Januar-Rallye

Börsen-Optimismus scheint fundierter als im Vorjahr

Seit Jahresbeginn steigen die Kurse an den Börsen kräftig. Auch im Vorjahr war das so. Doch dieses Mal gibt es bessere Gründe dafür.

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So klingt die Hoffnung: Commerzbank +38,7 Prozent, BMW +19 Prozent, Infineon +14,4 Prozent. Und das alles in weniger als vier Wochen. Seit Jahresbeginn herrscht an den Börsen ein fast schon rauschhafter Optimismus. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat seither rund sechs Prozent zugelegt – so viel legen Aktien normalerweise in einem ganzen Jahr zu. Sogar griechische Aktien erholten sich seit der Jahreswende um acht Prozent.

Das Fundament für diese Rallye legte die Europäische Zentralbank (EZB). Am 21. Dezember flutete sie die Märkte mit fast 500 Mrd. Euro, die sie an Europas Banken zu Niedrigstzinsen für drei Jahre verlieh. „Dadurch wurden die Karten neu gemischt“, sagt Jim O'Neill, Chef von Goldman Sachs Asset Management. Europas Probleme wurden damit zwar nicht gelöst. Aber die Stimmung hat sich seither drastisch gewandelt. Das Glas erscheint plötzlich wieder halb voll statt halb leer, die Optimisten haben wieder Oberwasser.

Hinzu kommt, dass sich die wirtschaftlichen Daten aufhellen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, der am Mittwoch erneut gestiegen ist, war da nur eines von vielen Signalen. Denn vor allem aus den USA kommen zunehmend bessere Nachrichten. Für Andrew Garthwaite, Chef-Anlagestratege bei der Credit Suisse, summieren sie sich inzwischen auf ein zu erwartendes Wirtschaftswachstum für die USA von 3,3 Prozent – wodurch es um die Hälfte höher läge als bislang von den Auguren erwartet. Die Rezession scheint damit schon vorbei, bevor sie richtig begonnen hat.

Und um die bessere Stimmung abzurunden, ändern nun auch die Aktienstrategen ihre Prognosen und Empfehlungen. Garthwaite ruft nun beispielsweise für den amerikanischen S&P-Index ein Kursziel von 1400 Punkten zum Jahresende aus, nachdem er ihm zuvor nur 1340 Zähler zugetraut hatte. Aktuell liegt er knapp über 1300. Andere, wie sein Kollege James Millard von der Skandia Investment Group, haben soeben die Aktienquote erhöht.

Doch bei all dem Optimismus, der neuerdings wieder in Mode ist, beschleicht manchen derzeit auch ein gewisses Déjà-vu-Gefühl. Denn exakt vor einem Jahr war die Situation praktisch identisch. Anfang Januar hatte damals ebenfalls die Stimmung gedreht, wobei der Ausgangspunkt für den Dax jedoch über 1000 Punkte höher lag als in diesem Jahr. In schnellen Schritten erholten sich dann die Indizes. Und auch damals legten selbst griechische Aktien in kurzer Zeit um 30 Prozent zu.

Mitte Februar war dann jedoch schon wieder Schluss mit der optimistischen Stimmung. Von da an ging es wieder abwärts, und als sich Mitte März die Dreifach-Katastrophe in Japan mit Erdbeben, Tsunami und der Kernschmelze in Fukushima ereignete, stürzten die Börsen-Barometer regelrecht ab. Die Jahresanfangs-Euphorie war letztlich eine Bullenfalle.

Ist dies nun erneut der Fall? Ob es auch in diesem Frühjahr zu einer Katastrophe kommt, kann natürlich niemand vorhersagen. Die Spannungen um den Iran und dessen Drohung mit einer Sperrung der Straße von Hormus sind aber immerhin ein Hinweis darauf, dass die geopolitischen Risiken nicht geringer geworden sind.

Die Rezession ist schon da, die Ausblicke werden besser

In einem Punkt herrscht jedoch ein wichtiger Unterschied zur Lage im Vorjahr. Denn die Kurse erholten sich damals nach Fukushima recht schnell wieder. Richtig abwärts ging es erst im August. Der Grund dafür war nicht etwa die Euro-Krise, auch wenn das heute in vielen Köpfen verankert ist. Die wahre Ursache für den Absturz war damals die Angst vor einer erneuten Rezession. Diese Rezession ist inzwischen eingetreten.

Das Gute daran ist: Während sie im Frühjahr vergangenen Jahres vor uns lag, sieht es nun danach aus, dass der Abschwung in Kürze überwunden ist oder vielleicht sogar schon hinter uns liegt. Auch wenn der anschließende konjunkturelle Aufschwung nicht allzu grandios ausfallen dürfte, so ist dies eben doch eine andere Lage als wenn eine Rezession bevorsteht wie 2011.

Hinzu kommt, dass sich der wirtschaftliche Ausblick nicht nur in den USA und Europa verbessert hat. Auch in den Schwellenländern ist die Lage heute eine ganz andere als vor einem Jahr. Damals kämpften diese durch die Bank mit immer schneller steigenden Preisen. Bestes Beispiel ist Indien. Dort lag die Inflationsrate im Januar 2011 bei 9,3 Prozent und stieg bis September weiter bis auf über zehn Prozent. Zur Bekämpfung des Preisauftriebs erhöhte die Zentralbank, ebenso wie viele andere Notenbanken der Schwellenländer, den Leitzins immer weiter.

EZB plant den nächsten Drei-Jahres-Tender

Diese Politik war erfolgreich. Inzwischen sank die Inflationsrate in Indien auf 7,5 Prozent und damit auf ein Zweijahrestief. Ganz ähnlich sieht es in fast allen Schwellenländern aus. Indien hat daher zuletzt die Mindestreserveanforderungen für die Banken wieder etwas gelockert, wodurch diese mehr Kredite vergeben können. Andere Länder haben sogar den Leitzins wieder gesenkt. Während sich die Schwellenländer vor einem Jahr also in einer Phase der geldpolitischen Straffung befanden, steht nun eher eine Zeit bevor, in der die Zügel etwas gelockert werden. Das stützt die Wirtschaft und die Aktienmärkte.

Schließlich hat ja auch die Europäische Zentralbank noch einiges im Köcher. Schon im Februar soll es einen zweiten Drei-Jahres-Tender geben. Für dieses Mal erwarten einige sogar, dass darüber mehr als eine Billion Euro in die Märkte gepumpt werden. Ob das alles langfristig gesund ist für die Wirtschaft, kann man hinterfragen. Kurzfristig muss das Geld aber irgendwohin. Und einiges davon dürfte sicher auch wieder den Weg an die Börse finden.

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