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Experten empfehlen Ankauf von Konsumgüter-Aktien

Die Auswahl der richtigen Aktien gewinnt im risikobelasteten Markt stark an Bedeutung. Auf diese Branchen sollten Indizes-Anleger setzen.

Foto: Infografik Welt Online

Die atemberaubende Rallye an den Aktienmärkten hat in der abgelaufenen Woche einen Dämpfer verpasst bekommen. Am Dienstag ging es mit den Kursen kräftig bergab. Zwar konnten sich die Indizes zum Wochenschluss wieder erholen, das Chartbild hat aber doch spürbare Kratzer erlitten.

Denn viele große Aktienbarometer sind zum wiederholten Male an runden und damit zumindest psychologisch wichtigen Kursmarken (7000 Punkte beim Dax oder 13.000 Punkte beim Dow Jones) gescheitert. Die Redakteure von „Wellenreiter Invest“ rechnen auch deshalb in den kommenden Monaten tendenziell nur mit einer Seitwärtsphase an den Aktienmärkten.

Auch aus fundamentaler Sicht drohen Risiken. Bei der DZ Bank wird mit Blick auf die „verlangsamte Konjunkturentwicklung“ vor schwachen Quartalszahlen im ersten Halbjahr gewarnt, vor allem bei zyklischen Unternehmen. Die Analysten empfehlen Anlegern deshalb, vorerst „Abstand von umfangreichen Aktienengagements zu nehmen“. Auf der anderen Seite steht durch die anhaltende Liquiditätsversorgung von EZB und Fed immer noch reichlich Kapital zur Verfügung, das nach Anlagemöglichkeiten sucht. Und je mehr die Konjunktur schwächelt, desto weiter werden die Notenbanken wohl den Geldhahn aufdrehen.

Für Anleger ist es deshalb wichtig zu analysieren, welchen Werte davon am ehesten profitieren dürften. Hilfreich kann dabei zum Beispiel ein Blick auf die verschiedenen Branchen sein. Die Strategen der DZ Bank wenden dafür ein spezielles Bewertungsmodell an, anhand dessen die europäischen Branchen-Indizes in „attraktiv“, „neutral“ und „unattraktiv“ eingestuft werden.

Demnach sind aktuell fünf Sektoren für Anleger interessant. Gerade aufgestiegen in diese Klasse ist die „Nahrungsmittel & Getränke“-Branche, deren Aktien aufgrund des erwarteten Gewinnwachstums von jeweils knapp zehn Prozent in den kommenden beiden Jahren eine Outperformance zum Gesamtmarkt zugetraut wird. Der entsprechende Branchen-Index wird zurzeit von Unilever, Anheuser-Busch Inbev und Danone dominiert. Der weltgrößte Braukonzern Anheuser-Busch Inbev (Beck’s, Hasseröder, Franziskaner) hat Anleger und Analysten gerade erst mit starken Zahlen und einer deutlich erhöhten Dividende überzeugt.

Bei den Versicherern („Insurance“) sieht die DZ Bank derzeit die höchste Gewinndynamik sowie gleichzeitig die niedrigste Bewertung im gesamten Euro-Stoxx, weshalb auch dieser Sektor als „attraktiv“ bezeichnet wird. Hier sind die Aktien der Allianz, der niederländischen ING Group sowie der französischen AXA die Schwergewichte.

Diese Branche zählt auch bei den „Mußler Briefen“ zu den aktuellen Favoriten. Die technischen Analysten verweisen bei dem Index auf den jüngst erfolgten Bruch des Abwärtstrends und das daraus resultierende Kaufsignal.

Konsumgüter weniger abhängig von Konjunkturflaute

Weitestgehend einig sind sich Charttechniker und Fundamental-Analysten auch bei den Konsum-Werten der „Konsumgüter & Haushaltswaren“-Branche (etwa Philips, Henkel, L’Oreal und Adidas). Die DZ Bank lobt neben den stabilen Gewinnschätzungen der Unternehmen auch die unterdurchschnittliche Abhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen.

Die „Mußler-Briefe“ verweisen auf die anhaltende relative Stärke des Branchen-Index und betonen, dass ein neues Hoch nach der laufenden Konsolidierung „vorprogrammiert“ sei. In Schwächephase sind Investments demnach sinnvoll.

Weniger euphorisch zeigen sich beide Lager von den Sektoren „Einzelhandel“ und „Telekommunikation“. Die Aktien der Handelskonzerne wie Inditex, Ahold, Carrefour oder Metro sind von der DZ Bank gerade auf „unattraktiv“ abgestuft worden, und von Seiten der Charttechnik gibt es zurzeit zumindest „keinen Handlungsbedarf auf der Long-Seite“.

Bei den europäischen Telekom-Aktien, die beim fundamentalen Bewertungsmodell ebenfalls auf „unattraktiv“ stehen, fällt vor allem die nachhaltige relative Schwäche auf. Als einziger Branchen-Index notiert der Sektor unterhalb der Crash-Tiefs des vergangenen Herbst.

Die „Mußler Briefe“ raten trotz des reduzierten Niveaus von einem Einstieg ab, bis der Abwärtstrend endlich durchbrochen wird. Dann jedoch sei die Branche eine „echte Neuentdeckung mit Nachholpotenzial“.

Auch die Analysten von M.M.Warburg haben vor einiger Zeit die Europa-Branchen analysiert und dabei speziell auf den Einfluss des Ölpreises geachtet. Sollte sich Rohöl auf dem nach Meinung der Strategen 15 bis 20 US-Dollar über dem fundamental gerechtfertigten Wert liegenden Niveau behaupten oder noch weiter steigen, müsse dies auch bei der Sektorauswahl berücksichtigt werden. Besonders gefährdet seien dann Automobil-, Chemie und Grundstoffwerte, die nach sechs bis neun Monaten den stärksten negativen Ergebniseffekt spüren dürften. Als Profiteur gilt hingegen der Sektor „Öl & Gas“, der unter anderem Aktien von Total, ENI und Repsol enthält und auch von der DZ Bank als „attraktiv“ eingestuft wird.

Fazit: Anleger können die Analysten-Empfehlungen für die verschiedenen europäischen Branchen-Indizes ganz konkret mit Hilfe von Indextrackern und Hebelprodukten (Long oder Short) umsetzen. Bei einer längeren Haltedauer sollte der Basiswert der Indexzertifikate aber immer der Total-Return-Index (inklusive Dividendenanrechnung) sein, um Performance-Nachteile zu vermeiden.