Börsen-Bericht

Europas Börsen haken S&P-Rundumschlag schnell ab

Die Börsen machen ihre Anfangsverluste wett. Der Dax dreht ins Plus. Die Aktie des "Costa Concordia"-Eigners Carnival rutscht heftig ab.

Die Anleger an den Finanzmärkten sind nach der Herabstufung der Bonitäts-Ratings mehrerer Euro-Staaten zügig zur Tagesordnung übergegangen. Die Aktienbörsen machten am Montag ihre Anfangsverluste bis zum Mittag wett, der Euro stabilisierte sich nach seinem Kursrutsch. „Die Herabstufung Frankreichs war allgemein erwartet worden“, sagte Andrew Wells, der beim Vermögensverwalter Fidelity die Anlage-Entscheidungen am Anleihemarkt verantwortet.

Schlimmer wäre es gewesen, wenn auch Deutschland seine Top-Note „AAA“ verloren hätte, sagte Wells. Allerdings heizte der Schritt der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) die Diskussion um die Zukunft des Rettungsfonds EFSF und seines Nachfolgers ESM an.

Der EuroStoxx50 lag nach anfänglichen Verlusten am Mittag fast unverändert bei 2338 Punkten. Gleiches galt für die Leitindizes der Aktienbörsen von Paris und Wien. Der Dax drehte sogar ins Plus und legte 0,4 Prozent auf 6172 Zähler zu. Sie alle hatten wegen der Spekulationen auf eine unmittelbar bevorstehende Herabstufungswelle am Freitag schon verloren. Die Futures auf die US-Indizes bewegten sich kaum, da die Wall Street am Montag feiertagsbedingt geschlossen blieb.

Der Euro kostete mit 1,2669 Dollar ungefähr so viel wie zum New Yorker Handelsschluss. Die Gemeinschaftswährung hatte am Freitag allerdings rund eineinhalb US-Cent eingebüßt. „Ich sehe für den Euro in den kommenden Wochen wenig Aufwärtspotenzial“, betonte Niels Christensen, Währungsstratege bei Nordea. „Es gibt noch immer zu viele Negativschlagzeilen und zu viele Unsicherheiten.“

Vor der mit Spannung erwarteten Emission französischer Anleihen hielt sich der Anstieg der Renditen und Risikoaufschläge (Spreads) der bereits gehandelten österreichischen, italienischen und spanischen Papiere in Grenzen. Nach Aussage von Händlern stützte allerdings die Europäische Zentralbank (EZB) die Kurse italienischer und spanischer Titel. Die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall dieser Staaten per Credit Default Swap (CDS) verteuerte sich leicht, teilte der Datenanbieter Markit mit. Ein erneuter Run auf Bundesanleihen blieb aus. Der Bund-Future hielt sich mit 139,90 Punkten in Reichweite seines Rekordhochs vom Freitag.

Bei den Unternehmen sorgte ein knapp 30-prozentiger Kurssturz der Carnival -Aktie für Aufsehen. Der Kreuzfahrt-Veranstalter ist der Eigner des vor Italien gekenterten Kreuzfahrtschiffs „Costa Concordia“. Carnival bleibt nach eigenen Angaben auf einem Schaden von 85 bis 95 Millionen Dollar sitzen, weil das Schiff voraussichtlich das ganze Jahr nicht einsetzbar sein werde. Die Hannover Rück kostet das Unglück mehr als zehn Millionen Euro. Die im Nebenwerte-Index gelisteten Aktien des weltweit drittgrößten Rückversicherers verloren 1,8 Prozent. Carnival-Konkurrent TUI-Travel notierte 3,2 Prozent fester, Die Aktie der Muttergesellschaft TUI gewann 0,2 Prozent.