Top 40

Hedgefonds-Manager verdienen trotz Krise Milliarden

Manager der kaum kontrollierten Hedgefonds verdienen deutlich mehr als die Chefs der Banken. Die Top 40 der Branche erhalten zehn Milliarden Euro.

Die führenden Hedgefonds-Manager haben trotz der Branchenkrise im vergangenen Jahr einer Umfrage zufolge Milliarden verdient. Die Top 40 der Branche nahmen zusammen umgerechnet rund zehn Milliarden Euro (13,2 Milliarden Dollar) mit nach Hause, wie eine Umfrage des Magazins „Forbes“ ergab.

Die zehn am besten bezahlten Spitzenkräfte kamen jeweils auf mehr als 150 Millionen Euro. Am unteren Rand waren es immerhin noch mindestens 30 Millionen Euro. Dabei musste die Branche eines ihrer schlechtesten Jahre überhaupt verkraften mit einem durchschnittlichen Wertverlust von fünf Prozent.

Großer Gewinner war 2011 Raymond Dalio. Der Chef der weltgrößten Hedgefonds-Firma Bridgewater Associates erwirtschaftete für seine Kunden 10,4 Milliarden Euro und bekam dafür ungefähr ein Fünftel des Gewinns.

Ihm folgte James Simons, Gründer von Renaissance Technologies, mit immerhin noch 1,6 Milliarden Euro. Einige Star-Manager wie etwa John Paulson oder Philip Falcone schafften es hingegen nicht in die Top 40. Der Spitzenverdiener unter den europäischen Hedgefonds-Managern war 2011 Alan Howard, Mitbegründer von Brevan Howard Asset Management. Er brachte 300 Millionen Euro mit nach Hause.

Die kaum regulierten Hedgefonds können das ihnen anvertraute Geld viel freie investieren als klassische Investmentfonds. Dennoch hat die Branche von den vergangenen vier Jahren zwei mit Verlusten abgeschlossen. Besonders hohe liefen im Finanzkrisenjahr 2008 auf.

Boni für Banker gekürzt

Die Krise auf den Finanzmärkten ist nun auch in den Taschen der Banker angekommen – zumindest laut Zahlen des Finanzamtes in New York. Die Beschäftigten im Weltfinanzzentrum hätten in dieser Bonus-Saison 19,7 Miliarden Dollar in bar kassiert. Das seien 14 Prozent weniger gewesen als im Vorjahr, erklärte New Yorks Finanzchef Thomas DiNapoli.

2010 hatte New Yorks Finanzadel noch 22,8 Milliarden Dollar in bar kassiert. „Die Cash-Boni sind 2011 gesunken und reflektieren damit ein schwieriges Jahr in der Finanzbranche“, sagte DiNapoli. Die Gewinne der Wall Street seien deutlich geschrumpft. Viele Finanzfirmen hätten Leute entlassen müssen. Alleine von April bis Dezember seien 4300 Jobs verloren gegangen. Insbesondere gegen Ende 2011 lief das Geschäft immer schlechter.

Fast alle großen Finanzhäuser wie die Deutsche Bank, Goldman Sachs oder Barclays Capital hatten bekannt gegeben, ihre Boni um mehrere zehntausend Dollar zu kürzen. Am Hungertuch müssen die Banker aber dennoch nicht nagen: Im Schnitt habe ein Beschäftigter an der Wall Street 121.150 Dollar an Cash-Boni erhalten (90.000 Euro), rechnete DiNapoli vor. Zahlen für das Gesamteinkommen, also inklusive Grundgehalt und Aktienboni, lägen noch nicht vor.

Kritik an den Bezügen

Allerdings sind die entscheidend. Ein großer Teil der Boni wird mittlerweile in Aktien ausgezahlt, die die Banker erst in einigen Jahren versilbern dürfen. „Ohne den Wert der Aktienoptionen sind die Zahlen wenig aussagekräftig“, sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke. Er habe eher den Eindruck, dass die Banken weiter kräftig Boni gewähren.

Die Kopplung der Bezüge soll verhindern, dass Banker zu hohe Risiken eingehen, um kurzfristig ihre Boni aufzubessern. Dies gilt als eine Ursache für die Entstehung der Finanzkrise. Laut vielen Experten ist die Kopplung der Bezüge an den Verlauf des Aktienkurses sinnvoll. Dem Finanzexperten Stefan Pichler von der Universität Wien gehen die Reformen aber nicht weit genug.

Bankeigentümer hätten immer einen Anreiz, die Bezüge so auszugestalten, dass ihre Mitarbeiter hohe Risiken eingingen. „Deshalb müssen Eigentümer stärker in Haftung genommen werden“, fordert er. Die Kopplung der Gehälter an den Verlauf des Aktienkurses könnte sogar zu der Gefahr führen, dass Banken den Aktienkurs an bestimmten Zeitpunkten zu manipulieren versuchen, weil just zu diesem Zeitpunkt ihre Aktienoptionen fällig würden.

In den vergangenen 20 Jahren spielten Boni für die Bezahlung von Top-Bankern eine immer wichtigere Rolle: Bekamen Banker 1985 noch zwei Milliarden Euro an Boni, waren es im Rekordjahr 2006 bereits 35 Milliarden Dollar. Im Jahr 2010 hatte ein Wall-Street-Banker insgesamt 361.180 Dollar verdient, und damit fast sechsmal so viel wie ein Durchschnittsangestellter in der Privatwirtschaft.

Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Zulagen in der Finanzbranche üppig: So gab der Autohersteller Audi bekannt, nach einem Rekordjahr auch Rekord-Boni an seine 45.000 Mitarbeiter ausschütten zu wollen – in Höhe von 8250 Euro.