Börsen-Bericht

China stoppt die Kursrallye am deutschen Aktienmarkt

Unter den deutschen Anlegern geht die Angst vor einer Abkühlung der chinesischen Konjunktur um. Der Dax fiel deutlich unter 7100 Punkte.

Angeführt von Kursverlusten bei den Autobauern hat der Dax nachgegeben. Spekulationen auf eine sinkende Nachfrage und eine Konjunkturabkühlung in China drückten BMW, Daimler und Volkswagen zwischen fünf und 4,4 Prozent ins Minus. Der deutsche Leitindex schloss 1,4 Prozent schwächer bei 7054,94 Punkten.

Der EuroStoxx50 gab 1,2 Prozent auf 2576 Zähler nach. An den US-Börsen ging es ebenfalls bergab. Dort konnten die gemischt ausgefallenen Daten vom US-Immobilienmarkt die Anleger nicht vollends überzeugen. Während im Februar die Zahl der Baubeginne in den USA sank, wurden zugleich so viele Baugenehmigungen erteilt wie seit Oktober 2008 nicht mehr.

Sowohl in den USA als auch in Europa ging die Furcht vor einer Abkühlung der chinesischen Wirtschaft um. Ein Beleg dafür seien die Aussagen von BHP Billiton, sagte ein Händler in Frankfurt. Der Bergbaugigant rechnet damit, dass die Nachfrage nach Eisenerz in der Volksrepublik nicht so stark wie zuletzt zulegt. Die BHP-Aktie gab daraufhin nach und schloss in London mit einem Abschlag von 4,1 Prozent. Die Titel von Rio Tinto verloren 4,2 Prozent. Auch im Dax gerieten jene Werte unter Druck, die besonders sensibel auf Konjunkturnachrichten reagieren: HeidelbergCement verloren 2,8 Prozent, ThyssenKrupp drei Prozent.

Die deutschen Auto-Aktien wurden neben den Meldungen um China auch von einer Hiobsbotschaft aus Russland ins Minus gedrückt. Der stellvertretende russische Industrie- und Handelsminister, Alexej Rachmanow, deutete an, dass die Autoverkäufe in diesem Jahr nur um sechs Prozent steigen könnten. Das wäre ein deutlicher Dämpfer, nachdem der Absatz in Russland im Januar und Februar um 23 Prozent gestiegen war.

Zudem rechnet der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge der chinesische Automobilverband nicht mehr damit, dass die Verkäufe 2012 wie gedacht um acht Prozent zulegen. Das Plus könne wegen der schwierigen Konjunktur sogar bei weniger als fünf Prozent liegen.

Metro setzt sich an die Dax-Spitze

Ein Händler betonte, dass nach der jüngsten Kursrally auch Gewinnmitnahmen eine große Rolle spielten. Der deutsche Leitindex hat seit Jahresbeginn gut 21 Prozent an Wert gewonnen. BMW und Daimler kommen auf ein Plus von knapp 40 Prozent, Volkswagen legten gut 20 Prozent zu. Nach dem starken Jahresauftakt sei nun Zeit für eine Konsolidierung, sagte ein Börsianer.

Auf der Gewinnerseite im Dax standen Metro. Die Aktien, die zunächst im Minus gestartet waren, setzten sich mit einem Plus von 0,9 Prozent an die Dax-Spitze. „Auf den zweiten Blick waren die Zahlen – vor allem von Media-Saturn im vierten Quartal – gar nicht so schlecht. Auch der Ausblick hätte schlimmer ausfallen können“, sagte ein Händler.

Der neue Vorstandschef Olaf Koch erwartet im laufenden Jahr stagnierende operative Erträge bei einem Anstieg des Umsatzes . Anderen Händlern zufolge gaben aber auch Spekulationen auf ein Wiederaufleben der Verkaufspläne für das ehemalige Sorgenkind Real den Papieren Auftrieb.

Ausgelöst wurde die Spekulationen durch das Ausscheiden des für die Supermarktkette zuständigen Vorstandes Joel Saveuse – der 59-jährige Franzose werde „im beiderseitigen Einvernehmen“ Ende März seine Ämter niederlegen, teilte Metro mit. Koch soll nun auch die Verantwortung für Real im Vorstand übernehmen.

Gefragt waren zudem die Aktien der Telekom, die sich um 0,5 Prozent verteuerten. Sie profitierten von einem Anziehen des europäischen Branchenindexes, der um 1,2 Prozent nach oben ging und vor allem von einem zweiprozentigen Kursplus der Vodafone -Papiere angeschoben wurde. Die Analysten von Morgan Stanley hatten die Titel von Vodafone zum Kauf empfohlen.