Zertifikate

Vier Strategien für den Börsen-Aufschwung

Anlageprofis sind zuversichtlich für das kommende Jahr. Mit Zertifikaten können routinierte Anleger ihre eigene Strategie entwerfen.

Foto: WELT ONLINE Infografik

Neues Jahr, neues Glück. Die überwiegende Mehrzahl der Anlageprofis blickt zuversichtlich auf das Börsenjahr 2012. Das zeigen mehrere Umfragen unter Anlageberatern bei Banken, Sparkassen und Vermögensverwaltern. Bei einer Erhebung der DAB Bank unter unabhängigen Vermögensverwaltern erwarten mehr als 50 Prozent einen Anstieg des Dax auf mehr als 7000 Punkte. Eine gar nicht so kleine Schar von Superoptimisten (15 Prozent), sieht den Index sogar auf mehr als 8000 Punkte in die Höhe schnellen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Umfrage des Fachmagazins "Der Zertifikateberater" unter Anlageberatern bei Banken und Sparkassen. Auch hier erwarten 70 Prozent der Teilnehmer im ersten Halbjahr 2012 mehr oder weniger deutliche Kursgewinne. Beinahe ein Drittel der Berater rechnet beim Dax mit einem Plus von über zehn Prozent. Beim Euro-Stoxx-50 liegt die Quote derer, die Zuwächse von zehn Prozent und mehr voraussagen immer noch bei 17 Prozent.

Dazu passend bietet die LBBW noch bis zum 11. Januar ein Outperformance-Zertifikat auf den Euro-Stoxx-50 neu zur Zeichnung an. Bei dem Papier wird die Performance des Index am Ende der 4,5-jährigen Laufzeit mit einer Partizipationsrate von 190 bis 210 Prozent abgebildet (WKN: LB0HMT). Die genaue Höhe der Beteiligungsquote kann erst bei Emission festgelegt werden.

Geht man vom Mittelwert der angestrebten Partizipationsrate aus, dann würde bereits ein 50-prozentiges Plus im Index genügen, um das eingesetzte Kapital zu verdoppeln. Eine Beschränkung der möglichen Gewinne nach oben (Cap) gibt es nicht, so dass Anleger im Fall einer lang anhaltenden Erholungsrallye bis zum Schluss mit doppelter Kraft dabei bleiben können. An einem Rückgang des Index werden die Käufer des Zertifikats "nur" eins zu eins beteiligt. Sollte der Index am Ende um die gleichen 50 Prozent im Minus liegen, wird der Indexverlust auch bei dem Outperformer entsprechend angerechnet.

Die vermeintliche "Traumkonstellation" aus gehebelter Gewinnchance und einfachem Verlustrisiko ist möglich, weil der Euro-Stoxx-50, anders als etwa der Dax als reiner Kursindex, also ohne Anrechnung der Dividenden, berechnet wird. Die zusätzliche Ertragskomponente der Gewinnausschüttungen geht an den Zertifikateanlegern damit vorbei.

Anleger, die sich nicht ganz so lange binden wollen, können die Outperformance-Idee aber auch über bereits an der Börse gehandelte Produkte umsetzen. Die DZ Bank bietet ein entsprechendes Euro-Stoxx-Papier mit einer deutlich kürzeren Laufzeit von eineinhalb Jahren und einer Partizipationsrate von immerhin 175 Prozent an. Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Startrampe für die Hebelwirkung erst bei einem Indexstand von 2400 Punkten erreicht wird. Bis dahin zählen Gewinne bei diesem Papier nur einfach. Ein Indexplus von 30 Prozent auf rund 2930 Punkte würde bei dem Zertifikat dennoch zu einem Gewinn von beinahe 50 Prozent führen (WKN: DZ0XQ7).

Papier kombiniert Gewinnchance mit Sicherheit

Aber auch das Gegenstück zur gehebelten Spekulation auf Aktiengewinne ist möglich. Goldman Sachs bietet eine Reihe von Kapitalschutzpapieren auf den Euro-Land-Index an, bei denen Investoren per Fälligkeit mindestens den ursprünglichen Ausgangsbetrag von 100 Euro erstattet bekommen. Sollte der Euro-Stoxx am entscheidenden Bewertungstag unter dem sogenannten Basispreis notieren, dann kommen die Anleger mit dem Schrecken davon. Ob der Index dabei dramatisch abstürzt, oder ob er nur knapp das Ziel verfehlt, spielt keine Rolle. Der Schutzbetrag bleibt in jedem Fall erhalten. Dessen ungeachtet können sich die Investoren aber auch hierbei eine nach oben unbegrenzte Gewinnchance von bis zu 100 Prozent der denkbaren Indexzuwächse sichern.

Dies gilt beispielsweise bei einem Papier, das bis zum Dezember 2015 läuft (WKN: GS8J0X). Oberhalb des Basispreises von 2250 Indexpunkten wird der prozentuale Gewinn des Euro-Stoxx-50 per Fälligkeit in vollem Umfang angerechnet und an die Investoren ausgezahlt. Ein auf Sicht von vier Jahren durchaus vorstellbares Indexplus von 30 Prozent würde bei dem Zertifikat also zu Gewinnen in beinahe derselben Höhe führen. "Beinahe" deshalb, weil das Zertifikat aktuell zu etwas mehr als 100 Euro angeboten wird.

Bei ansonsten gleichen Papieren mit kürzeren Laufzeiten sinkt die mögliche Beteiligungsquote allerdings sehr stark ab. Bei Kapitalschutzpapieren mit nur zwei Jahren Laufzeit (bis 2013) würden Anleger daher "nur" noch die Hälfte der bis dahin erreichten Aktiengewinne mitmachen, hätten allerdings trotzdem die Gewissheit am Ende zumindest das Startkapital zurückzubekommen.

Hintergrund der sinkenden Beteiligungsquoten ist die Konstruktion der Papiere. Sie werden aus einer Nullkuponanleihe und einer Aktienoption zusammengesetzt, wobei der Preisabschlag der Anleihe zum Kauf der Optionen genutzt wird. Bei kurzer Laufzeit ist der für den Kauf der Option verfügbare Betrag entsprechend geringer, sodass sich eine geringere Aktienchance ergibt.

Lange Laufzeiten mit Nachteilen

Nachteil der langen Laufzeiten ist jedoch, dass das Anlagekapital bei diesen Papieren nur dann eine Rendite abwirft, wenn es am Aktienmarkt tatsächlich zu Kursgewinnen kommt. Bleiben sie aus, dann erhält der Anleger zwar sein Geld zurück, er hätte dann allerdings eine mehrjährige Durststrecke ohne jeden Ertrag zu erdulden. Zumindest die Inflation würde ihm dann einen indirekten realen Wertverlust bescheren.

Um diesem Problem zu begegnen, können andere Spielarten von Zertifikaten genutzt werden, bei denen auch in Phasen moderater Kursverluste oder per Saldo stagnierender Börsenkurse Kapitalrenditen erzielt werden können. Hierzu zählen vor allem Discountzertifikate. Bei einem knapp zwei Jahre laufenden Discountpapier auf den Euro-Stoxx-50 erzielen Anleger selbst dann eine jährliche Rendite von über sieben Prozent, wenn der Index bis dahin um mehr als 30 Prozent einbricht.

Um den Maximalgewinn von absolut 14,5 Prozent zu erzielen, genügt es nämlich, dass der Index am Ende oberhalb von 1300 Punkten steht. Gegenüber dem aktuellen Indexstand um 2260 Zähler entspräche dies einem neuerlichen Absturz um mehr als 42 Prozent (WKN: GS24V5). Bei einem entsprechenden Dax-Papier mit allerdings etwas geringerem Absturzschutz sind rund acht Prozent pro Jahr möglich, sofern der Index am Ende bei mindestens 3600 Punkten steht (WKN: GS2UMK).

In beiden Fällen gilt aber, dass es in einem Krisenfall eben auch zu Verlusten kommen kann. Bei dem derzeit zu rund 31 Euro angebotenen Dax-Discounter wäre dies bei einem Absturz bis unter 3100 Punkte der Fall. Dann nämlich erfolgt eine Rückzahlung entsprechend dem Indexstand, wobei ein Punkt im Index einem Euro-Cent entspricht.

Bei Discountern sind die Gewinne begrenzt

Knackpunkt bei der Discountanlage ist aber die begrenzte Gewinnchance. Denn auch bei boomenden Aktienmärkten ist der Gewinn nach oben immer limitiert. Abhilfe schaffen die etwas riskanteren Bonuszertifikate. Bei ihnen werden Anleger bei Indexgewinnen nach oben voll beteiligt, bekommen aber dennoch einen bedingten Schutz gegen Börsenverluste. Denn solange eine bestimmte Kursschwelle vom Index nicht unterschritten wird, kommt es am Ende selbst bei (moderaten) Indexverlusten zu einer Auszahlung in Höhe des sogenannten Bonuslevel.

Bei einem ebenfalls zwei Jahre laufenden Papier der RBS würden Anleger immer dann eine Mindestzahlung von 30 Euro (entspricht 3000 Punkten) erhalten, wenn der Euro-Stoxx zu keinem Zeitpunkt unter die Sicherheitsbarriere bei 1550 Punkten gefallen ist (WKN: AA3TUA). Dies entspricht einem Sicherheitsabstand von rund 30 Prozent, wobei es zu beachten gilt, dass diese Barriere tatsächlich zu keinem Zeitpunkt während der Laufzeit unterschritten werden darf, um in den Genuss der Bonuszahlung zu kommen.

Um dieses Risiko zu reduzieren, kann aber auch auf Papiere mit tieferen Barrieren ausgewichen werden. Bei einem bis 2014 laufenden Zertifikat der Société Générale etwa, könnte sich der Euro-Stoxx mehr als halbieren, ohne dass die Bonuszahlung in Gefahr gerät. Bleibt der Index in den kommenden drei Jahren immer oberhalb von 1000 Punkten, gelingt Anlegern mit einer Bonusrendite von 3,6 Prozent pro Jahr zumindest ein Inflationsausgleich. Bei der von vielen Anlageprofis erwarteten Aktienerholung wären sie dennoch in vollem Umfang beteiligt (WKN: SG2FNR).

Fazit: Zertifikate bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten, um je nach Geschmack mit Hebel oder Sicherheitsnetz vom Aktienmarkt zu profitieren. Welcher Weg dabei der richtige ist, hängt von der Markterwartung und dem Sicherheitsbedürfnis jedes einzelnen ab. Um den Maximalgewinn von 14,5 Prozent zu erzielen, genügt es, dass der Euro-Stoxx über 1300 Punkten steht