Schutz vor Inflation

Die Dividende ist die große Hoffnung der Sparer

Erstmals beteiligt Apple die Anleger wieder am Gewinn. Auch im Dax stehen lukrative Ausschüttungen bevor und Sparer rechnen mit hohen "Aktienzinsen".

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Diese Woche hat Apple eine neue Revolution gestartet. Dabei ging es nicht darum, wie wir künftig Musik hören, telefonieren oder arbeiten, sondern um die neue Art, Geld anzulegen. Der Technologiekonzern aus Kalifornien will einen Teil seiner Gewinne an die Aktionäre verteilen . Knappe zehn Milliarden Dollar Dividende (7,3 Milliarden Euro) soll es geben.

Damit beginnt eine neue Ära. Technologieunternehmen gehörten bislang nämlich nicht zu den großen Dividendenzahlern. Wenn aber nun der Gigant Apple umsteuert, ist das ein Signal für Unternehmen und Anleger.

Die Dividende ist das Anlagethema der Stunde. Statt wenig rentierlicher Bundesanleihen, Lebensversicherungen oder Festgeldern versprechen Investments in Firmengewinne, die Anlegern zugute kommen, bessere Aussichten.

Anders als mit herkömmlichen Sparprodukten können sich Anleger mit den Gewinnausschüttungen auch gegen Inflation wappnen. Und selbst Schwankungen an den Börsen lassen sich mit starken Dividendenzahlern besser ertragen. „Die Ausschüttung wird zum Thema für langfristig orientierte Anleger“, sagt Gunnar Cohrs von der Berenberg Bank. „Verglichen mit Anleihen punkten Aktien solider Konzerne immer häufiger.“

Der neue Megatrend kommt nicht von ungefähr. Herkömmliche Anlagen werfen nur noch Almosen ab, die Renditen liegen bei Sparprodukten oft unterhalb der Inflationsrate von 2,3 Prozent. Solche negativen Realzinsen sind gleichbedeutend mit Vermögensschwund. Und nichts spricht dafür, dass sich an dieser Situation so schnell etwas ändern wird. Die Notenbanken haben durchblicken lassen, an ihrer Nullzinspolitik noch geraume Zeit festzuhalten.

Der ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, sagt bereits eine längere Phase negativer Realzinsen voraus. Wer seinen Wohlstand sichern oder gar mehren will, muss sich nach einer neuen Renditequelle umschauen. Und hier kommt der Geldsegen der Firmen für Anleger ins Spiel. Tendenziell steigen die Unternehmensgewinne mit der Inflation – und damit auch die Dividenden.

Rückbesinnung auf die Aktie

In der vergangenen Dekade sind die Ausschüttungen in Europa sogar doppelt so stark gestiegen wie die Teuerung. „Angesichts der Inflationsrisiken sind Anleger besser in Aktien als in Anleihen aufgehoben“, sagt denn auch Investorenlegende Marc Faber.

Die Apple-Anleger-Revolution ist im gewissen Maße eine Rückbesinnung auf die Aktie als stetiger Renditebringer. Seit der Ostindischen Kompanie im 17. Jahrhundert schütten Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne an ihre Anteilseigner aus. Historisch gesehen tragen Dividenden zwischen 50 und 70 Prozent zur gesamten Wertentwicklung von Aktien bei. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Ausschüttungen angesichts der Kurskapriolen eine untergeordnete Rolle gespielt, aber nun wendet sich das Blatt.

Welches Potenzial dort schlummert, macht ein Vergleich zwischen dem Dax, der die Ausschüttungen berücksichtigt, und dem reinen Kurs-Dax ohne Dividenden deutlich. Dank dem Geldregen steht Ersterer seit Anfang 2008 mehr als 30 Prozentpunkte besser da. Und die Differenz dürfte sich eher noch ausweiten. Dividenden werden daher auch als die Zinsen von Aktien bezeichnet. Die können sich durchaus sehen lassen.

Weltweit werden die Börsenkonzerne 2012 umgerechnet 770 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten. Das ist mehr als die Schweiz oder Indonesien in einem Jahr an Gütern und Dienstleistungen erwirtschaften. Die größten Dividendenzahler haben ihren Sitz im Urland des Kapitalismus, den USA. So wird der Telefonriese AT&T umgerechnet rund 7,9 Milliarden Euro auskehren.

Auch der Ölmulti Exxon oder der Technologiekonzern General Electric beteiligen ihre „shareholder“ großzügig am Gewinn. Überraschend ist der Aufstieg von China. Jeder zweite Zahler in der Dividenden-Top-10 kommt aus dem Reich der Mitte, darunter die großen Banken, der Mobilfunk-Gigant China Mobile und das Energiekombinat PetroChina. Auch das spricht dafür, dass Dividenden ein universelles Anlagethema geworden sind, dem sich kein Konzern mehr wirklich entziehen kann.

Auch Dividendenstrategie hat Risiken

Deutschland rangiert bei den Ausschüttungssummen unter ferner liefen. „Lediglich“ 27 Milliarden Euro werden die 30 größten Konzerne des Deutschen Aktienindex an die Anleger überweisen. Der hiesige Dividenden-König, die Telekom, schafft es mit drei Milliarden Euro im globalen Ranking nur auf den 44. Platz. Abgeschlagen folgen Siemens, Daimler, BASF und E.on.

Bei den Renditen, und das ist die entscheidende Größe für Anleger, spielen hiesige Konzerne aber vorne mit. So lockt die T-Aktie mit einer Ausschüttung von 70 Cent. Bei einem Kurs von gut neun Euro entspricht das einer Dividendenrendite von 7,7 Prozent. Das ist fast dreimal mehr als zehnjährige Bundesanleihen abwerfen und doppelt so viel wie der beste Tagesgeldanbieter derzeit gutschreibt. Mit Ausnahme weniger Werte bieten die Dax-Titel eine höhere Verzinsung als Anleihen.

Das gilt nicht nur für Bundespapiere, auch im Vergleich mit Firmenbonds können Dividendenzahler punkten. So bietet eine fünfjährige Daimler-Anleihe zwei Prozent, die Aktien der Stuttgarter warten mit doppelt so viel auf.

Doch ganz ohne Risiken ist die Dividendenstrategie nicht. Fallen die Gewinne, kann auch rasch die Ausschüttung gekürzt oder ganz gestrichen werden. Gerade Halter von Banktiteln mussten diese Erfahrung seit der Finanzkrise machen. Und Aktien können natürlich im Wert fallen, wie zwei drastische Kursstürze binnen zehn Jahren klargemacht haben. Und so raten Experten zur Risikostreuung.

Statt einzelner Auszahlungsprotze sollten sich Anleger an Dividendenfonds halten. Doch hier existieren große Unterschiede zwischen den Produkten. Zu den besten Vehikeln zählten zuletzt global anlegende Fonds wie der DWS Top Dividende oder der M&G Global Dividend.

Auch Dividendenfonds sind inflationszertifiziert. Die Experten des Fondsanbieters Allianz Global Investors haben die Entwicklung solcher Produkte mit der Preisentwicklung verglichen. In fast allen Fällen bieten die Produkte einen guten Schutz.

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