Neune Technik

Kontaktloses Bezahlen soll Schlangen vermeiden

Ein Funkchip in der Bankkarte soll das Bargeld verdrängen. Mitte April startet Pilotversuch bei Hannover mit dem Zahlen im "Vorbeigehen".

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Schon lange ist der Pilotversuch geplant, Mitte April soll er endlich starten: Mehr als eine Million Kunden von Sparkassen und Genossenschaftsbanken können dann im Raum Hannover, Braunschweig, Wolfsburg kleinere Einkäufe kontaktlos bezahlen – ohne PIN-Eingabe oder Unterschrift. Bei Beträgen bis zu 20 Euro muss die Bankkarte nicht mehr eingeschoben werden, es reicht, die Karte wenige Zentimeter vor das Kassenterminal zu halten.

Möglich machen dies neue Bankkarten mit eingebauter Antenne . Near Field Communication, kurz NFC, heißt die Technik für den Informationsaustausch zwischen Karte und Kasse. Wobei es keine Rolle spielt, wo der Chip eingebaut ist. Die ersten Smartphone-Hersteller rüsten ihre Geräte ebenfalls mit der Funktechnik aus.

Der Pilotversuch der Kreditwirtschaft ist auch als Reaktion auf Initiativen von Internetkonzernen und Kreditkartenunternehmen zu verstehen. Mastercard und Visa bieten bereits seit längerem das „Zahlen im Vorbeigehen“ an. Google sorgte mit seinem digitalen Bezahlsystem Google Wallet im Vorjahr für Schlagzeilen.

Mehrzahl der Kunden zahlt bar

Die bisherige Zurückhaltung der Kreditinstitute liegt auch daran, dass sich viele Verbraucher hierzulande auch nach vielen Jahren nicht einmal an die klassische EC-Karte gewöhnt haben, 60 Prozent der Einkäufe werden immer noch bar beglichen. In asiatischen Metropolen könnte ohne eine Funkkarte dagegen längst niemand mehr Bahn fahren.

Für den Pilotversuch geben die Sparkassen 1,2 Millionen der neuen Karten aus, Genossenschaftsbanken beschränken sich auf 150.000 Karten. Von den privaten Banken, ob Commerzbank oder Deutsche Bank, will zunächst keine ihre Kunden mit den neuen Karten ausstatten. Sie warten erst einmal die Ergebnisse des einjährigen Piloten ab.

Die Karten sind das eine, die Terminals im Handel das andere – dies mussten auch schon die Kreditkartenunternehmen feststellen, die ihren Kunden bislang kaum Anlaufstellen für ihre Karten nennen können. Die Pilotkarten der Banken sollen unter anderem in Edeka-Läden, an Esso-Tankstellen und bei der Drogeriekette Douglas, inklusive der Töchter Thalia (Buchhandel), Hussel (Süßwaren) und Appeltrath-Cüpper (Mode) funktionieren, zumindest im Raum Hannover.

Einsparungen beim Personal

Die für den Kunden kostenlose Technik führt laut Experten zu geringeren Schlangen an den Kassen. Die Hoffnung: Mehr Tempo verkürzt nicht nur die Einkaufszeit, sondern lohnt sich auch für den Handel, wenn er dadurch weniger Kassen und Personal braucht.

Ob es zu diesen positiven Effekte kommt, bleibt abzuwarten. Zunächst ist die Technik auf kleine Beträge begrenzt. Damit reagiert die Finanzwirtschaft auf Umfragen, nach denen sich die Menschen unwohl fühlen, wenn auch größere Beträge abgebucht werden könnten. Dabei gilt das Verfahren unter Experten als sicher. Die Karte muss bis auf ein, zwei Zentimeter an das Lesegerät herangeführt werden, damit der Betrag abgebucht wird. Rein technisch wäre die Kommunikation auch noch bei einem Abstand von 40 Zentimetern möglich.

Bequemlichkeit ist eine andere Hürde. Denn das Geld wird nicht automatisch vom Konto abgebucht. Wie bislang schon bei der von vielen geschmähten Geldkarte muss der Chip aufgeladen werden, maximal 200 Euro sind möglich. Immerhin ist ein Abo-Service vorgesehen. Der Kunde vereinbart mit seiner Bank, dass diese den Chip auffüllt, sobald ein Betrag unterschritten ist.

Vor allem die Sparkassen sind von dem Erfolg der neuen Technik, die auf Musikfestivals und in Fußballstadien bereits eingesetzt wird, offenbar überzeugt. Bis Jahresende sollen bereits 16 Millionen der insgesamt 45 Millionen Sparkassen-Cards die NFC-Technik haben. Die Volks- und Raiffeisenbanken, sowie die privaten Institute wollen den Versuch erst abwarten.