Spitzengehälter

Das Ende der großen Wall-Street-Party

Die großen Wall-Street-Banken wie Goldman Sachs und Morgan Stanley machen weniger Gewinn. Entsprechend kleiner fallen die Boni aus.

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Für die Mitarbeiter der Investmentbank Goldman Sachs kam das böse Erwachen. Es war Zahltag. Die Summe, die für das vergangene Jahr in der Lohntüte steckte, sorgte bei so manchem Finanzjongleur für ein langes Gesicht. Vorbei die Zeiten, in denen die Investmentbanker so richtig absahnen konnten, in denen der Ferrari schon so gut wie bestellt war, und in der wilde Partys in den angesagten New Yorker Clubs gefeiert wurden.

Nach einem von Schuldenkrise, Finanzmarkt-Turbulenzen, einer dahin dümpelnden US-Wirtschaft und Rezessionsängsten geprägten Jahr müssen die Wall-Street-Banker den Gürtel enger schnallen. In den amerikanischen Medien war – nicht ganz ohne Häme – wahlweise von einem „Boni-Blutbad“ oder einem „Boni-Absturz“ die Rede. Und es könnte durchaus sein, dass es auf absehbare Zeit nicht wieder aufwärts geht.

Mitleid scheint jedoch unangebracht: Beim legendären Wall-Street-Haus Goldman Sachs bekommt jeder Mitarbeiter im Schnitt ein Jahresgehalt von 367.000 Dollar. Um die Enttäuschung vieler Banker zu verstehen, muss man sich aber die Bezahlung vor den Krisen anschauen. Für das Jahr 2006 konnte ein Goldman-Banker im Schnitt noch annähernd 622.000 Dollar einstreichen.

Bei der Konkurrenz sieht die Lage ähnlich aus. Ein Investmentbanker der größten US-Bank JP Morgan Chase bekommt fürs vergangene Jahr rein rechnerisch rund 342.000 Dollar. Für das Jahr 2010 hatte er noch 370.000 Dollar in seiner Lohntüte gefunden. Und das sind alles nur Durchschnittswerte: Ein hochdekorierter Veteran kann durchaus Millionen verdienen, ein Neuling frisch von der Uni muss sich im Vergleich dazu mit Krümeln begnügen.

In guten Zeiten hätte aber auch der Berufseinsteiger noch etliche Zehntausend Dollar Bonus eingestrichen. Doch die Welt der Hochfinanz hat sich seit der Finanzkrise 2008 kräftig gewandelt. Vor allem in den USA hat die Politik den Banken Zügel angelegt: Sie dürfen nicht mehr mit eigenem Geld spekulieren. Zudem müssen sie mehr Kapital auf die hohe Kante legen, um für Krisenfälle gewappnet zu sein. Das alles lässt weniger Raum zum Geldverdienen.

Die derzeitigen Marktverwerfungen sind da nur noch das i-Tüpfelchen. Der Gewinn von Goldman Sachs ist im vergangenen Jahr um 67 Prozent auf unterm Strich 2,5 Mrd. Dollar eingebrochen, der Rivale Morgan Stanley büßte um 42 Prozent auf 2,1 Mrd. Dollar ein. Zum Vergleich: Im zugegebenermaßen außergewöhnlich guten Jahr 2006 hatte Goldman Sachs 9,4 Mrd. Dollar verdient und damit seinen Ruf als profitabelstes aller Wall-Street-Häuser gefestigt.

Die Banker sehen sich zudem einem weiteren Problem gegenüber: Ein guter Teil der Boni wird nicht mehr bar ausgezahlt, sondern in Aktien, die die Mitarbeiter erst in einigen Jahren versilbern dürfen. Die Idee dahinter: Hält ein Banker Anteile, achtet er schon aus reinem Eigennutz darauf, dass es seinem Arbeitgeber langfristig gut geht. Das soll ungezügeltes Zocken verhindern und ist eine Lehre aus dem Zusammenbruch des Wall-Street-Riesen Lehman Brothers.

Doch es gibt auch Banken, die im vergangenen Jahr soviel verdient haben wie noch nie. Das waren allerdings Häuser, die ein starkes Privatkunden-Geschäft haben. So konnte die breit aufgestellte JP Morgan Chase ihren Gewinn um neun Prozent auf 19,0 Mrd. Dollar hochschrauben, Wells Fargo legte sogar um 28 Prozent auf 15,9 Mrd. Dollar zu. Noch mehr blühten die regionalen Anbieter wie die U.S. Bancorp oder Suntrust Financial auf.

Über Jahre schien das Geschäft mit John Doe – dem amerikanischen Otto-Normal-Verbraucher – langweilig und wenig einträglich. Dagegen lockte auf den internationalen Finanzmärkten das große Geld. Das hat sich dank eines wieder gut laufenden Kreditgeschäfts geändert. Seitdem die Arbeitslosigkeit nachlässt, zahlen die US-Hausbesitzer ihre Raten wieder zuverlässiger.

Von Gehältern wie an der Wall Street kann der einfache Banker auf dem Land aber nur träumen. Nach einer nicht repräsentativen Erhebung der amerikanischen Job-Website Glassdoor.com kommt ein Kassierer gerade mal auf 20.172 Dollar im Jahr und selbst ein Filialleiter geht im Schnitt nur mit 52.942 Dollar nach Hause. Ein Ferrari bleibt da ein frommer Wunsch.