Zertifikate

So wappnen sich Anleger gegen kleine Kurseinbrüche

Zu Jahresbeginn kommt es meist zu kurzfristigen Einbrüchen an den Aktienmärkten. Anleger können mit Discount-Put-Zertifikaten auf diese Lage reagieren.

Foto: Infografik Welt Online

Die Aktienmärkte haben die gute Laune der letzten Handelstage 2011 mit ins neue Jahr gerettet.

Der Dax sprang am ersten Börsentag 2012 deutlich nach oben und knackte die Marke von 6000 Punkten. Das macht Mut und passt zu den überwiegend optimistischen Jahresprognosen von Analysten und Vermögensverwaltern. Nach dem enttäuschenden Vorjahr soll es ungeachtet aller Krisen nun wieder bergauf gehen. Ein Selbstläufer dürfte das aber nicht werden. Denn die Aussichten für die erste Jahreshälfte sind weniger rosig. Anleger sollten sich also erneut auf einen nervösen Markt mit vielen starken Schwankungen einstellen.

Die Kursrallye um den Jahreswechsel wurde von vergleichsweise positiven Konjunkturdaten, insbesondere aus den USA, flankiert. Hinzu kam, dass sich viele Portfoliomanager nach dem Abschluss des alten Jahres neu positioniert haben und traditionell zum Monatsanfang frisches Kapital in die Märkte floss. Ein Effekt, der aber nur kurzfristig hilft. Trotzdem erwarten die Banken für den Dax im Gesamtjahr ein knapp zweistelliges Kursplus. Ende 2012 soll der Index den meisten Analysten zufolge zwischen 6400 und 6600 Punkten stehen.

Die durchschnittliche Erwartung liegt bei 6533 Punkten. Knapp darunter verläuft bei aktuell gut 6430 Punkten der fallende 200-Tage-Durchschnitt, der von Charttechnikern gerne auch als Lebenslinie bezeichnet wird. Solange der Markt unterhalb dieser Linie liegt, ist die Grundrichtung abwärts gerichtet. Nicht nur deswegen verweisen die Analysten von HSBC Trinkaus in ihrem technischen Jahresausblick darauf, dass sich die großen internationalen Aktienmärkte immer noch in einem "intakten Bärenmarkt" befinden.

Unterstützt wird das durch die sogenannten Stimmungsindikatoren. Denn dem Optimismus der meisten Banken haben sich mittlerweile auch die Investoren angeschlossen. In den USA ist nach den jüngsten Umfragen der renommierten American Ascociation of Individual Investors (AAII) gut ein Drittel der Privatanleger für das nächste Halbjahr konstruktiv für Aktien gestimmt, während sich nur noch rund 28 Prozent skeptisch zeigen. Solche Barometer werden von Börsianern in der Regel als Kontra-Indikator betrachtet, was kurzfristig gegen eine Fortsetzung der Kursrallye sprechen würde.

Ein sowohl von HSBC Trinkaus als auch von "Wellenreiter Invest" favorisiertes Verlaufsszenario für das Gesamtjahr beinhaltet nach dem positiven Jahresstart noch einmal fallende Notierungen bis in den Frühsommer hinein. Erst nach einem Tief im Mai/Juni soll es an den Aktienmärkten dann wieder deutlicher bergauf gehen. Ein Verlauf, der perfekt zu der durchschnittlichen Entwicklung aller auf eine "2" endenden Jahre seit 1902 passen würde.

Da markierten die amerikanischen Aktienmärkte zumeist im März ein Hoch, auf das ein Kursrutsch bis Ende Juni folgte. Bis zum Jahresende wurden die Verluste dann meist wieder aufgeholt. Auch aus fundamentaler Sicht könnte das passen, wenn man davon ausgeht, dass sich die Schuldenkrise in Euroland in den kommenden Monaten erst noch einmal zuspitzt, bevor es dann eine endlich überzeugende Lösung gibt.

Verlaufsmuster aus den Vorjahren nur grobe Orientierung

Anleger, die dieses mögliche Verlaufsmuster als Basis für ihre Anlageentscheidungen nutzen wollen, sollten allerdings bedenken, dass es sich dabei immer nur um grobe Orientierungswerte handeln kann. Wann genau die mögliche Talfahrt beginnt, können auch Finanzprofis nicht seriös vorhersagen. Auffällig ist aber, dass die Anleger beim Dax in den vergangenen Jahren stets relativ frühzeitig die Segel strichen.

Im Jahr 2007 verlor der Index Anfang März innerhalb von nur knapp zwei Wochen acht Prozent an Wert. 2008 begann der Sturz unmittelbar nach dem Jahresauftakt. 2009 hielt die gute Laune ebenfalls nur ein paar Tage an, bevor es zu einer 20-Prozent-Talfahrt innerhalb von sechs Wochen kam. 2010 markierte der Index am 11. Januar sein vorläufiges Hoch und lag drei Wochen später knapp elf Prozent darunter. Und im Vorjahr fiel der Dax zwischen Mitte Februar und Mitte März um mehr als zwölf Prozent.

Alternative zu Short sind die Discount-Put-Zertifikate

Als interessante Alternative zur klassischen Short-Spekulation gelten in diesem Zusammenhang Discount-Put-Optionsscheine. Damit setzen Anleger tendenziell auf fallende Kurse, können bei defensiver Ausrichtung aber auch dann noch gutes Geld verdienen, wenn der Dax nicht an Wert verlieren sollte. Ein mit Fälligkeit im Juni perfekt zu dem angesprochenen Szenario passender Discount-Put der Commerzbank zahlt am Ende der Laufzeit einen Fixbetrag von fünf Euro, wenn der Dax dann nicht über 6200 Punkten steht.

Aktuell befindet sich der Index knapp unter dieser Marke, so dass schon ein Stillstand ausreichen würde, um diese Voraussetzung zu erfüllen. Für Anleger würde das einen Gewinn von rund 75 Prozent in gut fünf Monaten bedeuten. Mit jedem Punkt, den der Dax am Ende über dem Cap von 6200 Punkten schließt, reduziert sich die Auszahlung um einen Cent. Erst bei einem Anstieg über rund 6450 Punkte würde der Betrag damit unter den aktuellen Kurs des Scheins von knapp 2,50 Euro fallen. Liegt der Dax Mitte Juni auf oder über dem Basispreis von 6700 Punkten, verfällt der Discount-Put allerdings wertlos (WKN: CK2K0J).

Noch etwas mehr Puffer bieten Scheine mit einem höheren Basispreis und Cap. Bei einem Discount-Put der BNP Paribas darf im Juni sogar das Jahresziel der meisten Banken erreicht werden, ohne dass dies unmittelbar negative Folgen hätte. Solange der Dax am Bewertungstag nicht über 6600 Punkten steht, winkt hier ein Gewinn von immerhin gut 35 Prozent. Verluste drohen erst bei Ständen oberhalb von 6730 Punkten, der Totalverlust ab 7100 Punkten (WKN: BN90PV).

Fazit: Wenn die Analysten Recht behalten, wird 2012 ein positives Börsenjahr mit starken Kursschwankungen. In der ersten Jahreshälfte überwiegen demnach aber noch die Risiken. Anleger können darauf mit dem Kauf von Discount-Puts reagieren. Die bieten bei defensiver Ausrichtung den Vorteil, dass nicht nur bei fallenden, sondern auch bei moderat steigenden Kursen Gewinne erzielt werden. Die Gefahr des Totalverlustes besteht aber auch hier.