Börsen-Bericht

Anleger stecken Commerzbank-Gewinne ein

Die Anleger halten vor dem Ende der Griechenland-Verhandlungen ihr Geld zusammen. Größter Dax-Gewinner sind Aktien der Commerzbank.

Am Ende einer Woche mit deutlichen Zuschlägen sind Aktieninvestoren auf Nummer sicher gegangen und haben Kasse gemacht. Im Fokus standen die Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen privaten Gläubigern um einen Schuldenschnitt.

Zwar gebe es durchaus Hoffnung, dass eine Einigung erzielt und dadurch eine Pleite des Mittelmeerstaates verhindert werde, sagten Händler. Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Monate hielten Anleger ihr Geld aber lieber zusammen und warteten ab. Der Dax gab 0,5 Prozent nach auf 6382 Zähler. Damit hat er auf Wochensicht immer noch 3,8 Prozent gewonnen, seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf gut acht Prozent.

„Es sind ja durchaus schon Vorschusslorbeeren verteilt worden“, sagte ein Börsianer mit Blick auf die Verhandlungen in Athen. „Aber man muss auch fragen: Selbst wenn sie eine Einigung hinbekommen – wie werden dann die Iren und die Portugiesen reagieren? Im Gegensatz zu Griechenland haben die ihre Hausaufgaben gemacht. Dann könnten die ja dann sagen, ’Wir wollen auch einen Schuldenschnitt’. Und was passiert dann?“

Bewegung in den Verhandlungen

Zuletzt war in die Verhandlungen nach Angaben der Gläubiger Bewegung gekommen. Die Diskussionen seien produktiv verlaufen, teilte der Bankenverband IIF am Donnerstagabend mit. Am Freitag sollten die Gespräche fortgesetzt werden. Für das Minus zum Wochenschluss machten Börsianer zum Teil auch den kleinen Verfall an den Terminmärkten verantwortlich, bei dem am Mittag Optionen auf Einzelaktien und Indizes verfallen.

Stabiler als der Gesamtmarkt hielten sich die europäischen Finanzwerte. Der Bankenindex lag 0,2 Prozent im Minus. In Frankfurt schafften die Titel der Commerzbank ein neuerliches Plus von mehr als acht Prozent und waren damit größter Dax-Gewinner. Am Vortag waren die Titel um 15 Prozent nach oben geschnellt, nachdem das Institut versichert hatte, es werde seine Kapitallücke ohne staatliche Hilfe und ohne Kapitalerhöhung schließen.

Beim jüngsten Stresstest durchgefallene Banken müssen im Laufe des Tages den nationalen Aufsichtsbehörden ihre Pläne vorlegen, wie sie eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen wollen. Zu den Banken mit den größten Kapitallöchern zählen die spanische Santander und die Unicredit. Deren Aktien gerieten mit einem Minus von einem beziehungsweise drei Prozent stärker unter Druck als der Sektor.

ThyssenKrupp unter Druck

Zu den größten Verlierern im Leitindex zählten die Aktien von ThyssenKrupp mit einem Minus von drei Prozent. Anleger kreiden dem Konzern seine glücklose Strategie in Amerika an. Vorstandschef Heinrich Hiesinger musste inzwischen einräumen, dass Gewinne bei den neuen Stahlwerken in Brasilien und den USA nicht absehbar seien.

Im TecDax gerieten die Solarwerte unter Druck. Centrotherm, SMA Solar und Solarworld verloren zwischen acht und sechs Prozent. Nach Angaben von Bundesumweltminister Norbert Röttgen soll die Solarstromförderung künftig monatlich gekürzt werden können.

Diese Maßnahme könnte Händlern zufolge die Nachfrage bremsen und den Preisdruck in der Branche erhöhen. „Wo bleibt denn bei so einem Vorgehen die Planungssicherheit für die Unternehmen?“, fragte ein anderer Börsianer. Die Papiere von Wacker Chemie rutschten um fünf Prozent ab und waren damit größter Verlierer im MDax. Der Konzern stellt das für die Produktion von Solarzellen benötigte Polysilizium her.