Geldanlagen

China geht mit Elan ins Jahr des Drachen

Für die China-Anleger war 2011 eine Enttäuschung. Am Sonntag beginnt das Jahr des Drachen. Es verspricht Glück und Erfolg im Geschäft.

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Der Hase wurde doch noch seinem Ruf gerecht. Um 8,9 Prozent ist Chinas Wirtschaft im letzten Quartal 2011 gewachsen, wie am Dienstag bekannt wurde. Das war zwar der schwächste Wert seit zehn Quartalen, aber letztlich doch mehr als viele erwartet hatten. Das Jahr des Hasen, das für Glück und Harmonie steht, endet damit dieser Tage versöhnlich, nachdem in den Monaten zuvor hohe Inflation und die Angst vor einem Zusammenbrechen des Immobilienmarktes für heftige Turbulenzen gesorgt hatten.

Nun warten die Chinesen auf das Jahr des Drachen, das am Sonntag beginnt . Und sie tun dies mit freudiger Erwartung. Denn der Drache ist durchweg positiv belegt, symbolisiert Weisheit und Kraft, verspricht als Tier des Kaisers Glück und Erfolg, vor allem bei geschäftlichen Angelegenheiten. Daher werden in China in Drachen-Jahren auch stets bis zu fünf Prozent mehr Babys geboren als in anderen Jahren.

Viele hoffen diesmal aber zudem, dass der Drache auch die Aktienmärkte endlich wieder befeuert. Denn Chinas Börsen gehörten im abgelaufenen Jahr zu den schlechtesten weltweit. Die Kurse sanken auf breiter Front. Der Hongkonger Hang Seng Index büßte in den vergangenen zwölf Monaten beispielsweise rund 20 Prozent ein, der Dax dagegen verlor „nur“ 13 Prozent.

Die Hoffnung stützt sich dabei nicht nur auf das Fabeltier aus dem Tierkreis. Viel wichtiger dürfte sein, dass die Kommunistische Partei in diesem Jahr eine neue Führung kürt. Im Oktober oder November – einen genauen Termin gibt es noch nicht – wird ein neuer Vorsitzender gewählt, der dann automatisch auch Präsident der Volksrepublik wird. Parallel dazu wird ein neuer Premierminister ernannt. Das letzte, was die Führung im Vorfeld dieser wichtigen Entscheidungen gebrauchen könnte, wäre eine erlahmende Wirtschaft.

Daher ist ziemlich sicher, dass das Wachstum in diesem Jahr nicht weiter nachlassen wird. „Wachstum, Investitionen und Beschäftigung werden mit allen Mitteln gefördert“, sagt Christian Hofmann, Manager des FIVV China Fonds. Schwierige Reformprojekte würden dagegen hintan gestellt. „Im Ergebnis könnte die chinesische Wirtschaftsentwicklung leicht dynamischer ausfallen, als das aktuell noch vielerorts erwartet wird.“ Das könnte dann zu einem Überraschungseffekt führen, der wiederum auch die Börsen beflügeln dürfte.

Ein wichtiger Hebel, über den Chinas Führung die Wirtschaft steuern kann, ist dabei die Entwicklung der Bankkredite. Indem sie deren Wachstum 2011 deutlich verlangsamte, ließ sie erstmals Luft aus der Blase am Immobilienmarkt. Nun jedoch steigen die Kreditsummen bereits wieder etwas schneller.

Ein zweiter Hebel sind die Subventionen für Konsumausgaben. Diese wurden erstmals am Höhepunkt der Finanzkrise eingeführt – beispielsweise eine Art Abwrackprämie für Autos sowie Zuschüsse für Haushaltsanschaffungen in ländlichen Gebieten. Diese Förderungen sind inzwischen zwar ausgelaufen. Ein Sprecher des Handelsministeriums kündigte jedoch Anfang des Jahres an, dass neue Programme aufgelegt würden.

Damit will die Regierung nicht nur die Konjunktur stützen, sondern auch den Übergang zu einer stärker konsumgetriebenen Wirtschaft voranbringen. Denn nach wir vor legen die Chinesen den größten Teil ihrer Einkünfte auf die hohe Kante. Ziel ist es, dieses Geld verstärkt für den Konsum zu mobilisieren.

Zumindest in den kommenden Tagen dürfte dies auch geschehen. Denn dann fahren Hunderte Millionen Chinesen in ihre Heimatdörfer, um das neue Jahr zu feiern und Geschenke an die Familienangehörigen zu verteilen. Und vielleicht werden neun Monate später dann auch viele neue Drachen-Babys geboren. Dann dürfte wenigstens der Konsum im Bereich von Milchpulver, Windeln und Babykleidung deutlich steigen.

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