Börsen-Bericht

Dax-Anleger machen zum Wochenausklang Kasse

Die Marke von 7000 Punkten erweist sich als hohe Hürde. Die Geldschwemme der EZB beruhigt die Märkte. Sorgen bereitet allerdings Spanien.

Aktieninvestoren sind zum Wochenausklang in Europa auf Nummer sicher gegangen und haben Gewinne eingesteckt. Der Dax gab um 0,3 Prozent auf 6921 Zähler nach, der EuroStoxx50 verlor 0,1 Prozent auf 2546 Punkte.

An den US-Börsen war zum europäischen Handelsschluss kein eindeutiger Trend erkennbar. „Dass der Dax heute gefallen ist, ist kein Beinbruch“, sagte ein Händler in Frankfurt. „Wir konsolidieren auf hohem Niveau und bei diesen Kursen muss man auch die Kirche im Dorf lassen, wenn es mal nach unten geht.“

Auf Wochensicht beläuft sich das Plus im Dax denn auch auf 0,8 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte mit ihrem zweiten Geldspritze von fast 530 Milliarden Euro die Stimmung unter den Börsianern gehoben. „Wir hatten Spannungen im Interbankenmarkt und es gab die Befürchtung, dass die Banken sich selbst nicht mehr mit Geld versorgen könnten.

Die Maßnahmen der EZB haben dieses Risiko größtenteils reduziert“, sagte Klaus Wiener, Chefvolkswirt bei Generali Investments. Die europäischen Aktienmärkte hätten das Potenzial, in den kommenden sechs Monaten um rund fünf Prozent zu steigen. „Aber es ist trotzdem noch kein Markt für die Strategie 'Kaufen und Halten'.“ Wiener empfiehlt allerdings eine neutrale Position bei Bankaktien, weil es bereits eine Rally bei Finanztiteln gegeben habe. Der europäische Bankenindex legte am Freitag 0,6 Prozent zu und verbuchte auf Wochensicht ein Plus von 1,8 Prozent.

Börsianern zufolge schreckten die Anleger noch vor der psychologisch wichtigen Marke von 7000 Punkten im Dax zurück. „Wir stehen da wie das Kaninchen vor der Schlange“, sagte ein Händler. „Aber um über die 7000 Punkte zu kommen, brauchen wir richtig Volumen, und das gibt der Markt im Moment nicht her.“

Das viele Zentralbankgeld dürfte sich aber noch positiv im Markt bemerkbar machen. „Ich gehe davon aus, dass der ein oder andere Euro noch seinen Weg in den Markt findet und wir deshalb die 7000 Punkte in der nächsten Wochen nehmen werden“, sagte ein anderer Börsianer mit Blick auf den Dax.

Spanien-Defizit bereitet Sorgen

Für Unruhe sorgte die Nachricht, dass das spanische Haushaltsdefizit 2012 wohl noch höher ausfallen wird als bislang angenommen. Spanien peilt für 2012 nun ein Defizit von 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts an. „Das ist mehr als erwartet und sorgt für Unsicherheit“, sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Eigentlich wollte das Mittelmeerland das Defizit in diesem Jahr auf 4,4 Prozent senken. „Vor allem an einem Tag wie heute, an dem der Fiskalpakt gerade unter Dach und Fach ist, kommt eine solche Nachricht natürlich nicht gut an“, ergänzte Umlauf. Der von 25 der 27 EU-Länder unterzeichnete Fiskalpakt legt den Staaten strikte Sparvorgaben auf.

In Frankfurt zählten die Aktien der Commerzbank mit einem Plus von 1,2 Prozent zu den größten Gewinnern im Leitindex. Deutsche Bank retteten sich dagegen nur knapp in die Pluszone. Händler begründeten das neben dem schwachen Gesamtmarkt mit Unsicherheit wegen des geplatzten Vergleichs mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch.

Die Titel von Merck profitierten von einem Analystenkommentar: Die Deutsche Bank erhöhte das Kursziel für die Aktien des Pharma- und Spezialchemiekonzerns um neun auf 83 Euro. Die Titel gewannen daraufhin 2,6 Prozent auf 80,74 Euro und waren zum Handelsschluss damit Dax-Spitzenreiter. Das von Forschungsrückschlägen geplagte Unternehmen hat vor kurzem ein Sparpaket und einen weltweiten Stellenabbau angekündigt, um wieder mehr Schlagkraft zu gewinnen.

Auf der Dax-Verliererseite standen Metro mit einem Minus von 2,9 Prozent ganz oben. „Die Einzelhandelsumsätze zu Jahresbeginn waren ja alles andere als prickelnd, das färbt natürlich direkt auf Metro ab“, sagte ein Börsianer. Der Umsatz im deutschen Einzelhandel ist im Januar um ein Prozent gefallen - es ist bereits der dritte Rückgang in Folge.