Zertifikate

Die zweite Börsenliga hängt den Dax ab

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Thomas Koch

Foto: Infografik DWO

Der MDax hat sich langfristig besser geschlagen als der Leitindex Dax. Analysten rechnen 2012 mit Kurssprüngen bis zum Vier-Jahres-Hoch.

Deutsche Anleger blicken meistens auf den Dax. Zumindest diejenigen, die sich mit Aktien befassen . Das Kursbarometer, das die Performance der 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen widerspiegelt, wird deshalb auch als Leitindex bezeichnet und steht stellvertretend für die Entwicklung des deutschen Aktienmarktes. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Denn der Aktienmarkt umfasst hierzulande natürlich deutlich mehr als nur die 30 Dax-Werte, von denen viele den Großteil ihrer Erträge mittlerweile im Ausland generieren. Deutlich mehr Aussagekraft bezüglich der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland hat daher der MDax. Hier tummeln sich insgesamt 50 sogenannte Mid-Caps, also Unternehmen mittlerer Größe . Der Schwerpunkt liegt auf Konzernen aus klassischen Industrien wie der Chemie-, Konsum- oder Maschinenbaubranche.

Und deren Kurse entwickeln sich längst nicht immer so wie die im Dax notierten Titel. Auf Sicht von zehn Jahren haben die Nebenwerte zum Beispiel ein Plus von 120 Prozent verbucht, während der Dax lediglich auf einen Zuwachs von 20 Prozent kommt.

Ein Großteil dieser Outperformance wurde in den vergangenen knapp drei Jahren erzielt. Zwischen März 2009 und September 2011 entwickelte sich der MDax kontinuierlich besser als der Dax. Besonders stark war der Unterschied während des Crashs im vergangenen Sommer, als die mittelgroßen Werte deutlich weniger stark verloren als die Blue-Chips.

Im Anschluss an diesen Ausverkauf gelang dem Dax dann nicht nur absolut betrachtet, sondern auch relativ zum MDax eine schnelle und deutliche Erholung, bevor die beiden Indizes bis zum Jahresende nahezu parallel verliefen. Mit dem Start des neuen Börsenjahres zeigt sich nun aber wieder das gewohnte Bild der vergangenen Jahre.

Dax hinkt MDax hinterher

Denn obwohl der Dax in den ersten zwei Handelswochen leicht zulegen konnte, hinkt er dem MDax doch spürbar hinterher. Die Investoren greifen bei ihren ersten Investments also auch 2012 wieder vorrangig zu den Nebenwerten. Beim Index selbst hat das zur Folge, dass dieser nach Ansicht der Charttechniker von HSBC Trinkaus kurz vor dem Abschluss einer fünfmonatigen Bodenbildungsphase steht.

Bei einem nachhaltigen Überwinden der charttechnischen Widerstandszone um rund 9400 Punkte sehen die Analysten weiteres Anstiegspotenzial bis zu dem im Juli 2011 markierten Vier-Jahres-Hoch bei rund 11.260 Punkten. Das wäre ein Kursplus von knapp 18 Prozent.

Anleger, die nahezu eins zu eins an der Performance des MDax partizipieren wollen, können dies zum Beispiel über einfache Partizipations-Zertifikate (WKN: LBW4QT) oder die als Sondervermögen aufgelegten Exchange Traded Funds (ETF) tun (WKN: 593392). Für sehr risikofreudige Trader bieten sich zudem Hebelprodukte an, bei denen Gewinne und Verluste des Index überproportional stark auf die Performance durchschlagen. Bei einem sechsfach gehebelten Wave Call XXL der Deutschen Bank winkt bei Erreichen der Analysten-Zielmarke ungefähr eine Verdoppelung des eingesetzten Kapitals.

Ein Rutsch unter die Knock-out-Marke bei 8240 Punkten führt allerdings zum vorzeitigen Verfall sowie immensen Verlusten (WKN: DE7149). Die Charttechniker raten jedoch ohnehin, sich bei gut 8760 Punkten aktiv von etwaigen Beständen in MDax-Produkten zu trennen. Für alle, die mit etwas modifiziertem Risiko agieren wollen, bieten sich MDax-Investment mit Pufferfunktion an.

Ein Bonuszertifikat von Goldman Sachs garantiert am Ende der Laufzeit in gut elf Monaten einen Bonus von 11,3 Prozent, wenn der Index bis dahin nicht unter die Barriere von 7500 Punkten (21,6 Prozent Puffer) gefallen ist. Ansonsten orientiert sich die Rückzahlung an dem dann aktuellen Indexstand.

Da das Zertifikat zurzeit mit einem Aufschlag von gut drei Prozent gegenüber dem MDax gehandelt wird, hätte das leicht erhöhte Verluste zur Folge. Dafür gibt es neben der im Erfolgsfall gesicherten Bonusrendite aber auch eine unbegrenzte Partizipation an weiter steigenden Indexnotierungen, so dass bei einer nachhaltigen Kursrallye sogar noch deutlich höhere Gewinne möglich sind (WKN: GS4EXV). Eine – gerade im derzeit schwankungsfreudigen Umfeld – sehr interessante Alternative zu klassischen Bonusprodukten sind Pro Bonuszertifikate auf den MDax, von denen die Commerzbank eine breite Palette im Angebot hat.

Vorteil dieser Produktvariante ist, dass ein Unterschreiten der Barriere nicht automatisch zum Verlust des Bonusanspruchs führt. Stattdessen ist diese Kursmarke nur während eines bestimmten Zeitraums, in diesem Fall den letzten drei Monaten der Laufzeit, aktiviert. Fällt der Index vor Beginn dieser Drei-Monatsphase unter die Barriere, hat das keine negativen Folgen, solange er sich rechtzeitig wieder erholt.

Allerdings müssen Anleger dafür Abstriche in Form von höheren Aufgeldern und geringeren Renditen machen. Ein ebenfalls im Dezember fälliges Zertifikat bringt bei gut 13 Prozent Puffer (Barriere bei 8300 Punkten) einen Bonus von 9,5 Prozent. Das gut fünfprozentige Aufgeld führt dazu, dass Verluste wieder leicht überproportional ausfallen (zum Beispiel 43 Prozent bei einem Indexrückgang von 40 Prozent).

Zudem sind die Gewinnchancen zwar auch hier unbegrenzt, die Teilhabe an starken Kursanstiegen ist aber durch das Aufgeld noch stärker beeinträchtigt. Bei einem Indexplus von 50 Prozent beträgt der Gewinn daher „nur“ knapp 43 Prozent (WKN: CM9Y27).

Fazit: Die langfristig sehr gute Performance der deutschen Nebenwerte im MDax scheint sich 2012 fortzusetzen. Anleger können daran – je nach Risikoneigung – mit unterschiedlichen Produktformen direkt partizipieren.