Vince Cable

Britischer Minister will Manager-Boni kontrollieren

Vince Cable, britischer Wirtschaftsminister, stemmt sich gegen horrende Managervergütungen. Künftig sollen die Aktionäre mitbestimmen.

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Beim Thema Boni und Vorstandsgehälter geraten die Briten seit der Finanzkrise schnell in Rage. Die Wut ist verständlich. Schließlich darbt das ganze Land unter einem brutalen Sparprogramm, das so nicht nötig gewesen wäre, hätte die Regierung 2008 nicht Milliarden in die Rettung der heimischen Banken stecken müssen. Und während die Bankmanager schon wieder hohe Boni kassieren, stagniert die Wirtschaft auf der Insel.

Soweit die Gefechtslage, wegen der die Regierung dringend reagieren musste. Fast dreieinhalb Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise legte Wirtschaftsminister Vince Cable einen Reformvorschlag für die Managementvergütung vor.

Die Pläne betreffen alle Branchen, nicht nur die Banken. Cable sagte, den Bürgern sei nicht länger zuzumuten, dass Managementgehälter durchschnittlich fünfmal so schnell wachsen wie die Löhne normaler Angestellter. Die Höhe der Vorstandsgehälter sei „außer Kontrolle geraten“ in Großbritannien. Eine Reform sei daher dringend nötig.

Aktionäre sollen mitbestimmen

Als wichtigste Änderung will Cable den Aktionären mehr Mitbestimmungsrechte geben. Schon heute können Aktionäre auf der Hauptversammlung gegen die Gehaltspakete des Vorstands stimmen. Künftig soll ihr Veto jedoch rechtlich bindend für den Vorstand sein. Ebenfalls sollen die Anteilseigner auch über große Abfindungen scheidender Manager abstimmen können. Eine Klausel in Managerverträgen soll überdies garantieren, dass Manager ihre Boni bei schlechten Leistungen zurückzahlen müssen.

Um die Verflechtung zwischen Konzernen aufzubrechen, soll es Vorstandsmitgliedern von Unternehmen im Aktienindex FTSE 100 verboten sein, in den Vergütungsausschüssen anderer Konzerne zu sitzen. Ebenfalls plant Cable, die Vielfalt in Vorständen zu erhöhen: Mindestens zwei Mitglieder in Vorstand- und Aufsichtsrat dürften keine Erfahrungen als Vorstandsmitglied haben.

„Kein Vorschlag für sich ist ein Allheilmittel, aber zusammen können die Maßnahmen zu echten Veränderungen führen“, sagte Cable. Sein Reformpaket ist jedoch noch nicht beschlossene Sache. Die britische Regierung will in den kommenden Wochen über die Gesetzesänderungen beraten.

Cables Ideen wurden in Großbritannien mit gemischten Reaktionen aufgenommen. Während Unternehmerverbände und Investoren die Vorschläge begrüßten, kritisierte die oppositionelle Labour-Partei, die Reformen gingen nicht weit genug. Sie hatte gefordert, Unternehmen müssten das Verhältnis zwischen Vorstands- und Angestelltengehältern veröffentlichen. Auch wollte Labour Unternehmen dazu zwingen, mindestens einen Arbeitnehmervertreter im Vergütungsausschuss zuzulassen.

Sind die Reformen wirkungslos?

Einige Experten kritisierten den Kern der Reform – das Vetorecht der Aktionäre – als wirkungslos. Schon seit 2002 dürfen Aktionäre über Vergütungspakete bei britischen Hauptversammlungen abstimmen. Ihre Meinung hat jedoch bislang keine rechtliche Wirkung. „Es kommt nur sehr selten vor, dass Unternehmen die Abstimmung verlieren“, sagt Jon Dymond, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Hay Group. Es gäbe keinen Grund anzunehmen, das könnte sich bei einem bindenden Veto in Zukunft ändern.

Auch in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen, den Aktionären das letzte Wort bei der Vorstandsvergütung zu geben. Bislang ist das nicht der Fall. Hierzulande entscheidet der Aufsichtsrat über die Vorstandsgehälter. Als Kontrollorgan muss mindestens ein Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat sitzen. Ähnlich dem System in Großbritannien wurde in Deutschland vor zwei Jahren das so genannte konsultative Abstimmungsverfahren eingeführt.

„Dabei haben Aktionäre zwar die Möglichkeit ein Mal pro Jahr ihre Meinung zu dem aktuellen Vergütungssystem kundzutun, es ist jedoch kein verbindliches Votum, das den Aufsichtsrat zum Handeln zwingen würde“, sagt Olaf Lang, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Tower Watson. Als Protestmittel wird das Veto bislang selten genutzt: Im vergangenen Jahr lag die Zustimmung der Aktionäre bei den Dax-30-Konzernen meist bei über 90 Prozent.