Börsen-Bericht

Griechisches Schuldendrama schickt Euro auf Irrfahrt

Die Anleger beobachten mit großer Nervosität den Verhandlungspoker um Griechenland. Der Euro geht auf Berg- und Talfahrt, der Dax sinkt.

Das Gezerre um eine Entschuldung Griechenlands hat den Euro auf Zickzack-Kurs geschickt. Die Gemeinschaftswährung legte auch angetrieben von guten Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone auf bis zu 1,3062 Dollar zu, gab am Mittag aber wieder all ihre Gewinne ab und notierte um die Marke von 1,30 Dollar.

Auch der Dax gab wegen der Unsicherheit in Griechenland 0,81 Prozent auf 6384 Punkte ab. In den vergangenen sechs Handelstagen hatte der deutsche Leitindex in der Spitze mehr als fünf Prozent zugelegt und den höchsten Stand seit Anfang August markiert. Der MDax verlor 0,90 Prozent auf 9764 Punkte, der TecDax sackte um 1,28 Prozent auf 739 Punkte ab.

Im Fokus der Anleger standen Meldungen rund um die Verhandlungen der Euro-Länder und Griechenlands mit privaten Gläubigern um einen Schuldenschnitt für das südeuropäische Land . Die Achilles-Ferse der Gespräche ist vor allem der Durchschnittszins für die 30-jährigen Papiere, die die Banken oder Versicherungen im Tausch erhalten. Laut Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker soll dieser Zins deutlich unter vier Prozent liegen. Für die Banken war dies bisher die Schmerzgrenze. Griechenland verhandelt bereits seit Wochen mit dem internationalen Bankenverband IIF über den Forderungsverzicht.

Die Gespräche standen bereits mehrmals vor dem Scheitern. „Ich gehe davon aus, dass eine Einigung erreicht wird, was für den Euro/Dollar-Kurs aber bereits eingepreist ist“, sagte Lauren Rosborough, Währungsstrategin bei Société Générale. Zudem hätten viele Anleger ihre Positionen für einen fallenden Euro nicht aufgegeben.

Spekulationen, dass nach Griechenland Portugal der nächste Pleite-Kandidat sein könnte, hielten den Euro-Kurs ebenfalls im Zaum. Rückenwind erhielt die Gemeinschaftswährung indes vom Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft im Euroraum, der im Januar überraschend um 2,1 auf 50,4 Punkte zulegte und damit Wachstum signalisierte.

Vielleicht seien einige Investoren zu pessimistisch eingestellt, was die Konjunktur im Währungsraum angehe, sagte Jane Foley, Währungsstrategin bei der Rabobank. Wie der Euro befand sich auch der Bund-Future auf Irrfahrt. Er schwankte zwischen 137,18 und 137,90 Punkten. Am Mittag notierte der Terminkontrakt 38 Ticks fester bei 137,82 Zählern.

Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte bei 1,953 Prozent. Dass Spanien bei einer Auktion 2,5 Milliarden Euro zu günstigeren Bedingungen als zuletzt einsammeln konnte, sorgte für keine großen Reaktionen unter Börsianern. Die Rendite für spanische Anleihen mit zehnjähriger Laufzeit stiegen leicht auf 5,227 Prozent.

Die Vorsicht der Bankenwelt angesichts der weiter schwelenden Schuldenkrise ließ sich auch einmal mehr am Geldmarkt ablesen: Die als „Angstkasse“ der Banken bezeichnete Einlagefazilität bei der Europäischen Zentralbank war mit rund 490 Milliarden Euro weiter enorm hoch.