Börsen-Bericht

Dax schließt dank guter US-Bilanzen im Plus

Zahlen von Morgan Stanley und Bank of America besser als gedacht – Commerzbank will ohne Staatshilfe auskommen – Aktie schießt hoch.

Mit Erleichterung aufgenommene Geschäftzahlen der beiden US-Großbanken Morgan Stanley und Bank of America haben den europäischen Aktienmärkten Auftrieb gegeben.

Der unklare Ausgang der Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland sowie schwache US-Konjunkturdaten bremsten die Erholung allerdings. Ein Kursfeuerwerk brannte dagegen die Commerzbank ab. Das Institut will seine Kapitallücke ohne staatliche Hilfe und ohne eine Kapitalerhöhung schließen.

Der Dax beendete den Xetra-Handel ein Prozent im Plus bei 6416,26 Punkten. Der EuroStoxx50 legte sogar 1,8 Prozent auf 2434,32 Zähler zu. An der Wall Street notierte der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,2 Prozent fester bei 12.610 Punkten.

„Die Leute erwarten bald eine Einigung zwischen Griechenland und seinen Anleihe-Gläubigern“, betonte Aktienstratege Jeremy Batstone-Carr vom Brokerhaus Charles Stanley. Schließlich bedürfe es einiger Wochen, bis die Verträge unterschriftsreif seien. Sonst drohe dem Land die Zahlungsunfähigkeit. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos stellte die Klärung der meisten offenen Fragen bis Freitag in Aussicht.

Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit ihren privaten Gläubigern über die Details eines Programms, das einen freiwilligen Verzicht auf einen Teil der Forderungen vorsieht. Der Sanierungsbeitrag privater Investoren ist eine Bedingung für die Auszahlung weiterer Not-Kredite von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF).

Der Konjunkturindex der Federal Reserve Bank von Philadelphia blieb mit 7,3 Punkten hinter der Analystenprognose von 10,0 Zählern zurück. „Das Ergebnis konnte die Erwartungen, die durch den Index der New Yorker Fed geweckt wurden, nicht erfüllen“, sagte Volkswirt Sean Incremona vom Research-Haus 4Cast. Allerdings untermauere er die Aussicht auf eine langsame Erholung der US-Konjunktur.

Banktitel gefragt

Als Reaktion auf die Vorstellung der Pläne zur Stärkung der Kapitalbasis schossen Commerzbank-Titel bis zu 15 Prozent in die Höhe. Sie schlossen 14,8 Prozent im Plus bei 1,62 Euro. Rund 190 Millionen Papiere wechselten den Besitzer – etwa drei Mal so viel wie an einem Durchschnittstag.

Mehr als die Hälfte aller gehandelten Aktien von Dax-Unternehmen waren Commerzbank-Papiere . DZ-Bank-Analyst Christoph Bast wertete die Pläne des Instituts zur Stärkung der Kapitalbasis sehr positiv. Die Bilanzrisiken seien deutlich stärker reduziert worden als gedacht. Außerdem lägen die Gewinnziele für das erste Halbjahr 2012 wohl über den Markterwartungen.

Im Fahrwasser des Commerzbank-Kurssprungs zogen die Aktien des Großaktionärs Allianz um 4,2 Prozent auf 83,34 Euro an. Deutsche Bank gewannen 8,4 Prozent auf 32,48 Euro. Auch auf europäischer Ebene waren Finanzwerte gefragt. Der Bankenindex legte 6,1 Prozent zu.

An der Wall Street legten Bank of America und Morgan Stanley als Reaktion auf die Geschäftszahlen um fünf und sechs Prozent zu. „Bank of America hatte ein solides Quartal“, urteilte Finanzexperte Allerton Smith von Moody's Analytics. „Die Kapitalquoten sind gestiegen, die Liquidität ist besser und es gibt einen deutlichen Rückgang bei den Problem-Krediten.“

Peter Cardillio, Chef-Volkswirt bei Rockwell Global Capital, verwies darauf, dass der Verlust bei Morgan Stanley geringer ausgefallen sei als befürchtet. Gemeinsam mit den zuletzt ermutigenden US-Konjunkturdaten dränge dies die schlechten Nachrichten aus Europa zurück.

Zu den größten Dax-Gewinnern gesellten sich am frühen Nachmittag auch ThyssenKrupp, nachdem das „Manager Magazin“ berichtet hatte, der Stahlkonzern erwäge einen Verkauf der verlustreichen neuen Werke in den USA und Brasilien. Die Aktien stiegen 4,9 Prozent auf 20,95 Euro. Ein Sprecher wollte sich zu diesen Spekulationen nicht äußern und verwies auf die Hauptversammlung am Freitag.