die Preise der Zuzahlungsprämien kaum zu knacken sind. „Sowohl die Hersteller als auch die Märkte versichern, dass es sich bei den Produkten um Originalware handelt“, sagt Tryba.

Nur in Einzelfällen werde „speziell für das Treueprogramm produziert“, heißt es bei den Herstellern. „Da sind also für wenig Geld durchaus attraktive Sachen zu bekommen“, ist auch Verbraucherschützer Tryba überzeugt. Auch an der Rechtmäßigkeit des Verkaufs von Punkten hat er keinen Zweifel: „Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen geben das her“, sagt Tryba. „Und wenn es dafür einen Markt gibt: warum nicht?“