Börsen-Bericht

Dax-Anleger halten sich wegen Griechenland zurück

Investoren hoffen auf Einigung in Gläubiger-Gesprächen – Commerzbank will ohne Staatshilfe auskommen – Aktie steigt

Der unklare Ausgang der Verhandlungen über einen Schuldenschnitt in Griechenland hat die Anleger am deutschen Aktienmarkt vorsichtig gestimmt. Der Dax lag mit 0,1 Prozent nur knapp im Plus bei 6358 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann 0,4 Prozent.

Die Investoren hofften, dass Griechenland möglichst bald eine Einigung mit den Banken erziele, weil sonst die Zeit knapp werde und die Staatspleite drohe, sagte Jeremy Batstone-Carr, Stratege bei Charles Stanley. Die griechische Regierung verhandelt seit Wochen mit ihren privaten Gläubigern über die Details eines Programms, das einen freiwilligen Verzicht auf einen Teil der Forderungen vorsieht. Die Beteiligung der privaten Investoren ist eine Bedingung für das zweite Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF).

Unter den Einzelwerten sorgte die Commerzbank für Aufsehen : Die Aktie schoss im Dax um bis zu 15 Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1,62 Euro. Das angeschlagene Finanzinstitut will seine Milliarden-Kapitallücke aus eigener Kraft schließen. Die Commerzbank brauche keine Hilfe des Staates und könne aller Voraussicht nach auch auf eine Kapitalerhöhung verzichten, sagte Vorstandschef Martin Blessing in Frankfurt. „Das hört sich alles viel besser an als erwartet“, sagte ein Händler. „Für die Aktie heißt das: viel Luft nach oben.“

Auch die Papiere der Deutschen Bank notierten im Sog der Commerzbank deutlich höher – sie gewannen gut fünf Prozent, der europäische Branchenindex legte um 2,7 Prozent zu.

Lufthansa kann punkten

Ebenfalls punkten konnte die Lufthansa, die sich nach einer Hochstufung durch die Analysten der HSBC um 3,1 Prozent verteuerten. Die Analysten setzten die Aktien auf „Overweight“ von „Neutral“ und erhöhten das Kursziel auf 12,50 von 11,50 Euro. Das Jahr sollte für alle europäischen Airlines schwierig werden, aber Lufthansa könnte noch mit die besten Karten haben, hieß es in einem Kommentar.

Verkauft wurden dagegen die Versorger: RWE und E.ON standen mit Abschlägen von 3,3 beziehungsweise 2,9 Prozent auf der Verliererliste im Dax ganz oben.

Im SDax machte Delticom von sich Reden. Die deutliche Steigerung bei Umsatz und Gewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr trieb die Papiere des Internet-Reifenhändlers um bis zu sieben Prozent auf 69 Euro in die Höhe. „Die Zahlen haben wirklich positiv überrascht“, urteilt Christian Ludwig, Analyst beim Bankhaus Lampe. Sie seien umso beeindruckender als das Winterreifen-Geschäft in dem für Delticom wichtigsten Markt Deutschland schwach gewesen sei.