Erbrecht

Steht den Eltern ein Pflichtteil vom Erbe zu?

Meine Tochter ist verwitwet und kinderlos. Ist es richtig, dass die Eltern einen Pflichtteilsanspruch besitzen und kann dieser eingeschränkt werden?

Antwort: Sie haben recht: Wenn Ihr Kind unverheiratet verstirbt und selbst keine Kinder hinterlässt, dann sind Sie als Eltern die gesetzlichen Erben. Werden Sie durch Testament enterbt, so haben Sie zum Ausgleich einen Pflichtteilsanspruch in Höhe der Hälfte Ihres gesetzlichen Erbteils. In Ihrem Fall bedeutet dies, dass beim Tod Ihrer Tochter sowohl Sie als auch Ihre Ehefrau einen Pflichtteil von einem Viertel beanspruchen können.

Einen Pflichtteil sieht das Gesetz nur für Ehegatten des Verstorbenen, Abkömmlinge und, wenn er kinderlos verstirbt, seine Eltern vor. Andere Personen haben nie einen Pflichtteil. Sollten also beim Tod Ihrer Tochter Sie oder Ihre Frau nicht mehr leben, so geht der jeweilige Pflichtteil nicht auf Ihre anderen Kinder über.

Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch: Der gesamte Nachlass wird bewertet, Verbindlichkeiten werden abgezogen, und aus dem Saldo erhält der Pflichtteilsberechtigte Geld in Höhe seiner Pflichtteilsquote. Damit der Pflichtteilsberechtigte seinen Zahlungsanspruch ermitteln kann, muss ihm der Erbe ein Nachlassverzeichnis vorlegen.

Der Pflichtteil kann durch Testament nur unter engen Voraussetzungen entzogen werden, etwa wenn der Pflichtteilsberechtigte schwere Straftaten begangen hat. Auch Beschränkungen sind nur in Ausnahmefällen möglich, bei jemandem etwa, der überschuldet ist. ( Anton Steiner, Fachanwalt für Erbrecht in München und Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht)